Frust und Freude bei den Kelheimer Kandidatinnen und Kandidaten - das Analysieren beginnt

Ein langer Wahlabend ist zu Ende. Während einige jubelten, gab es auch Verlierer. Wir haben mit den Direktkandidaten gesprochen.
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Der hoffnungsfrohe Realist: Daniel Elsner von Bündnis 90/Die Grünen
„80 Prozent im Landkreis haben konservativ gewählt. Das ist ein klares Ja zu Stillstand statt Fortschritt. Aber wir werden nach vorne schauen und eine vernünftige Basisarbeit machen“, sagt Daniel Elsner, Direktkandidat der Bündnis 90/Grüne zum Ergebnis.
Mit seinen Parteikollegen hatte er im Cafe Buk in der Kelheimer Innenstadt die Wahl verfolgt. Als die ersten Hochrechnungen aus dem Landkreis eintrudelten, zeigte er sich noch optimistisch: „Wenn ich mir die ersten Prognosen anschaue, dann läuft es gut. Unser Ziel ist es, zweitstärkste Kraft in Bayern zu bleiben.“ Ganz unaufgeregt stand er am Stehtisch und sah sich die Stimmenverteilung an. „Ich sehe das Ganze realistisch“, sagte Elsner, „es ist schwierig, im Landkreis Kelheim von den Schwarzen das Direktmandat abzuluchsen, aber es wäre schon wichtig, auf der Fläche mehr Grün zu haben.“ Ganz einfach sei das nicht. Bei den Gesprächen im Wahlkampf sei ihm teilweise ein rauer Ton, „eine gewissse Grundwut“, entgegen gebracht worden. Im Gespräch habe man vielen Menschen die Sorgen, die sie hatten, nehmen können. „Jetzt haben wir zwei Stimmen aus Niederbayern im Landtag drinnen, wir hoffen noch auf ein drittes Mandat für Niederbayern“, gab sich Elsner bescheiden.
Christian Breu (AfD): „Das ist ein Super-Ergebnis für die AfD“
AfD-Kandidat Christian Breu freute sich am Wahlabend. „Das ist ein Super-Ergebnis für die AfD in Bayern“, kommentierte er das Wahlergebnis seiner Partei. Und auch über sein eigenes Resultat freute er sich. Obwohl er lediglich auf Platz 8 der Landesliste gesetzt war, mochte er am Sonntagabend noch nicht alle Hoffnungen aufgeben, dass ihm noch der Einzug ins Maximilianeum gelingen könne. Man müsse die Zweitstimmen sehen, betonte er. Den Erfolg der AfD führte er „auf die aktuelle Ampel-Politik in Berlin“ zurück. „Was die Leute bewegt, ist die Energiepolitik“, sagte Breu. „Viele Leute orientieren sich um.“
Luisa Haag (SPD): Erststimmen-Ergebnis lässt hoffen - trotz allem
Positiv denken, das hat sich die SPD-Direktkandidatin Luisa Haag am Wahlabend selbst verordnet. Auch wenn der Wahlabend für die Bayern-SPD zum Debakel wurde, ist für die Abensbergerin zumindest ihr persönliches Abschneiden Grund zur Freude: Sie, die als „,No Name‘-Politikerin ohne kommunales Mandat“ angetreten sei, habe bei ihrem Erststimmen-Ergebnis besser abgeschnitten als das SPD-Zweitstimmen-Resultat, betont Haag, als gegen 21.30 Uhr fast alle Kelheimer Stimmbezirke ausgezählt sind und sie bei 7,0 Prozent liegt.
Das wertet die 29-Jährige als ein Zeichen, dass ihr Wahlkampf durchaus zielführend gewesen sei. Den sieht sie als „Startschuss“ – die Pädagogin will auch in kommenden Wahlen ihren Hut in den Ring werfen.
Florian Geisenfelder (Bayernpartei): Freude über Verluste der Grünen
Der Bäckermeister aus Rohr hatte am Wahlabend eine klare Meinung: „Mich freut es, dass die Grünen Stimmen verloren haben. Ich bin aber auch besorgt, dass die AfD so zugelegt hat." Über den Bedeutungsverlust seiner Partei stellt er fest: „Die Leute sagen uns, die Bayernpartei ist toll, aber ihr habt keine Chance. Das ist der ewige Kampf.“ Und an die Adresse der Freien Wähler gerichtet sagte er, die Freien Wähler profitierten von ihrer Präsenz im Landtag. Man solle überlegen, ob die 5-Prozent-Hürde gekippt oder auf drei Prozent gesenkt werde, um auch den kleinen Parteien eine bessere Chance zu geben.
Eva Keil (FDP): Enttäuscht vom Partei-Ergebnis, aber im Reinen mit sich selbst
Die Enttäuschung über das FDP-Desaster war Eva Keil anzumerken. „Es hat sich leider abgezeichnet, aber etwas optimistischer war ich schon“, sagte die 23-Jährige. Die Bundespolitik hätte die liberalen Ambitionen in Bayern überschattet. Ihr persönliches Abschneiden rief „gemischte Gefühle“ hervor. „Wo ich sehr engagiert Wahlkampf vor Ort führte, habe ich doch gut gepunktet. Andernorts war es mager.“ Sie lasse sich aber nicht entmutigen. „Es war meine erste Kandidatur überhaupt. Ich muss an meiner Bekanntheit arbeiten.“
Ralf Schramm (ÖDP): Zufrieden mit dem eigenen Ergebnis
„Wir haben einen Wahlkampf gemacht bis zur Erschöpfung. Wir haben viele Bürger erreicht“, betonte Ralf Schramm (ÖDP). Dennoch änderte sich am Stimmenanteil der ÖDP gegenüber der Wahl vor fünf Jahren wenig. Schramm kommentierte das mit einem Satz: „Alles, was nicht schlechter ist, ist schon mal gut.“ Der Wahlkampf der ÖDP seien viele Einzelgespräche gewesen. „Wir füllen keine Bierzelte.“ Über sein Ergebnis in seiner Heimatgemeinde Attenhofen freute sich Schramm. „Zweistellig“, verkündete er am Wahlabend stolz. Zum „Kopf-an-Kopf-Rennen“ von CSU und Freien Wählern meinte er, das sei zu erwarten gewesen. „Erstaunlich“, findet Schramm, das Ergebnis der AfD, nachdem die Partei im Wahlkampf „nicht zu sehen war“.
Mascha Buchwald (Linke): Wenig überrascht von sich – bestürzt von der AfD
Mascha Buchwald aus Ergolding freute sich bei ihrer Premiere, „dass mich doch ein paar Hundert Menschen gewählt haben“. Das Ergebnis für sie und auch ihre Partei sei nicht überraschend. „Die Linke hat es in Bayern nicht einfach.“ Als „nicht zuträglich für die Demokratie“ bewertete sie das Abschneiden der AfD. Auf der anderen Seite verhehlte die 25-Jährige ihre Sympathie für die Grünen nicht.

