Ganghoferstraße Teublitz: Wohnungen gegen Willen des Landratsamts freigegeben

Die Kräne sind längst verschwunden, auch Handwerkerfahrzeuge sieht man nur noch sporadisch. Die meisten Mieter der neuen Wohnanlage sind eingezogen. Und doch ist im Quartier zwischen Ganghofer- und Schillerstraße längst nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es gibt sogar neuen Ärger.
Wie berichtet, hat ein Investor aus Ulm in den vergangenen Jahren in der Siedlung ein Großprojekt hochgezogen. Wegen seiner Bauart und Dimension war es in der Nachbarschaft von Beginn an umstritten. Vor allem als für die Gruben die Spundwände in die Erde gerammt wurden, lagen die Nerven schnell blank.
Das ist Schnee von gestern. Mittlerweile ist die Anlage so gut wie fertig. Und doch wird die Freude der Mieter über ihr modernes Zuhause stark getrübt. Geschichten über Mängel machen die Runde. Hier hakten die Rollos, dort laufe in der Dusche das Wasser in die falsche Richtung, woanders welle sich der Bodenbelag. Fernsehen über WLAN sei nur eingeschränkt möglich. Ein weiteres Problem strahlt weit über die Grundstücksgrenzen hinaus.
Plötzliches Parkchaos
Die Tiefgaragen unter den Gebäuden mit rund 50 Wohneinheiten können nämlich noch immer nicht genutzt werden. Das soll anfangs zu einem regelrechten Chaos geführt haben. Nach Schilderungen mehrerer Anlieger wurden Feuerwehrzufahrten verstellt, und viele Neubürger sahen sich gezwungen, ihre Autos ringsum in den schmalen Wohnstraßen zu parken. Prompt regte sich bei den Altanliegern Unmut, weil das Rangieren aus ihren Grundstücken erschwert wurde.
„Das ist sehr bedauerlich! Das Verhältnis war ja ohnehin schon belastet“, kommentiert ein Mieter des neuen Wohnkomplexes. Seinen Namen möchte der Mann lieber nicht in der Zeitung lesen. Er weiß um den Ärger, den sich andere eingehandelt haben, nur weil sie sich in der heißen Bauphase Luft verschafften.
Brandmeldeanlage funktioniert noch nicht
Der Neubürger hat bereits Kontakte zu Nachbarn geknüpft und möchte auf diese Weise seinen Teil dazu beitragen, „dass die neue Anlage möglichst schnell gut integriert wird“. Da sei Ärger wegen ungünstig abgestellter Autos kontraproduktiv. „Der Zündstoff wäre doch im Nu verpufft, wenn wir die Garagen nutzen könnten!“, bringt es der Mann auf den Punkt.
Das Projekt war von Anfang an umstritten. Altanlieger schlossen sich in einer Bürgerinitiative zusammen. Lesen Sie dazu: In der Ganghoferstraße wird jetzt gebaut
Was aber ist die Ursache für die Sperrung? „Im Kern geht es um die Brandmeldeanlage“, berichtet der stellvertretende Pressesprecher des Landratsamts, Matthias Meier. Die Anlage sei „nicht ordnungsgemäß installiert“ worden, so dass sie nicht funktionsfähig sei. Der Fehler dürfte zwar zu beheben sein, doch wie viel Zeit dies in Anspruch nehmen werde, sei derzeit nicht seriös zu beantworten, so Meier.
Anweisung der Behörde ignoriert
Damit nicht genug: Wie Meier weiter mitteilt, war die Bauabteilung seiner Behörde eigentlich grundsätzlich dagegen, dass die Wohnanlage ohne vorherige Lösung des Brandschutz-Problems bezogen wird. Das sei, so betont Meier, bei einem Ortstermin mit einem Vertreter des Investors auch klargemacht worden. Um so verwunderter seien die Kontrolleure gewesen, als sie Ende Juli vor den Hauptzugängen die ersten Umzugswagen sahen. Die Folgen sind laut Meier ein Zwangsgeld und die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen den Investor. Theoretisch, so der Pressesprecher weiter, hätte das Amt nachträglich auch eine Nutzungsuntersagung aussprechen und auf eine Räumung der Wohnungen dringen können. Doch davon habe man mit Rücksicht auf die Mieter, die sonst vermutlich nicht wüssten wohin, Abstand genommen.
Kann es sein, dass ein Bauträger klare Anweisungen einer Baubehörde ignoriert? Die Mittelbayerische hat dem Eigentümer entsprechende Fragen geschickt. Die Antwort: „Wir werden zu dem Objekt und Ihren Fragen keine Stellungnahme abgeben“, teilte ein Mitarbeiter des Unternehmens mit, der vor Ort als Ansprechpartner für Mieter und Behörden fungiert.
Besorgte Anlieger wandten sich kürzlich an die Stadtverwaltung. Sie schilderten die Probleme, die durch wildes Parken entstanden sind, und drängten auf eine Verstärkung der Parkraumüberwachung. Denn es sei nicht nur unerfreulich, wenn Ausfahrten blockiert würden, es sei lebensgefährlich, wenn im Notfall die Feuerwehr steckenbleibe.
Kommune ist laut Bürgermeister machtlos
Bürgermeister Thomas Beer (CSU) zeigte sich verständnisvoll. Die Beweggründe der Anlieger seien „völlig nachvollziehbar“, er teile ihre Sorgen. Die Wohnungen hätten auch nach Auffassung des Rathauschefs erst nach Inbetriebnahme der Tiefgaragen bezogen werden dürfen. Daher sei die Stadt mit der Bauaufsicht und der Eigentümergesellschaft in Verbindung.
Der Handlungsspielraum der Kommune sei allerdings beschränkt. Beer wörtlich: „Die Parksituation auf dem Privatgrundstück und das Freihalten der Feuerwehrdurchfahrt kann von unserer Verkehrsüberwachung nicht kontrolliert werden, da es sich um ein Privatgrundstück handelt.“
Zwischenzeitlich hat sich die Lage etwas entspannt. Mieter dürfen ihre Fahrzeuge vorübergehend auf einem Grundstück abstellen, das vor kurzem einer Baufirma als Lagerplatz diente. Doch das sei im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Notlösung, sagen Nutzer. Bei Trockenheit wirble jede Menge Staub auf, bei Regen bildeten sich rasch Pfützen. Außerdem lauere überall die Gefahr, in einen Nagel zu geraten.
Abgesehen davon sei zu befürchten, dass das Grundstück als Parkmöglichkeit bald wieder ausscheide. Auch dafür gebe es nämlich einen Bauantrag. Der Stadtrat verweigerte zwar seine Zustimmung, doch das Landratsamt hat nach MZ-Informationen der Verwaltung zwischenzeitlich mitgeteilt, dass es das gemeindliche Einvernehmen ersetzen werde. Der Antragsteller halte alle Vorschriften ein.