Der Schatz eines Neugierigen: Hans-Peter Riese beschenkt Regensburger Uni-Bibliothek

Der langjährige ARD-Korrespondent und Kunstsammler trennt sich von wichtigen Teilen seines Archivs: „Ferngläser, die uns tief in die Vergangenheit schauen lassen“, hieß es jetzt bei der Übergabe.
Unter heutigen medialen Bedingungen wäre der Name Hans-Peter Riese wesentlich mehr Menschen im Gedächtnis. Der Journalist, Jahrgang 1941, krönte seine Karriere als Washington-Korrespondent der ARD und hatte auch die Ereignisse um den Anschlag aufs World Trade Center in deutsche Fernsehstuben übermittelt. Weil Riese vor knapp 20 Jahren in Pension ging, ist er im Web eher unterrepräsentiert. Die Videoplattform YouTube war gerade ein Jahr alt, als sich der gebürtige Ostwestfale, der beim Hessischen Rundfunk jahrelang Programmdirektor war, aufs Altenteil zurückzog. Aber natürlich hat Riese jede Menge analoge Spuren hinterlassen – und nun 40 Ordner seines Privatarchivs der Bibliothek der Universität Regensburg überlassen.
André Schüller-Zwierlein, der Direktor der Universitätsbibliothek, dankte dem Schenker bei der feierlichen Übergabe am Dienstag nicht nur für sein Vertrauen, sondern vor allem dafür, dass das hauseigene „Museum Moderne Handschriften“ mit diesem Konvolut einen erheblichen und bedeutsamen Zuwachs erhält. Denn Rieses Biographie beschränkt sich nicht auf seine Jahre als Politik-Journalist und als Zeitzeuge, der die westliche Hemisphäre und – als Prag- und Moskau-Korrespondent – auch die östliche Variante kennengelernt hat. Riese hat zum Beispiel in Frankfurt bei Theodor W. Adorno und bei Carlo Schmid studiert, er war Chefredakteur der Zeitschrift „Diskus“ und 40 Jahre lang Kunstkritiker der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
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So hat Hans-Peter Riese also Zeit seines Lebens seinem Publikum dabei geholfen, die Augen auf das zu richten, was sich jenseits hiesiger Verhältnisse und Gewohnheiten ereignete. „Mit der Übergabe Ihres Archivs“, so ergänzte Dr. Schüller-Zwierlein, „wollen Sie uns sehen helfen: Denn Ihre Archive, das sind nicht bloße Objektsammlungen. Das sind Ferngläser, die uns tief in die Vergangenheit schauen lassen.“
Neben Manuskripten und Lebensdokumenten enthalten die Ordner vor allem umfangreiche Briefwechsel, beginnend mit den 1960ern. Dokumentiert werden auch Rieses Freundschaften mit Künstlerinnen und Künstlern, mit namhaften Literaten und Intellektuellen, mit denen er über Jahrzehnte hinweg im Austausch stand: mit Barbara Klemm etwa, mit Eberhard Fiebig, Richard Paul Lohse, Günther Uecker, Jan Kubíček, Jiří Kolář oder Ota Filip.
Sein Schriftstellerfreund Pavel Kohout, den er in seinen Prager Tagen kennenlernte, ist Riese dabei ganz besonders wichtig: „Ja, mit dem 96-Jährigen telefonier’ ich regelmäßig jede Woche!“
Interessant sind die Objekte – allesamt also Kristallisationen eines von grandioser Neugierde getriebenen Lebens – vor allem für drei Disziplinen, die schwerpunktmäßig an der Universität Regensburg behandelt werden: für Medienwissenschaftler, für Osteuropawissenschaftler, aber auch für die Kunstgeschichte. Der Bestand wird als Teil der Sondersammlungen nicht nur konserviert, sondern soll akribisch erschlossen und damit der Forschung als Quellensammlung wichtige Dienste leisten.
Regensburg ist Hans-Peter Riese schon seit rund 20 Jahren verbunden: Dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie widmete er eine Stiftung, die den Namen seiner verstorbenen Frau Michaela trägt und die bedeutende Arbeiten von Richard Paul Lohse, Rupprecht Geiger und zahlreichen tschechischen Künstlern umfasst. Und der Uni-Bibliothek vermachte er bereits seine private Büchersammlung und eine Arbeit des russischen Künstlers Grisha Bruskin aus New York.
