Bauamt stellt Stadtrat die Pläne vor: Vierspuriger Ausbau der B20 bei Cham in weiter Ferne

Von Christoph Klöckner · 22. September 2023 um 19:00

Mancher hat‘s noch im Ohr, die Worte des damaligen Chamer CSU-Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier von 2016: Geld sei genug da, die Bagger dürften nicht stillstehen, um die Verkehrsadern des Landkreises auszubauen. Doch was bei der B85 bislang funktioniert hat, wird beim B20-Ausbau offenbar zur Endlosgeschichte.

Das Geld wird längst knapper und die Zeit, bis für den schon lange geplanten vierspurigen Ausbau die Bagger rollen, liegt in weiter Ferne. Frühestens 2030, so der Regensburger Bauamtschef Berthold Schneider, der den Bereich Straßenbau leitet, am Donnerstag im Chamer Stadtrat, werde der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 20 zwischen Cham und der Landkreisgrenze sowie darüber hinaus verwirklicht.

Der Rechnungshof zweifelt

Wobei ein genaues Hinhören auf die Worte des Baudirektors wenig Optimismus aufkommen lässt, dass hier wirklich etwas bewegt wird – auch wenn die Prognosen weiter massiv ansteigende Verkehrszahlen für die Strecke vorhersagen. Zum einen verwies Schneider darauf, dass der geplante Ausbau im aktuellen Bundesverkehrswegeplan 2030 nicht in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ eingestuft sei, sondern nur in die dritte Kategorie „Weiterer Bedarf“.

Das heißt, es gibt keine Priorisierung für den Ausbau – und danach, nach Dringlichkeit, werde gebaut, so der Bauamtsleiter für den Bereich Straßenbau. Und noch ein Nebensatz Schneiders ließ aufhorchen: „Vom Bundesrechnungshof wird die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus der B20 bezweifelt.“

Fast wie ein Hilferuf klangen dann auch seine Schlussworte nach der Vorstellung der Ausbaupläne, die er gemeinsam mit Planungsleiter Julian Detsch vorstellte: „Wir brauchen die Unterstützung der Politik!“ Dabei hatte die im Landkreis und in Ostbayern bisher nie gefehlt – immer wieder gab es Treffen zum Thema und Appelle, den für die Region wichtigen Ausbau voranzutreiben. Auch Bürgermeister Martin Stoiber betonte am Donnerstag die Wichtigkeit des Bauprojekts, zumal von einem Verkehrsanstieg bis 2035 um 40 Prozent ausgegangen werde. Da sei der Ausbau „elementar für uns“, so Stoiber.

Der stellte sich aktuell als Großprojekt dar, wie Baurat Julian Detsch anhand der Pläne des Ausbaus im Bereich des Stadtgebiets zeigte. Über 40 Millionen Euro wird allein der Abschnitt Cham bis Wilting – also knapp drei Kilometer – kosten, wo 2035 laut Prognose etwa 13500 Fahrzeuge am Tag entlangfahren, davon 20 Prozent Lastwagen. Die Straße gehöre schon heute bayern- und bundesweit zu den meistbefahrenen Bundesstraßen – das wisse auch das Bundesverkehrsministerium.

Der Vorentwurf sei nun fertiggestellt, was einen „Meilenstein“ darstelle, so Detsch. Der werde nun bei der Regierung eingereicht.

Danach wird es massive Umbauarbeiten geben, um die dann 18,50 Meter breite Straße etwa an Höfen vorbei zu bekommen, wobei dazu auch noch eine Begleitstraße nebenherläuft, etwa für landwirtschaftlichen Verkehr. Dort wird vom bisherigen Verlauf der Bundesstraße abgewichen und der Neubau mehr Richtung Osten in Landwirtschaftsflächen verlegt. Gleich hinter Höfen, das lärmschutztechnisch durch einen vom Bauamt freiwillig geplanten Wall und eine Tieferlegung der Bundesstraße geschützt wird, folgt ein massiver Ausbau mit einer großen Anschlussstelle für das Gewerbegebiet am Taschinger Berg und die Staatsstraße Richtung Schorndorf. Bis zum Planfeststellungsbeschluss sei es noch ein weiter Weg, ein „langwieriges Verfahren bis ins Kleinste“, so Detsch.

Der Spatz in der Hand

Im Nachhinein dürfte es für Bürgermeister Josef Marchl ärgerlich sein, hier wohl Recht zu behalten. Er hatte bereits 2016 seine Zweifel an dem damaligen Zeitplan geäußert. Damals hatten Karl Holmeier und Landrat Franz Löffler einen Baubeginn des vierspurigen Ausbaus für das Jahr 2018 propagiert. Marchl hatte befürchtet – nachdem 2016 bereits 14 Jahre lang der dreispurige Bau geplant worden war – , dass es vielmehr noch Jahrzehnte dauern werde, bis dieser erweiterte Ausbau umgesetzt werde.

Noch einmal so lange könne die Gemeinde nicht warten, so Marchl damals. Wird sie aber nun müssen, oder länger. Josef Marchl hätte es lieber gesehen, wenn der dreispurige Ausbau umgesetzt worden wäre, der 2016 praktisch schon kurz vor der Umsetzung stand. Er wolle lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach – und die scheint nun auch noch wegzufliegen.

Zum Brückenbau in Janahof

Optimierung: Die Brücke, die aktuell am Janahofer Kreisel über den Quadfeldmühlbach erneuert wird, ist im Zeitplan, so Baudirektor Schneider. Im November sei sie fertig. Nötig sei dort auch dann eine zweiwöchige Vollsperrung Anfang Dezember, um den Kreisel neu zu bauen. Das sei genau die Zeit des Weihnachtsgeschäfts für den Handel, so Bürgermeister Stoiber. Daher müsse hier noch „optimiert“ werden – zwei Wochen seien zu lang.