AMS Osram verschafft sich Luft – Investoren drängen auf Lösung der Finanzprobleme

Von Bernhard Fleischmann · 28. September 2023 um 15:00

Der Sensoren-Hersteller AMS Osram wird gut zwei Milliarden Euro ins Haus holen. Investoren drängen auf Lösung der Finanzprobleme.

Man kann Aldo Kamper nicht vorwerfen, dass er sich vor schwierigen Aufgaben drückt. In den vergangenen Jahren hatte er alle Hände voll zu tun, den kriselnden Autozulieferer Leoni über Wasser zu halten. Nun wechselte er vor einigen Monaten als Vorstandschef zurück zum Sensorenhersteller AMS Osram. Auch da wartete ein Berg an Problemen darauf, abgetragen zu werden. Vor allem ein gewaltiger Schuldenberg lastet auf dem Unternehmen, den Vorgänger Alexander Everke auch mit dem milliardenteuren Übernahmekampf aufhäufte, als er mit der kleineren AMS das Traditionsunternehmen Osram schluckte. Nun hat Kamper gemeinsam mit Finanzchef Rainer Irle verkündet, wie das geschehen soll.

„Löst das Schuldenproblem“

Am Donnerstag erläuterten die beiden Vorstände in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz eine am Vorabend verbreite Mitteilung. Kernbotschaft: AMS Osram deckt sich zunächst mit 1,9 Milliarden Euro ein, im kommenden Jahr sollen noch mal 350 Millionen Euro folgen. Dazu nutzt man eine Kombination von Kapitalerhöhung, neuen Anleihen und weiteren Finanzierungsinstrumenten. Damit sollen das Wachstum gestärkt und die Bilanz verbessert werden.

Dass die Situation schwierig ist, verdeutlichte Kamper so: Investoren hätten ihm und Irle gegenüber erklärt: „Löst das Schuldenproblem ein für allemal, dann kommen wir zurück.“ Sorgen bereitete die niedrige Eigenkapitalquote von 18 Prozent und die Tatsache, dass bis 2025 zwei Milliarden geliehene Euro fällig sind – und das bei den gegenwärtig hohen Zinsen.

Der Finanzierungsplan

Die klare Ansage potenzieller Geldgeber mündet nun in einen Finanzierungsplan, der in mehreren Stufen erfolgen soll. Die erste ist eine Kapitalerhöhung über 800 Millionen Euro. Altaktionäre sollen zum Vorzugspreis kaufen können. Zudem sollen auch vorrangig unbesicherte Anleihen über ebenfalls 800 Millionen Euro ausgegeben werden.

Eine außerordentliche Generalversammlung am 20. Oktober 2023 soll diese Kapitalerhöhung genehmigen. Um die Gesamtkosten der Fremdkapitalaufnahme gering zu halten, seien zusätzlich der Verkauf und Rückmietung (Sale & Lease Back) von Unternehmensvermögenswerten geplant. Damit will man die Hochzinsphase überbrücken.

Komplettiert werden soll das Finanzpaket durch weitere Fremdkapitalinstrumente in Höhe von circa 350 Millionen Euro. Abhängig von den Entwicklungen an den Märkten könnten dann noch unbesicherte Anleihen, Direktkredite oder andere Instrumente hinzukommen.

Finanzchef Rainer Irle sagte, mit dem frischen Geld solle auch die Verschuldung abgebaut werden, um das „Unternehmen auf einen gesunden Schuldenstand im Investment-Grade-Bereich zu bringen“. 2026 soll dies wieder der Fall sein. Damit ist eine Bonität gemeint, die als gut oder sehr gut eingestuft wird − ein Rating von mindestens BBB (Standard and Poor's) oder Baa (Moody's). Vorschriften für bestimmte Gesellschaften (etwa Pensionskassen) sehen vor, dass nur mit Investment Grade klassifizierte Investitionen getätigt werden dürfen. So soll unter anderem die Eigenkapitalquote auf 30 Prozent gehievt werden.

Gleichzeitig wird das Unternehmen seine Investitionen in den nächsten Jahren senken. Allerdings steht noch der Aufbau der Fertigung von Acht-Zoll-Wafern für LEDs in Malaysia an.

Investition in Regensburg

Erst in der vergangenen Woche verkündete das Unternehmen, dass in den Standort Regensburg, wo optische Halbleiter entwickelt und produziert werden, weitere gut 600 Millionen Euro fließen und 400 zusätzliche hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen sollen. Knapp die Hälfte der Summe sind Subventionen, die sich der Bund (zwei Drittel) und Bayern (ein Drittel) teilen. Regensburg ist der wichtigste Forschungsstandort für optische LEDs in Europa. Aktuell sind hier rund 2700 Menschen bei Osram Opto beschäftigt.