Die Firmengruppe Max Schierer in Cham ist 125 Jahre alt und hat ein Erfolgsgeheimnis

Max Schierer sitzt gemeinsam mit seinen beiden anderen Geschäftsführern im Konferenzraum. Mit seiner Schwiegertochter Martina Schierer trifft der 86-Jährige die wichtigen Entscheidungen immer noch gemeinsam mit dem operativen Leiter der Firmengruppe, Josef Schmidberger. „Wenn es wichtig wird und um strategische Ausrichtung geht, dann sind wir immer zu dritt. Das Alltagsgeschäft landet auf meinem Schreibtisch“, umschreibt es Schmidberger.
Ganz offensichtlich ein Erfolgsmodell, das auf Harmonie gegründet ist. Schmidberger ist seit 30 Jahren in der Firma. Damit ist er eines der Urgesteine,die die Firmengruppe Max Schierer tragen – vor allem in den Führungsebenen der verschiedenen Geschäftszweige. Einfach war es für die Firma nie. Max Schierer zählt auf, was alles überstanden worden ist: Zwei Weltkriege, eine Wirtschafts- und Finanzkrise 1930, eine neue Währung...
„Das suchst du dir nicht aus“
Hinzu kommt, dass man auf dem begrenzten Raum zwischen Regenschleife und Regentalaue seit 125 Jahren zum Wachstum verdammt war. „Das suchst du dir nicht aus. Es gibt genügend Geschäftspartner, die bei Millionenaufträgen genau hinschauen und dann einen aussuchen, der das auch stemmen kann. Wenn du da mitspielen willst, musst du wachsen“, sagt Max Schierer. Deswegen war es ihm immer wichtig, genug Geld für die nötigen Investitionen zu haben.
Doch in den letzten Jahren ist noch eine große Unbekannte dazugekommen, die die Geschäftsführung freundlich umschreibt mit den „Unbilden der Wirtschaft und der Politik“. Und im Ergebnis hat Schierer 2023 gleich mehrere Gründe zu feiern. Denn die Firmengruppe hat auch in Krisen ihre Sattelfestigkeit bewiesen. Auch wenn es nicht immer leicht war zwischen Corona, Inflation und Ukrainekrieg.
Es kostet manche schlaflose Nacht, wenn sich schlagartig seit Herbst 2022 die Auftragsbücher geleert haben. „Der Einfamilienhausbau ist praktisch tot. Andere pausieren und verschieben ihre Projekte“, sagt Schmidberger. Die Firmengruppe hat viel erlebt in diesen schweren Zeiten. Lieferanten, die die Preise noch höher getrieben haben, indem sie ihre Produkte horteten. Containerkosten, die sich verzehnfachten. Zeiten, in denen nichts mehr zu bekommen war und man überlegen musste, wem man das Wenige liefern sollte. „Wir haben voll auf unsere Stammkunden gesetzt. Wir sind auch einmal mit zehn KG-Rohren auf eine Baustelle in Viechtach gefahren, auch wenn sich das nicht gerechnet hat“, sagt Max Schierer. Offensichtlich war die Taktik richtig, weil das Geschäft langsam wieder anspringt und Schierer immer noch da ist.
Die breite Aufstellung gehört zum Erfolgskonzept: „Wenn im Winter der Bau einschläft, fahren wir Brennstoffe aus“, sagt Schmidberger. Und Martina Schierer sagt, worauf ihre Firmengruppe in Zukunft setzt: auf Nachhaltigkeit. Zum Beispiel auf Solar-Carports und Photovoltaik, die ins Dach eingebaut werden kann, statt Ziegeln.
Glück und Unglück
Allerdings gibt es immer noch einen Schicksalsschlag, der betretenes Schweigen auslöst. Der Tod von Max Schierer jun. bei einem Helikopterunfall am 25. Januar 2019 hat Pläne über den Haufen geworfen und Leere hinterlassen. Die Journalistin Martina Schierer hatte sich nicht vorgestellt, plötzlich hart in der Geschäftsführung der Firmengruppe ihres Mannes aufzuschlagen. „Man wächst an seinen Aufgaben“, sagt sie. Und: „Ich habe die Entscheidung noch nie bereut!“
Das ist einer der Glücksfälle, die es möglich gemacht haben, dass die Firma heute 125 Jahre alt ist. Und Max Schierer hat eine weitere große Freude, weil auch nach ihm Geschäftsführer in Sicht sind: „Meine Enkel Karl und Leopold haben Interesse an der Firma!
125 Jahre Firmengruppe Max Schierer
Alles begann 1898 im Gasthaus Schierer in der Judenstraße. Josef Winkler begann neben dem Wirtshaus einen Handel mit Kunstdünger, Kalk, Zement, Dachziegeln und Kohlen.
1926 heiratete Ludwig Schierer sen. die jüngere Tochter Maria Winkler. Er übernahm das Unternehmen, brachte es durch zwei Weltkriege und hatte mit seiner Frau drei Kinder: Max, Ludwig und Lotte.
Die beiden Söhne Ludwig und Max traten 1950 und 1952 in das Unternehmen und teilen sich die Bereiche auf.
1965 errichtete die Firma Schierer ein Transportbetonwerk, kaufte den ersten Kran-Lkw und den ersten Stapler „Muli“.
Es folgte der Bau weiterer Niederlassungen: Kötzting (1970), Roding (1975), der Baumarkt in Cham (1977), Nittenau (1984), der Baumarkt Viechtach (1988) und 1990 direkt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs der Standort Pilsen.
1993 spalteten die Brüder ihre Firma in zwei GmbHs auf. Im selben Jahr eröffnete Max Schierer den Baustoffhandel in Viechtach und 1998 übernahm er in Straubing den Standort der Firma Auringer. . 2002 folgten Regen und Hoyerswerda in Sachsen.
2004 wurde Max Schierer jun. Gesellschafter. 2006 wurden Baumärkte in Nittenau und Bad Kötzting eröffnet. 2010 eröffnet Schierer das Fachmarkt-Zentrum Mexx gemeinsam mit Toom (Rewe) und Heller. Doch bereits 2018 gibt man die drei Baumärkte wieder auf.
2011 entsteht das „Stilhaus Schierer“ mit Fachausstellung und breiter Produktpalette, 3-D-Planungen und virtueller Besichtigung.
2013 eröffnet Schierer sein Brennstoff-Logistikzentrum in Nittenau und vertreibt eigenständig unter der Marke „Sparky“ seine Produkte. 2016 entsteht in Straubing-Alburg ein Baustoff-Center mit Stilhaus. 2017 wird die Schierer Metallbau GmBH gegründet und 2018 die Schreinerei Heigl aus Arnschwang ins Unternehmen eingegliedert.
2018 trifft das Unternehmen ein schwerer Schicksalsschlag. Max Schierer jun. stirbt bei einem Helikopter-Unfall. In seinem Testament ist die Nachfolge aber geregelt: Seine Frau Martina übernimmt, Max Schierer sen. und Josef Schmidberger werden zu weiteren Geschäftsführern bestellt.
2023 feiert die Firmengruppe Max Schierer in Cham ihren 125. Geburtstag gemeinsam mit ihren sieben Standorten. “

