Nach MDAX-Rauswurf: Krones kommt mit einem blauen Auge davon

Es war ein Paukenschlag: Krones wurde zum Wochenbeginn aus dem Börsenindex MDAX verbannt. Ein Kursrutsch der Aktie blieb nun aus. Ein Börsenexperte erklärt, warum.
Wer mit bangem Blick Anfang der Woche den Aktienkurs der Krones AG verfolgt hat, der konnte sich alsbald entspannt zurücklehnen. Die Notierungen gingen am Montag zunächst leicht nach oben, obwohl der Gesamtmarkt abwärts tendierte. Später rutschte auch Krones um ein gutes halbes Prozent ab auf etwas mehr als 97 Euro. Dabei war der Montag für das Unternehmen kein guter Tag. Die Deutsche Börse entfernte den Neutraublinger Getränkeabfüll- und -verpackungsspezialisten wegen eines Verstoßes zum Stichtag 18.9. aus ihrem Index für mittelschwere Unternehmen, den MDAX.
Auch am Dienstag tat sich im Grunde nichts, der Kurs pendelte um die 97/98 Euro. Damit ging ein Wunsch von Krones-Vorstandschef Christoph Klenk in Erfüllung. Er hatte nach der Verkündung des Banns durch die Deutsche Börsen vor zwei Wochen gesagt: „Wir hoffen, dass der Aktienkurs nicht allzu sehr leidet.“
Investoren bleiben an Bord
Das Unternehmen hat es offenbar geschafft, seine Investoren zu überzeugen, an Bord zu bleiben. Klenk hat nach eigenen Worten viele Gespräche persönlich geführt, die Aktionäre hätten „angemessen“ und nicht empört reagiert. Ihnen sei vor allem die operative Performance des Unternehmens wichtig. Dank der komfortablen Auftragslage bestehe Planungssicherheit.
Der Grund für den Verstoß aus der Indexlandschaft war am 5. September vermeldet worden (wir berichteten): Krones hatte versehentlich gegen den Corporate Governance Kodex der Deutschen Börse verstoßen. Das Unternehmen hatte den ehemaligen Finanzchef Norbert Broger in den Prüfungs- und Risikomanagementausschuss gewählt. Weil Broger das Kriterium der Unabhängigkeit nicht erfüllt, wie das für diese Funktion gefordert wird, reagierte die Börse mit dem Rauswurf aus dem Index.
Wer nicht Mitglied in einem der Indizes ist, der fällt bei einer Reihe von Finanzinvestoren durchs Raster. Manche bilden einen der Indizes ab, andere orientieren sich zumindest daran. Heißt im Prinzip: Fällt die Aktie aus dem Index, dann wird sie verkauft beziehungsweise nicht gekauft.
Krones gilt als gutes Unternehmen
Doch ganz so schematisch läuft das Geschehen an der Börse dann doch nicht ab, sagt Gereon Kruse gegenüber unserer Zeitung. Der Inhaber des Portals Börsengeflüster.de erklärt den Hintergrund: Würden bisherige Besitzer von Krones-Aktien schlagartig verkaufen, „wäre das nicht besonders clever“. Denn damit würden sie einen Verkaufsdruck ausüben und den Kurs drücken. So würden die Investoren sozusagen eigene Verluste initiieren. Außerdem gelte Krones als „gutes Unternehmen, das Vertrauen genießt“. Deswegen war nach Kruses Analyse auch nicht zu erwarten, dass die Aktie nun mit dem Index-Ausschluss schlagartig absackt. Eher hätte das vor zwei Wochen passieren können, als die Entscheidung verkündet wurde. Es geschah aber nichts dergleichen, Krones blieb nach einer Zuckbewegung am Morgen des 6. September nach unten stabil, „obwohl das kein guter Tag für Krones war“.
Börsenbeobachter Kruse sieht den Krones-Rauswurf aus den Indizes kritisch. „Das ist von beiden Seiten dumm gelaufen.“ Von Krones, weil man eben den Kodex verletzt hat, was einem solchen Börsengewicht nicht passieren sollte. Aber auch von der Deutschen Börse, die das Unternehmen weder vorgewarnt noch sonstwie kooperativ gehandelt, sondern rein formalistisch agiert habe. „Das war keine Meisterleistung“, resümiert Kruse.
Rückkehr in Index: Es hängt vom Aktienkurs ab
Die Investoren könnten auch deshalb die Füße stillhalten, weil absehbar sein sollte, dass Krones bald wieder in die Indexlandschaft zurückkehrt. Klenk hatte sogleich versprochen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Gestern meldete das Unternehmen Vollzug: Broger hat sein Amt als Vorsitzender des Prüfungs- und Risikomanagementausschusses einvernehmlich zur Verfügung gestellt, bleibt aber Mitglied des Gremiums. Zu seinem Nachfolger wurde Aufsichtsrat Matthias Winkler gewählt, der bereits Ausschussmitglied ist. „Damit erfüllt das Unternehmen nach eigener Auffassung sämtliche Basiskriterien der Deutschen Börse AG zur Rückkehr in die DAX-Indexfamilie“, teilte Krones mit. Man sieht sich nun als Kandidat für die Rückkehr. Ob es gleich wieder für den MDAX reicht, in den Krones erst kurz zuvor aufgestiegen war, hängt maßgeblich vom Aktienkurs im weiteren Jahresverlauf ab. Am 5. Dezember ist der nächste Termin zur planmäßigen Überprüfung der DAX-Indexfamilie.
Bis dahin wird Krones weiter aufarbeiten, wie es zu dem Verstoß gegen den Kodex kommen konnte. Und vor allem ergründen, wie man das für die Zukunft ausschließen kann.