Regensburger Tafel bei Sozialempfang vergessen: „Sind wir überhaupt nichts wert?“

Von Rainer Wendl · 19. September 2023 um 17:00

Ein Empfang zu sozialen Themen ohne die größte soziale Initiative? Das ist am Sonntag passiert – und hat die Chefin der Tafel auf die Palme gebracht.

Aus Jonah Maria Lindinger spricht die Wut der Prophetin, die im eigenen Land nichts zu gelten scheint. „Mir reicht’s jetzt langsam!“, regt sich die Vorsitzender der Regensburger Tafel noch am Dienstag über ein Ereignis vom vorangegangen Sonntag auf.

Da hatte im Leeren Beutel der Jahresempfang des SPD-Stadtverbands stattgefunden, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Regensburg sozial?!“ war ein zentraler Bestandteil des Abends. Zu den Gästen gehörten mit Michael Buschheuer, Gründer der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye und der Flüchtlingshilfsorganisation Space-Eye, oder Monika Hölzl und Arno Birkenfelder von den Rengschburger Herzen prominente Aktivposten des sozialen Engagements in dieser Stadt – die Tafel aber fehlte.

„Die Tafel ist die größte soziale Initiative in Regensburg. Wir versorgen 5000 Menschen in der Woche mit Lebensmitteln. Es kann doch nicht sein, dass wir bei so einer Veranstaltung vergessen werden“, sagt Lindinger. Doch genau das ist passiert. „Es war ein Versehen, wir hatten die Tafel nicht in unserem Verteiler“, räumt Claudia Neumeier, die zusammen mit Raphael Birnstiel die Doppelspitze der Regensburger SPD bildet, ein.

Regensburger Tafel vergessen: Es war nicht das erste Mal

Die Parteivorsitzende stört dieser Fauxpas sehr: „Natürlich hätte auch die Tafel auf diese Veranstaltung hingehört, denn sie leistet unglaublich viel für Regensburg. Ich habe bereits bei Frau Lindinger angerufen und mich auch im Namen von Raphael Birnstiel bei ihr entschuldigt.“ Um die Sache wieder zurechtzurücken, will die SPD-Spitze zeitnah bei der Tafel vorbeischauen und sich über ihre Arbeit informieren.

„Das können sie gerne machen. Aber bitte erst nach der Wahl“, reagiert Lindinger auf diese Besuchsankündigung. Ihre unterkühlte Antwort lässt sich auch damit erklären, dass die Tafel heuer bereits zum zweiten Mal vergessen wurde. Schon für den städtischen Neujahrsempfang im Januar hatte die Hilfsorganisation keine Einladung bekommen.

Lesen Sie dazu auch: Ein Hilfeschrei der Regensburger Tafel

Obwohl es sich um zwei unterschiedliche Veranstalter handelt, erkennt die Tafel-Chefin ein gewisses Muster: „Es geht nicht um mich oder um Häppchen und Getränke – es geht um Wertschätzung von ehrenamtlichem Engagement. Meine Mitarbeiter fragen mich schon, ob wir überhaupt nichts wert sind in dieser Stadt.“

Dass dieses Gefühl mangelnder Anerkennung mittlerweile bei ihrem Team angekommen ist, betrübt die resolute Vorsitzende. „Es stört mich nicht, wenn jemand mit mir oder meiner Art ein Problem hat. Aber ich bin ja nicht die Tafel, das sind 150 andere“, betont Lindinger.

Die Probe aufs Exempel in Sachen Wertschätzung erfolgt in Kürze. Es geht dabei um die Verlängerung der Parkausweise für die Tafel-Fahrzeuge, die entsprechenden Anträge werden gerade finalisiert. Beim letzten Mal hatte es ein monatelanges Hickhack um die Sondergenehmigungen gegeben, die den Mitarbeitern das Abholen von Lebensmittel-Spenden erheblich erleichtern.

Jonah Maria Lindinger neu im Bundesvorstand der Tafeln

„Natürlich schätzen wir die Arbeit der Tafel sehr“, hatte die Stadt im Zuge der damaligen Auseinandersetzung verlautbart – die Vorgehensweise des Ordnungsamts hatte bei Lindinger jedoch für einen völlig entgegengesetzten Eindruck gesorgt.

Auch die Geschehnisse in der Zwischenzeit konnten ihren Verdacht nicht beseitigen, die im eigenen Land nichts geltende Prophetin zu sein. Als Beleg dafür nennt sie das 24. Bundestafeltreffen im Juli in Mannheim, wo sie erstmals zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt wurde: „Ich habe von überall her Glückwünsche bekommen. Nur von der Regensburger Stadtspitze habe ich keinen Pieps gehört.“