Söders Heimspiel im CSU-Stammland: Viel Beifall für neues Nein zu Schwarz-Grün

Von Christine Schröpf · 18. September 2023 um 11:21

Beim Oberpfälzer CSU-Empfang feiern gut 500 Zuhörer Regierungschef Markus Söder. Starken Beifall gibt es für die erneue klare Absage an Schwarz-Grün in Bayern. Gegenüber Finanzminister Albert Füracker erneuert Söder ein Versprechen.

Der Söder auf den Stofftäschchen streckt 500-fach den Daumen hoch: Auf den langen Tischreihen in der Neunburger Schwarzachtalhalle liegt an jedem Platz ein Sackerl mit Infomaterial bereit. Droben auf der Bühne sind die meterhohen blauen CSU-Buchstaben geradegerückt. Partei-Chef Markus-Söder ist am Sonntagabend in der Stadt. Im Wahlkampf fährt er gerade kreuz und quer durchs Land, auch seine Bierzeltfrequenz in der Oberpfalz ist hoch, in jedem der acht Stimmkreise war er mindestens ein Mal. Trotzdem ist die Halle beim CSU-Bezirksempfang am Sonntagabend rappelvoll. Hinten stehen noch einige, die keinen Platz gefunden haben. Für Heinz Zenger (73), Vorsitzender des Trachtenvereins Kallmünz, der weit vorne sitzt, war der Söder-Auftritt quasi ein Pflichttermin. Fritz Wallner (72) ist aus Schierling gekommen, Christine Romeis (48) aus Bruck. Alle Drei werden am Ende uneingeschränkt sagen, dass sich das Kommen gelohnt hat.

Söder rät zu Denkzettel

Söder erlebt vor gut 500 Zuhörern mehr als ein „Daumen hoch“. Seine gut einstündige Rede wird in kurzen Abständen mit Beifall quittiert. Die Scherze, die er dazwischen streut, zünden – abgesehen vielleicht von der Bemerkung, wonach die höhere Lebenserwartung von Frauen an der besonderen Pflege durch die Männer liegt.

Die Stimmung an der Basis ist trotz der jüngsten 36-Prozent-Umfrage gut. „Ein sehr guter Ministerpräsident“, sagt Romeis über Söder. „Er sagt die Wahrheit. Er macht keine falsche Versprechungen“, betont Zenger. Auch von Wallner, der als kritischer Kopf bekannt ist, findet den Regierungschef „klasse“. Die Ursache für die Umfrage-Delle verortet er bei Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, der seit fünf Jahren in München als Koalitionspartner der CSU mitregiert. „Schade, dass der populistische Ansatz, den Aiwanger momentan pflegt, völlig unberechtigt und vor allem unvernünftig, zu einer Steigerung der Prognose für die Freien Wähler führt.“ Nach der Flugblatt-Affäre hatte die Partei bekanntlich auf 17 Prozent zugelegt.

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Aiwanger und die Affäre: Für Söder selbst ist das an diesem Abend kein Thema. Er schickt stattdessen CSU-Botschaften ins Publikum, die offenkundig den Nerv treffen. Nach den Dauerkrisen – erst Corona, dann Krieg in der Ukraine mit explodierende Energiekosten und Inflation in Deutschland – sei es „Kernaufgabe“ der Politik, sich dringend um die Nöte der Bürger in Deutschland zu kümmern. Womit Söder bei der Ampel-Regierung ist, die aus seiner Sicht die Weichen in der Krise falsch stellt, ein Schrumpfen der Wirtschaft zu verantworten hat, mit der Cannabis-Freigabe ein „Einfallstor für noch mehr Kriminalität“ öffnet und zudem mit der Krankenhausreform riskiert, ein Drittel der Krankenhäuser speziell auf dem Land in die „kalte stille Insolvenz“ zu schicken. Er rät zur Quittung für Berlin bei der Landtagswahl. „Der schlimmste Denkzettel, den man der Ampel erteilen kann, ist die CSU zu wählen.“

Söder skizziert Bayern als Gegenentwurf: Er erinnert an seine fünfeinhalb Milliarden schwere Hightech-Agenda mit Investitionen in Künstliche Intelligenz, Quanten-Computer und Robotik. „Wir investieren in Künstliche Intelligenz pro Kopf umgerechnet mehr, als Großbritannien oder Kanada.“ Die Apple-Ansiedlung in München führt er auch auf diese Wissenschaftsoffensive zurück.

In puncto Raumfahrttechnologie, die Teil des Programms ist, gerät Söder kurz in Wunschträume. „Wenn ich einmal die Chance habe, eine Mondfähre zu bauen, und kann einige Grüne dort hinschicken, dann werde ich die Chance für Bayern nutzen.“ Er bekräftigt, dass die Öko-Partei im Freistaat allein in der Opposition den passenden Platz hat, nicht in Regierungsverantwortung mit der CSU. „Wir in Bayern werden definitiv kein Schwarz-Grün machen.“

Jobgarantie für Füracker

Die Oberpfalz ist für die CSU Stammland. Bei der Landtagswahl 2018 hatte die Partei hier fast 40 Prozent eingefahren. Der bayerische Finanzminister und CSU-Bezirkschef Albert Füracker erzielte in seinem Stimmkreis Neumarkt 50,3 Prozent. Söder legt das erneute Versprechen ab, dass Füracker nach der Landtagswahl im Amt bleibt. „Wenn es jemanden gibt, der eine Jobgarantie bei mir im Kabinett hat, dann ist es Albert Füracker.“

Füracker positioniert sich in Neunburg klar gegen Parteien rechts von der CSU. „Diejenigen, die behaupten, sie wären eine Alternative für dieses Land, sind in Wahrheit eine Schande für dieses Land.“

Kritik an Söder wird in Neunburg nur kurz vor der Tür laut. Der CSU-Chef war bei seiner Ankunft vor der Halle von einem halben Dutzend Demonstranten mit Trillerpfeifen empfangen worden. Die schrillen Tönen wurden weitgehend vom Willkommensmarsch der Stadtkapelle übertönt. „Das klingt besser als die Pfeiffen“, kommentierte er das Geschehen knapp.

Von der CSU-Basis kommen an diesem Abend nur ein paar wohlgemeinte Anregungen. Fritz Wallner, Opa von zehn Enkelkindern, wünscht sich einen starken Fokus auf die Klimapolitik. „Klimaschutz ist Überlebensschutz“, sagt er. Christine Romeis gibt zu Bedenken, dass auch der CSU in der Vergangenheit Fehler unterlaufen sind. In der Corona-Krise hätte man die eigene Politik den Menschen besser erklären müssen.

Johanna Schindler (11) aus Nittenau besucht am Sonntagabend ihre erste Politik-Kundgebung. Ihre Mutter Sabine ist Kreisbäuerin und kandidiert auf Platz 5 der CSU-Bezirkstagsliste. „Ich wollte schauen, ob Söder so toll ist, wie alle sagen“, sagt das Mädchen. Ihre Empfehlung: Etwas kürzer reden – und auch etwas einfacher, etwa bei der Sache mit dem Länderfinanzausgleich. „Er sollte keine Wörter nutzen, die Jugendliche nicht verstehen.“

Heinz Zenger (l.) ist von Markus Söder restlos überzeugt. Foto: Schröpf
Markus Söder im Superman-Style auf 500 CSU-Täschchen. Foto: Schröpf
Für Christine Romeis ist Markus Söder „ein sehr guter Ministerpräsident“. F.: Schröpf
Fritz Wallner sieht in Freie-Wähler-Chef Aiwanger den Grund für die CSU-Umfragedelle. Foto: Schröpf
Söder mit Empfangskomitee: (v.l.) der Neunburger Bürgermeister Martin Birner, Finanzminister Albert Füracker, der CSU-Landtagsabgeordnete Alexander Flierl, Regierungschef Markus Söder und Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Foto: Schröpf
Johanna Schindler (11) wollte erkunden, wie gut Söder wirklich ist. Foto: Schröpf