Fiktive Soldatin zockt Parsberger ab: Gleich zwei Männer tappen in Liebesbetrugs-Falle

Heiratsschwindler waren gestern – heute läuft der Betrug mit der Liebe digital ab. Betroffen sind davon Männer, Frauen und sogar Jugendliche. Polizeihauptmeister Andreas Gradl verrät, wie die Betrüger vorgehen, und schildert mehrere Fällen, die sich im Inspektionsbereich Parsberg (Landkreis Neumarkt) ereignet haben.
„Liebesbetrug ist ja kein neues Delikt“, sagt Gradl. Das Phänomen sei schon seit vielen Jahrzehnten bekannt, nur wie viele andere Betrugsdelikte inzwischen halt aus der analogen Welt fast verschwunden.
Tatort für die Parsberger: Die Sozialen Medien
Tatorte seien heute die Sozialen Medien – Facebook, Instagram und WhatsApp, wo meist in Nigeria oder Ghana sitzende Betrüger ihre Liebesfallen aufstellen und ihre Opfer teilweise monate- bis jahrelang bearbeiten, um an deren Geld zu kommen. Allein 2023 wurden in Bayern bereits mehr als 500 Fälle registriert, die Dunkelziffer dürfte aber laut Gradl weitaus höher sein. „Viele Geschädigte schämen sich viel zu sehr und zeigen den Betrug deswegen nicht an“, ist der Polizist sicher.
Trotzdem werden Gradl auch in Parsberg immer wieder Fälle bekannt, bei denen Menschen Geld verloren haben. In eine solche Liebesfalle getappt sind zum Beispiel zwei Männer aus Parsberg, beide Mitte 50. Sie chatteten mit einer angeblichen Bundeswehrsoldatin die vorgab, seit einigen Jahren in Syrien Dienst zu tun.
Sie habe in dieser Zeit viele persönliche Dinge angehäuft, die in einem Container zwischengelagert würden. Jetzt reiche ihr Geld nicht, um samt der Sachen nach Hause zu kommen. Hilfsbereit und verliebt wie die Männer waren, überwiesen sie Geld und verloren dabei 3000 beziehungsweise 4000 Euro.
Parsberger Opfer wollte Liebesbetrug nicht glauben
Doch es ist nicht nur der finanzielle Schaden, der hier laut Gradl schwer wiegt. „Einer der beiden Männer war so von seiner Geliebten überzeugt, dass er auch hier bei uns auf der Wache nicht akzeptieren wollte, dass er betrogen wurde, und dass am anderen Ende der Leitung keine attraktive junge Soldatin, sondern ein afrikanischer Mann sitzt“, berichtet der Polizeihauptmeister. Erst, als der zweite Fall mit den identischen Fotos aufgetaucht sei, habe er diesen von der Realität überzeugen können.
„Das Problem ist, dass die Täter sich wirklich Zeit lassen und ihre Opfer geschickt und ausdauernd umgarnen“, berichtet Gradl, dem mehrere 100 Seiten Chatverlauf vorliegen, die belegen, wie trickreich die angebliche Soldatin die beiden Männer in ihren Bann gezogen hatte. Die Menschen würden dabei auch dazu gebracht, intime Details preiszugeben.
Täter umgarnen die Opfer
So habe ein Jugendlicher sich dazu überreden lassen, ein Video anzufertigen, auf dem er onanierte. Mit diesem Film sei er später erpresst worden. In seiner Not habe er dem Täter 50 Euro über eine digitale Geschenkkarte bezahlt. Als dieser dann mehr Geld forderte, das er nicht hatte, habe der 15-Jährige sich der Polizei anvertraut.
Dieser Fall zeigt laut Gradl, dass wirklich alle Bevölkerungsgruppen Opfer solcher Liebesfallen werden können. Aktuell sind es vor allem Fakeprofile von Prominenten, auf welche die Menschen hereinfallen.
So glaubte eine 36-jährige Frau aus dem Raum Parsberg, dass sie über Facebook mit einem belgischen Schauspieler chatten würde. In Wahrheit war es aber ein Betrüger, der sie gezielt ausgespäht hatte.
Gradl: „Die Täter haben vermutlich durch Internetrecherche herausgefunden, dass die Frau eine soziale Ader in Bezug auf die Betreuung von Kindern hat.“ Nach rund sechswöchiger Chat-Zeit hätte ihr der Gesprächspartner berichtet, dass er sich für ein soziales Projekt engagiere. Dafür bräuchte er zum Aufbau der Homepage für die Stiftung finanzielle Unterstützung.
Die Frau kaufte daraufhin Google-Play-Karten im Wert von 600 Euro und gab die Nummern an den Täter weiter. „Erst als der angebliche Schauspieler ein vereinbartes Treffen mit der Frau in Deutschland nicht eingehalten hatte, wurde diese stutzig und schaltete die Polizei ein“, berichtet Gradl, der den Menschen eine gesunde Skepsis empfiehlt, wenn sie im Internet unterwegs sind. Nur so könne man sich vor solchen Betrügern schützen.