Kapazitäten ausgeschöpft: Im Ankerzentrum leben etwa 1000 Geflüchtete

Von Suzanne Schattenhofer · 19. September 2023 um 05:05

Im Ankerzentrum Manching/Ingolstadt und in den zwei Dependancen in Ingolstadt – im Bild die Wohncontainer an der Neuburger Straße – leben aktuell rund 1000 Geflüchtete. Foto: Hauser, Archiv

Angesichts steigender Flüchtlingszahlen nimmt die politische Debatte über die Zuwanderung wieder Fahrt auf. Viele Gemeinden in Deutschland sehen sich außerstande, die vielen Neuankömmlinge unterzubringen und zu integrieren. In Ingolstadt stellt sich die Situation etwas anders dar.

Die Geflüchteten aus dem Ankerzentrum Manching/Ingolstadt in der ehemaligen Max-Immelmann-Kaserne werden anteilsmäßig auf die Aufnahmequote angerechnet, was Druck von der Stadt nimmt.

Seit November 2014 betreibt die Regierung von Oberbayern als Teil der Aufnahmeeinrichtung Oberbayern das Ankerzentrum Manching/Ingolstadt sowie mittlerweile nur noch zwei Unterkunftsdependancen im Ingolstädter Stadtgebiet an der Manchinger- und an der Neuburger Straße. Auf Anfrage erklärt ein Sprecher der Regierung, die Belegung sei seit vergangenem Jahr anhaltend hoch. „An den oben genannten Standorten leben derzeit rund 1000 Personen“, heißt es in der schriftlichen Antwort.

Belegung unterliegt laufenden Schwankungen

Wegen ständiger Zu- und Abverlegungen unterliege die Auslastung laufenden Schwankungen. Durch konstant hohe Zugänge seien die Unterbringungskapazitäten aber seit Monaten regelmäßig voll ausgeschöpft, erklärt der Sprecher. In der Anker-Einrichtung Manching/Ingolstadt und den beiden Unterkunftsdependancen in Ingolstadt stammen rund 38 Prozent der derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohner aus Afghanistan, rund 17 Prozent aus der Türkei und rund 11 Prozent aus Nordmazedonien.

Über alle Herkunftsländer hinweg leben die aktuellen Bewohnerinnen und Bewohner im Durchschnitt 76 Tage in den Anker-Unterkünften, bevor sie anschließend in den Gemeinschaftsunterkünften der Regierung von Oberbayern und dezentralen Unterkünften der oberbayerischen Kreisverwaltungsbehörden untergebracht werden. Aufgrund der hohen Zugangszahlen sei die durchschnittliche Verweildauer in den Einrichtungen des Ankerzentrums seit letztem Jahr deutlich gesunken, heißt es weiter. Zur Dauer der Asylverfahren liegen der Regierung keine Informationen vor.

Der Verein Ärzte der Welt hatte sich 2020 aus dem Ankerzentrum Manching/Ingolstadt zurückgezogen. Grund waren laut der Hilfsorganisation „die krank machenden Lebensbedingungen“ in der Unterkunft für Geflüchtete, die eine erfolgreiche Behandlung verhindern würden. Die pauschalen Vorwürfe, 2019 in einer Pressemitteilung erhoben, „waren damals und sind auch heute nicht zutreffend“, so die aktuelle Stellungnahme der Regierung.

Extra Räumlichkeiten für Schutzbedürftige

Zur Erläuterung heißt es, „die neu ankommenden Geflüchteten erhalten vor Ort und aus einer Hand in der wichtigen Phase ihrer Ankunft ärztliche und medizinische Betreuung, werden mit Kleidung und Lebensmitteln versorgt und haben hier auch Zugang zu schulischer Betreuung und Kindergärten“. Alle Bewohnerinnen und Bewohner könnten die Angebote der Flüchtlings- und Integrationsberatung, die vom Freistaat Bayern finanziell gefördert wird, wahrnehmen.

Für besonders schutzbedürftige Personengruppen, beispielsweise alleinstehende Frauen mit minderjährigen Kindern, seien eigene, besonders zugangsgeschützte Gebäude eingerichtet, zu denen andere Bewohner keinen Zugang haben.

Die Stadt hat 2021 ein Ombudsteam einberufen, das als weiterer Ansprechpartner für die Asylsuchenden in der Anker-Einrichtung und den angegliederten Dependancen fungiert. Das Gremium, das sich aus Ehren- und Hauptamtlichen der Flüchtlingsarbeit zusammensetzt, berichtet einmal im Jahr im Sozialausschuss über die Lage. Sprecherin ist Karoline Schwärzli-Bühler.

Neuer Beauftragter für Beschwerdemanagement

Das Ombudsteam hat vergangene Woche Philipp Brendel kennengelernt, neuer Beauftragter für Beschwerdemanagement der Aufnahmeeinrichtungen der Regierung Oberbayern. Er geht dieser Aufgabe seit fünf Monaten nach und habe, wie SPD-Stadträtin Veronika Peters auf Anfrage erklärt, einen sehr positiven Eindruck vermittelt: „Herr Brendel ist den Menschen zugewandt und hat klar gesagt, er wolle sich um weitere Verbesserungen und Transparenz bemühen“, so Peters als Vertreterin der Initiative Ingolstädter Erklärung. Unter anderem seien neue tagesstrukturierende Angebote geplant. Brendel sei an einer Zusammenarbeit mit dem Ombudsteam interessiert.