AMS Osram: Gut 600 Millionen Euro fließen in den nächsten fünf Jahren nach Regensburg

Von Bernhard Fleischmann · 20. September 2023 um 21:00

Es ist eine der größten Investitionen in der jüngeren Vergangenheit in Regensburg. Gut 600 Millionen fließen in den nächsten fünf Jahren in den Stadtosten, damit bei AMS Osram neue Technologien, Chips für künftige Anwendungen entstehen – und die dazu gehörigen Produktionsmethoden gleich mit. Manche Neuheiten kommen schon auf den Markt.

Autonomes Fahren, Medizintechnik, Industrie 4.0, eigenständig agierende Roboter – all das gehört zu den Themen, an denen AMS Osram arbeitet und dafür neue Anwendungen verspricht – erdacht und hergestellt in Regensburg.

Rund 300 Millionen Euro schießen der Freistaat (30 Prozent) und der Bund (70) zu, mit dem Segen und auf Wunsch der EU. Dafür gibt es das Projekt IPCEI (Important Project of Common European Interest). Dieses umfasst Forschungs- und Entwicklungsprojekte für Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien. Europa will damit mehrere Ziele erreichen. Dazu gehört, dass man wegen der gewachsenen politischen Spannungen in der Welt mehr darauf achtet, entscheidendes Wissen und Schlüsselindustrien zu behalten. Gerade bei Halbleitern betreiben die Staaten (China, USA, Japan, und andere) mit hohen Subventionen einen Wettlauf. Bereits 2017 erhielt Osram in Regensburg eine erhebliche IPCEI-Förderung.

Investition in den Standort Regensburg

Was der neue Vorstandschef von AMS Osram, Aldo Kamper, am Mittwoch verkündete, ist nicht weniger als ein Fundament für Zukunftstechnologien für mindestens zehn Jahre: „Wir investieren in Regensburg signifikant in die Forschung und Entwicklung neuartiger Halbleitertechnologien. Und das ist nicht nur eine Investition in das Unternehmen AMS Osram. Es ist eine Investition in den Wirtschaftsstandort Regensburg, den HighTech-Standort Bayern und den Innovationsstandort Europa.“ Dank der Subvention könne das Unternehmen mutiger in Technologien investieren, bei denen man nicht weiß, in wie vielen Jahren Umsatz und Gewinn folgen.

Das Geld fließt sowohl in Forschung und Entwicklung, als auch in die Fertigung. Gegenwärtig wird auf dem Gelände eine neue Halle errichtet. Hier entstehen zusätzlich zu den vorhandenen 12.000 noch einmal 3000 Quadratmeter Reinraumfläche. In der Fertigung sind gegenwärtig 1400 Mitarbeiter beschäftigt, insgesamt zählt der Standort 2700 Mitarbeiter. Das sind mehr als vor rund drei Jahren, als rund 230 Beschäftigte gehen mussten. Dieser Aderlass ist mehr als wettgemacht. Nun kommen weitere 400 Jobs oben drauf. Vor allem Hochqualifizierte werden gebraucht.

Freude über Kampers Rückkehr

Der Stadt ist die wachsende Strahlkraft des Unternehmens bewusst: Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) nannte AMS Osram ein „Vorzeige- und Schlüsselunternehmen“ für Regensburg. Man profitiere gegenseitig sehr stark. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger war offenbar erwartet worden und in der Pressemitteilung zitiert. Er kam aber nicht; stattdessen Ministerialdirigent Klaus-Peter Potthast, der betonte, dem Land sei die Sicherheit der Lieferketten in diesem sensiblen Bereich wichtig und die Innovation, „die die Wettbewerbsfähigkeit bestimmt“.

AMS Osram geht den Schritt in unruhigen Zeiten. Der Konzern hat nach dem Bieterwettkampf, als die österreichische AMS unbedingt Osram haben wollte, enorm hohe Schulden. Mittlerweile ist der – bei Osram sehr umstrittene – Vorstandschef Alexander Everke abgetreten. Sein Nachfolger Aldo Kamper hat bereits 1994 in Regensburg bei Osram gearbeitet, war Standortchef, dann zwischenzeitlich bei Leoni und ist heuer als Konzernchef zurückgekehrt. In Regensburg war die Erleichterung und Freude über Kampers Rückkehr groß. Er bleibt diplomatisch: Ihn begeistere der Innovationsgeist der Menschen in Regensburg. Eine gute Firmenkultur lasse sich so leichter etablieren.

Neues Licht im Auto

Und er freut sich über neue Produkte. Lidar-Technik für das autonome Fahren; ein Autoscheinwerfer, der jetzt bei VW-Modellen auf den Markt kommt, kann so leuchten, dass er den Gegenverkehr nicht blendet (Dauerfernlicht), einen zusätzlichen Lichtteppich genau in der Breite des Autos auf die Fahrbahn werfen (Fahrer weiß etwa in Baustellen, wo er exakt fahren muss), einen Zebrastreifen projizieren als Einladung an Fußgänger, die Straße zu überqueren – und einiges mehr. Dieses Produkt kommt jetzt in die Serie und wird bald auch in Asien angeboten. Eine andere für Regensburg wichtige Neuheit sind Pflanzenbeleuchtungen. In Gewächshäusern oder in Hallen („Urban Farming“) versorgen sie die Pflanzen mit genau jenem Licht in der Menge, die sie verwerten kann, hoch effizient und energiesparend. In der Fertigung wird alsbald mit acht Zoll großen Wafern gearbeitet. Auf eine Siliziumscheibe passen dann mehr als 200 Millionen LEDs. Superauflösende Displays für Smartphones- und -uhren oder Tablets gehören ebenso auch zum Programm. Die Technik soll auch Brillen für virtuelle und animierte Realität (VR/AR) leichter und damit alltagstauglicher machen.

Acht-Zoll-Wafer als Geschenk – für (v.l.) Ramona Frick (Bundeswirtschaftsministerium), Klaus-Peter Potthast (Wirtschaftsministerium Bayern) , OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Finanzchef Rainer Irle. Auf der Scheibe haben mehr als 200 Millionen LEDs Platz. Foto: altrofoto.de
Aldo Kamper ist wieder an Bord. Die Mitarbeiter von AMS Osram in Regensburg sind froh, dass der ehemalige Standortleiter nun als Vorstandschef zurückgekehrt ist. Er zeigt einen Acht-Zoll-Wafer, auf dem über 200 Millionen LEDs Platz haben. Foto: Altrofoto.de