Echo-Diskussion: Sechs Landtagskandidaten stellen ihre Lösungen zur Energiewende vor

Von Christoph Klöckner · 19. September 2023 um 11:00

Der Winter naht – und damit tauchen auch bald wieder die Appelle zum Gas- und Energiesparen auf. Das Thema Energieversorgung der Zukunft und Energiewende wird heiß diskutiert. Auch die Kandidatenrunde im Bayerwald-Echos am Donnerstag bewegte das Thema – Maximalforderungen in alle Richtungen waren zu hören.

Zurück zur Atomkraft – AKW wieder anschalten, das propagierte Wolfgang Pöschl und vertritt damit AfD-Programmatik. Der Physiker rechnete den anderen fünf Kandidaten vor, wie viel an Wind und Solar wie Elektrolysen für Wasserstoff dazu gebaut werden müsse, um den notwendigen Strom zu erzeugen.

In seinen Augen ist das unmöglich zu erreichen. Gleichzeitig führte er Argumente gegen Windkraft ins Fedl, etwa dass sie Mensch und Umwelt schädige. Die zwei Prozent, die im Landkreis Cham dafür vorgesehen seien, seien zu dem, was sie an Schaden anrichten würden, nicht relevant, behauptete der AfD-Politiker.

Günstigste Energieerzeuger

„Wer jetzt noch gegen Windkraft ist, ist gegen die billigste Art der Energieerzeugung“, entgegnete Stefan Zeller von den Grünen. Atomkraft sei zu teuer und zu unsicher – „in Frankreich waren jetzt 30 von 60 AKW ausgeschaltet.“ Es gelte, Energiewende in den Kommunen und demokratisch mit den Bürgern umzusetzen. Er kritisierte jedoch, dass die Landkreis-Planungen zu wenig Windkraft vorsähen – „da wird eine regionale Wertschöpfung verweigert!“

Gerhard Hopp (CSU) verwies auf den Energiemix, auf den es bei der Energiewende ankomme. Es gelte, möglichst viel grundlastfähigen Strom zu erzeugen. Im Cham gebe es nicht so viel Windkraft wie im Norden, doch sollten die Bürger beim Ausbau miteinbezogen werden, wofür der Landkreis bereits die Weichen gestellt habe.

Julian Preidl von den Freien Wählern sieht Cham auf einem guten Weg. „Ein Schlüsselfaktor ist Wasserstoff“, meinte er, „und bei der Windkraft haben wir noch einiges aufzuholen!“ Es sei zwar wenig geplant, doch das sei wichtig. Aus der überschüssigen Energie aus PV-Anlagen, die bisher weggeschaltet würden, könne in Zukunft in Wasserstoff als Energieträger umgewandelt werden. „Es geht um Wind, Sonne und Wasser. Die Zeit der Atomkraft ist vorbei – keine Romantik!“, sagte er in Richtung Pöschl.

Bayern habe es „verpennt“, viel mehr erneuerbare Energien zu bauen, sagte Steve Brachwitz von der SPD. Er warf der Staatsregierung zudem vor, den Bau der Trassen von Nord nach Süd lange behindert zu haben. Deshalb werde hier noch Kohle und Gas zur Erzeugung genutzt: „Das passt nicht zur Energiewende!“ Was noch mehr genutzt werden müsse, sei die Geothermie, die in Bayern bei 40 Prozent der Haushalte möglich sei. Wasserstoff sei erst in zehn oder 15 Jahren soweit, um effizient nutzbar zu sein: „Das ist nicht der Faktor, der uns aktuell rettet. Wir sind zu langsam in Bayern!“

Auch Pascal Hanke von den Liberalen sprach die Probleme an. Gerade beim Netzausbau hake es erheblich, stellte er fest. Das liege wohl auch an der Randlage des Landkreises. Wichtig sei für die Zukunft die Elektrolyse.

Viel Windpotenzial

Wolfgang Pöschl betonte noch einmal, dass ohne AKW eine Energiewende nicht zu schaffen sei. Zu viel Energie fehle sonst. Nach seiner Rechnung müsse etwa 16,5-mal so viel Wind- und Solar aufgebaut werden, um die Lücken zu schließen. „Das würde bedeuten, wir müssten 495000 Windräder in Deutschland dazubauen,“ behauptete er. Stefan Zeller sagte, dass das Potenzial im Landkreis für die Windkraft erheblich höher sei als geplant, etwa am Hohenbogen. „Es geht nur ums Landschaftsbild“, kritisierte er.

Daher müsse man die Bürger mitnehmen, die dann dem Windradl beim Drehen zuschauen würden und gleichzeitig Geld verdienten. Worum es in Deutschland auch gehe, sei die Wärmewende. Baden-Württemberg und Hessen hätten schon eine Wärmeplanung, Bayern noch nicht. Dabei sei Fernwärme vielfach machbar bis 2025 oder 2026.

Gerhard Hopp wies die Kritik zurück, Bayern habe hier etwas verpennt: „Uns das gegenseitig vorzuhalten, bringt nichts.“ Gescheitert sei der Weg, der zu immer mehr Abhängigkeit von Russland geführt habe, daher gehe Deutschland gerade den pragmatischen Weg – und nutze die Kohle. Er forderte, dass das sogenannte Deutschlandtempo, das beim Ausbau der LNG-Terminals zum Tragen kam und die Genehmigungszeit erheblich verkürzte, überall umgesetzt werden müsse. Etwa um die Windkraft auszubauen: „Bayern ist auch Windland!“ Es gelte da zu einen, mehr Tempo zu machen. Und zudem auch in Speicher zu investieren, um Stromüberschüsse nutzen zu können.

„Der Landkreis tut das, etwa mit Gründung der Regionalwerke.“ Auch wenn noch vieles zu tun sei, so Hopp: „Wir müssen Mut machen – wir schaffen das!“ Ob das dann wirklich so umgesetzt werde, wie Gerhard Hopp das hier verkünde, werde man in fünf Jahren sehen, bemerkte FDP-Kandidat Pascal Hanke mit kritischen Unterton. Julian Preidl warb für ein „ideologiefreie Energiewende“ und wies die „Panikmache“ von Wolfgang Pöschl zurück. Es stimme einiges nicht, was der behauptet habe.

Zeit für zwei Leserfragen an die Politik

Bürokratie: Richard Kerscher (Wald) wollte von Gerhard Hopp wissen, wie der Bürokratieabbau angegangen werden soll. „Den Staat hier zu entschlacken, wird schwer“, so Hopp, doch sei dies eine wichtige Aufgabe. Gesetze sollten nur noch verabschiedet werden, wenn sie Verbesserung für Bürger brächten und ein anderes dafür gestrichen werde. Das der Staat alles regeln und kontrollieren müsse und alles beklagt werde – davon müsse man sich verabschieden. „Gleichzeitig ist klar: Man nicht jedes Lebensrisiko von den Menschen weghalten!“ Eines sei sicher: „Wir müssen schneller werden im globalen Wettbewerb!“

Qualifikation: Martin Schönhuber aus Bad Kötzting wollte von Julian Preidl wissen, durch welche Qualifikation er sich in der Lage sehe, Entscheidungen als Abgeordneter zu treffen. Preidl verwies auf seine bisherige politische Arbeit, etwa für den Landtagsabgeordneten Robert Riedl. Dadurch sei er in allen Themen drin und könne sofort loslegen: „Ich bin schon mit vielen Ministern per du!“ Zudem habe er wie Hopp Politikwissenschaften studiert. „Politik ist meine Leidenschaft!“, so Julian Preidl.

Die sechs Landtagskandidaten diskutierten am Donnerstag im Bayerwald-Echo. Foto: ck