Erfolgsgeschichte: Nachbarschaftshilfe in Wackersdorf ist seit zehn Jahren für andere da

Was tun, wenn die Kinder längst ausgezogen sind und man mit dem Eigenheim und dem Garten zunehmend überfordert ist? In Wackersdorf heißt die Antwort: Nachbarschaftshilfe. Mittlerweile besteht der Verein seit zehn Jahren.
Vorsitzender Artur Gut und seine Stellvertreterin Elke Meier hatten seit der Gründung nie ihre Zweifel, dass die Organisation bis heute bestand haben würde. „Es gibt immer mehr Bürger im Alter von 65 Jahren aufwärts“, sagt Gut beim Pressegespräch im Rathaus. Derzeit leben in der rund 5400 Seelen zählenden Gemeinde mehr als 1000 Menschen, die diese Altersgrenze bereits erreicht haben. „2030 werden es etwa 1500 sein“, schätzt Gut und fügt hinzu: „Wir betreuen aber natürlich auch Hilfsbedürftige, die jünger sind.“
Die Idee, in Wackersdorf eine Nachbarschaftshilfe zu gründen, entstand vor zehn Jahren während einer Infoveranstaltung der „Lernenden Region“, an der der örtliche Seniorenclub teilgenommen hatte. Hier wurde damals das Konzept Nachbarschaftshilfe vorgestellt. „Wir haben dann gleich mit unserem Bürgermeister gesprochen und der war sofort dabei“, erinnert sich Stellvertreterin Meier.
1300 Einsätze von 2013 bis heute
Bei einer Versammlung am 18.Juni 2013 wurde die Nachbarschaftshilfe schließlich als eigenständiger Verein gegründet – neben den Organisationen in Pfreimd und Neunburg war es der erste Verein dieser Art im Landkreis. Damals seien etwa 50Interessenten vor Ort gewesen. Auch Gemeindeoberhaupt Thomas Falter (CSU) war mit von der Partie. „Normalerweise hält man sich als Bürgermeister mit Vorstandstätigkeiten in Vereinen zurück, aber das war mir wirklich eine Herzensangelegenheit“, sagt Falter. Er sei bis heute Teil der Vorstandschaft und unterstütze die Organisation seitens der Gemeinde.
Am 1. Oktober 2013 hatte die Nachbarschaftshilfe ihren ersten Einsatz. Weitere 1300 sollten bis heute folgen. Derzeit besteht das Team aus gut 100 Mitgliedern, 44 davon sind aktive Helfer. Sie sorgen dafür, dass die Bürger in Wackersdorf und den umliegenden Gemeindeteilen mit ihren Herausforderungen nicht alleine gelassen werden. „Wir machen das, was ein guter Nachbar auch machen würde“, fasst Gut zusammen.
Drei Einsätze werden wöchentlich von der Nachbarschaftshilfe bewerkstelligt. Als Koordinatorin fungiert 2. Vorsitzende Elke Meier. Sie nimmt die Hilfegesuche persönlich im Rathaus, telefonisch oder schriftlich entgegen und teilt die Helfer dementsprechend ein. Das Aufgabengebiet reicht von der Hilfe bei Einkäufen über Fahrten zu Ärzten oder Veranstaltungen, Begleitungen beim Spazierengehen bis hin zu Hausbesuchen, dass sich Alleinstehende wenigstens für ein paar Stunden nicht so einsam fühlen.
„Wir lehnen selten eine Anfrage ab“, sagt Gut. Lediglich das Schneeräumen werde nicht mehr von der Nachbarschaftshilfe abgedeckt. „Das ist sehr anstrengend und viele unserer Helfer sind eben auch schon 65 plus“, schmunzelt Gut. Auch bei Pflegedienstleistungen zieht der Verein eine Grenze, ebenso bei Putzdiensten. „In diesen Fällen vermitteln wir aber gerne an externe Dienstleister“, sagt Gut.
Fahrtdiensten zu Ärzten sind bei den Wackersdorfern beliebte Dienstleistungen
Die Anfragen hätten sich in den vergangenen zehn Jahren ohnehin weitestgehend im einfacheren Rahmen gehalten. Vor allem die Fahrtdienste zu ärztlichen Einrichtungen würden gerne in Anspruch genommen, ebenfalls die Unterstützung bei Einkäufen. Es habe aber durchaus auch mal extravagantere Bitten an den Verein gegeben. „Wir haben auch schon mal bei Umzügen geholfen. Und es gab mal jemanden, der uns zu Baumfällarbeiten holen wollte, aber das konnten wir dann wirklich nicht bewerkstelligen“, so der Vorsitzende. Auch für die Gemeinde hätte die Nachbarschaftshilfe schon wertvolle Arbeit geleistet. Zum Beispiel bei der Betreuung von Flüchtlingen. „Wir haben 2015 die erste syrische Familie in unserer Gemeinde aufgenommen, da waren die Nachbarschaftshilfe und ich die ersten Ansprechpartner“, erinnert sich Falter.
Nachbarschaftshilfe hat Sprachpaten organisiert
Das erste Aufeinandertreffen werde er nie vergessen. „Wir hatten einen damals bei uns praktizierenden Arzt aus Syrien als Dolmetscher dabei, um überhaupt zu erfahren, welche Bedürfnisse die Familie hat.“ In der Folge organisierte die Nachbarschaftshilfe Sprachpaten, begleitete die Asylsuchenden bei Behördengängen und betrieb drei Jahre lang eine Kleiderkammer, die auch sozial Bedürftige in Anspruch nahmen.
Egal welche Herausforderungen es bisher gab – ob im privaten Umfeld oder auch auf kommunaler Ebene, die Nachbarschaftshilfe stand immer parat, und wird es nach Aussagen der Vorsitzenden auch in Zukunft tun. So steht es auch auf der aktuellen Broschüre des Vereins geschrieben, die 2022 in Umlauf gebracht wurde.
Dort prangt auf der Titelseite ein Zitat des berühmten Arzt und Philosphen Albert Schweitzer: „Es kommt im Leben vor allem auf die Helfer an – und auf die Helfer der Helfer.“