Straßkirchen macht den Weg für BMW-Werk frei: „Ein Tag für Niederbayern“

Straßkirchen (Landkreis Straubing-Bogen) hat entschieden – 75,3 Prozent sprachen sich beim Bürgerentscheid am Sonntagabend für den Bau des BMW-Werkes aus.
Eine Hoffnung war am Sonnatg schon im Laufe des Vormittags erfüllt: Die Beteiligung an der Abstimmung pro oder contra neues BMW-Werk in Straßkirchen ist hoch: „Pro Minute ein Wähler“, schätzte Wahlvorstand Johannes Stegemann am frühen Nachmittag. Außerdem sei das Interesse an der Briefwahl schon hoch gewesen. Bei insgesamt 2800 Wahlberechtigten zeigte sich also alles andere als Desinteresse.
Fast 80 Prozent Wahlbeteiligung
Als um 18 Uhr die beiden Wahllokale schlossen und die Helferinnen und Helfer zur Auszählen gingen, wurde es genauer: 76,9 Prozent hatten ihren Abstimmungszettel in die Urne geworfen oder per Post geschickt. Jubel brach aus, als Bürgermeister Christian Hirtreiter endlich kurz vor 20.45 Uhr das Ergebnis des Tages verkündet: 75,3 Prozent für BMW – es fließen Freudentränen bei den Befürwortern des BMW-Baus. Und das sind offensichtlich viele.
Bürgerinitiative „Lebenswerter Gäuboden“ wollte Bau verhindern
Die Bürgerinitiative „Lebenswerter Gäuboden“, die den Bau verhindern will, hatte ihre Anhänger mobilisiert, aber auch die Befürworter waren in den Wochen vor der Abstimmung, „keine Wahl“, wie Straßkirchens Bürgermeister Christian Hirtreiter, stets korrigierend in die Rhetorik eingriff, rührig im Einsatz gewesen. Auf Facebook wuchs die Gruppe mit dem sperrigen Namen „Für eine moderne Heimat mit Zukunft – JA zu BMW in Irlbach und Straßkirchen“ auf knapp 1000 Mitglieder an – gut 3000 Einwohner hat Straßkirchen –, viele der Pro-BMW-Leute ließen ihre Autos mit dem Aufruf „Straßkirchen elektrisiert – Am 24.9. Zukunft wählen“ bekleben.
Und „die BMW“, wie der Autobauer landläufig bezeichnet wird, zeigte sich charmant: Der Konzern eröffnete bereits im Sommer einen Standort in Straßkirchen, um schon 2023 Gewerbesteuern überweisen zu können; schicke E-BMWs konnten tageweise ausgeliehen und getestet werden, am Info-Pavillion im Dorf konnten Besucher nicht nur Antworten auf alle Fragen über das, was dort auf über 100 Hektar Grund gebaut werden soll, und warum, erhalten, sondern auch ein Kaltgetränk oder ein Portion beim Eismann, und die Feuerwehr wurde vom potenziellen künftigen Industrienachbar mit einem ausrangierten Container bedacht.
Die Bürgerinitiative „Lebenswerter Gäuboden“ gründete sich gleich zu Beginn des Jahres, als BMW bekanntgab, seinen Standort gesucht und gefunden zu haben. Das Ziel: den Bau zu verhindern. Die Argumente: Aus einem landwirtschaftlich geprägten Dorf würde ein Industrieort werden, gewarnt wurde vor einem massivem Wandel, viel Verkehr und vor allem findet die BI den Gäuboden, er zählt zu den Top-Böden Deutschlands, zu schade, um ihn der Industrie zu opfern. Dafür wurden über 450 Unterschriften gesammelt. Pikant dabei: Ausgerechnet die Unterschrift von Thomas Spötzl, rühriger Sprecher der BI, zählte nicht – er hat seinen Hauptwohnsitz nicht in Straßkirchen, sondern in München. Seine Partnerin ist allerdings in Straßkirchen daheim.
Fast Bürger 2000 wählen per Brief
Die BI hatte kritisch den Wahlkampf begleitet, hatte sich auch misstrauisch gegenüber der Briefwahl gezeigt. Vergeblich, denn fast 2000 Menschen hatten im Vorfeld ihre Stimme abgegeben. Aber auch bei den persönlichen Wählern war das Interesse noch groß: knapp 300 kamen tagsüber in die Straßkirchner Grundschule zur persönlichen Wahl. Der letzte stürmte noch um 17.56 Uhr hinein, „reicht doch noch“, schmunzelte er nach vollbrachter Abstimmung. Weitere 50 Wähler waren es im Örtchen Schambach gewesen, die ins Wahllokal gegangen waren.
„Ein Tag für Niederbayern“
Die Auszählung dauerte seine Zeit – und wurde von vielen Zuschauern begleitet, einerseits von der Bürgerinitiative, die auch mal nachfragte, andererseits von den Befürwortern, die fleißig über Whatsapp neueste Erkenntnisse austauschten. Am Ende waren es 75,3 Prozent für BMW, 24,7 Prozent für den Antrag der BI. „Ein Tag für Niederbayern“, das war nur einer von vielen begeisterten Beiträge der Politiker.
BMW bringt 2025 seine „Modellrevolution“ auf die Straße. Zunächst aus dem Werk im ungarischen Debreczen, anschließend in München, die weiteren Produktionsstandorte Dingolfing und Regensburg folgen. Mit der „Neuen Klasse“ startet BMW in die sechste Generation seiner Hochvoltspeicher, verspricht eine Leistungssteigerung von 30 Prozent zu den heutigen Speicherkapazitäten. Die Batteriezellen baut BMW indes nicht selbst, sondern lässt sie von Branchengrößen produzieren, wobei der bayerische Autobauer bei der Entwicklung kräftig mitredet. Diese Zellen kommen dann zu den Montage-Werken, in denen die Speicher dann in Aluminium-Module verbaut und verkabelt werden. Und diese Hochvoltspeicher-Module werden in jeweiliger Werks-Nähe hergestellt. In Bayern sollen Dingolfing, Regensburg und München von Irlbach-Straßkirchen aus beliefert werden – und zwar ab 2026. Mit rund 1600 Mitarbeitern will BMW starten, 3200 könnten es in weiterer Zukunft werden. Jetzt ist der Weg frei für die nächsten Schritte.
