Wie kommt das neue System an? Licht und Schatten bei den Regensburger Radlboxen

Ein Großteil des Systems ist noch nicht nutzbar – dies fällt als erstes auf, wenn man auf die ersten vier Monate des neuen Regensburger Programms „Radlparken“ blickt.
Mit der Mitte Mai erfolgten Inbetriebnahme der ersten Sammelgaragen und Boxen am Hauptbahnhof hat die Stadt das Thema „Abstellanlagen für Fahrräder“ auf ein neues Niveau gehoben. Es war der Einstieg in das neue System „Radlparken Regensburg“, nutzbar über eine gleichnamige App.
Die Idee dahinter: Durch die Bereitstellung hochwertiger, überdachter und absperrbarer Fahrrad-Parkplätze an wichtigen Umsteigepunkten von Bus und Bahn im gesamten Stadtgebiet soll noch mehr Bürger der Verzicht aufs Auto schmackhaft gemacht werden. Vier Monate nach dem Startschuss fällt die erste Bilanz noch bescheiden aus.
Dies hat in erster Linie technische Gründe. Bislang können nämlich nur die Anlagen am Hauptbahnhof sowie an zwei weiteren Standorten in Burgweinting (Bahnhof und Bushaltestelle Friedrich-Viehbacher-Allee) gebucht werden. Weitere Radlboxen wie beispielsweise am Prüfeninger Bahnhof, am Baseball-Stadion in Schwabelweis oder an der Kreuzung Landshuter-/Bajuwarenstraße stehen zwar seit geraumer Zeit fix und fertig da, sind in der App aber noch nicht aufgelistet.
Leer ist nicht gleich leer
„Bei der Inbetriebnahme einiger der Anlagen ist es zu Verzögerungen gekommen, insbesondere wegen der erforderlichen Stromanschlüsse“, erklärt Verena Bengler von der städtischen Pressestelle, warum bislang nur ein kleiner Teil des Systems zur Verfügung steht. Nach und nach sollen nun weitere Standorte in die Auswahl aufgenommen werden, die Boxen beim Baseballstadion sollen in den nächsten Tagen aktiviert werden.
Für einigermaßen aussagekräftige Auswertungen eignen sich bislang nur die Anlagen am Hauptbahnhof. Diese fallen positiv aus: „Die Stadt Regensburg ist mit der Auslastung nach so kurzer Zeit sehr zufrieden“, lässt Bengler wissen und führt als Beleg die Nutzerzahlen von Dienstag dieser Woche an. In den Radlboxen waren laut Stadt 42 der 60 Plätze belegt sind, was einer Quote von rund 70 Prozent entspricht. „Bei den beiden Sammelgaragen waren zwei Drittel der insgesamt 40 Plätze angemietet“, so die Stadt-Sprecherin.
Eine ebenfalls am Dienstag vorgenommene Stichprobe der MZ hatte auf den ersten Blick ein deutlich anderes Ergebnis. Morgens um halb neun waren in den Sammelgaragen gerade einmal acht Fahrräder, nachmittags um vier nur sieben zu erspähen. Den scheinbar eklatanten Unterschied zur positiven Einschätzung der Stadt erklärt Bengler damit, dass die Plätze stets für mindestens einen ganzen Tag, zum Teil auch wochen-, monatsweise oder sogar fürs ganze Jahr gebucht sind: „Nur weil kein Rad auf einem Platz zu sehen ist, heißt das nicht, dass dieser Platz nicht gebucht ist.“
Klaus Wörle, Kreisvorsitzender vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), will die aktuellen Zahlen ohnehin nicht überbewerten – er ist vom Radlparken-System insgesamt überzeugt, von den ausgewählten Standorten bis hin zur künftigen Akzeptanz. „Im Hinblick auf die Nutzerzahlen bin ich langfristig sehr positiv gestimmt“, sagt er und nennt zwei wichtige Faktoren für stetigen Erfolg: „Moderate Preisgestaltung und leichte Bedienbarkeit sind mitentscheidend.“
Tagesmiete ab einem Euro
Mit Tagesmieten ab einem Euro ist Ersteres gewährleistet, in Sachen Nutzerkomfort bleibt die Stadt am Ball. Zum Beispiel will sie nach Hinweisen aus der Bevölkerung die Anlagen am Hauptbahnhof noch im Herbst zwecks einfacherer Handhabung mit QR-Code-Lesern nachrüsten.
Darüber hinaus sind weitere Radboxen-Anlagen geplant. Die Standorte sind der Großparkplatz am Unteren Wöhrd, an der Frankenstraße unter der Pfaffensteiner Brücke, an der Sulzfeldstraße (Ikea) oder auch am Dultplatz.