Christian Kohlund lauscht dem Lebensblues

Von Lena Michalowski · 17. September 2023 um 05:00

Regensburg. In der Reihe „Große Namen“ tritt der Schauspieler mit seiner Zürich-Krimi-Kollegin Ina Paule Klink auf.

Wer schon einmal den Zürich-Krimi gesehen hat weiß: Die Stimme von Christian Kohlund bleibt in Erinnerung, löst bei dem ein oder anderen etwas aus. So wird es vermutlich auch den Zuschauern im Regensburger Theater am 22. September gehen. Um 19 Uhr steht der Schauspieler dort mit seiner Zürich-Krimi-Kollegin Ina Paule Klink auf der Bühne. Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Buchhandlung Dombrowsky und dem Theater Regensburg.

„Lebensblues“ heißt das Programm und soll vor allem „Spaß machen und Emotionen auslösen“, sagt Kohlund am Telefon. Man erwischt ihn zwischen vollgepackten Drehtagen – für neue Folgen des Zürich-Krimis. Kohlund, der seine Schauspielausbildung einst am Wiener Max-Reinhardt-Seminar absolvierte, hat wegen seiner Arbeit schon die halbe Welt gesehen – aber in Regensburg war er bislang nicht. Er freue sich sehr: „Mir geht das Herz auf, wenn ich ein so schönes Theater sehe.“

Mit „der Paule zusammen“ ist das die dritte Vorstellung von „Lebensblues“. Zuvor ist Kohlund damit einige Jahre allein aufgetreten. Ina Paule Klink schreibt persönliche Lieder, singt und lässt sich von dem Gitarristen Wayne Jackson begleiten.

Texte über Katastrophen

Christian Kohlund erzählt Anekdoten, liest humorvolle und ernste Texte über’s Schaupiel, die Liebe und „andere Katastrophen“– wie er selbst sagt. Mehr will er nicht verraten.

„Lebensblues“ sei ein Gefühl – eines, das nicht nur deprimierten Menschen vorbehalten ist oder für Resignation und Lebensmüdigkeit steht. Blues sei melancholisch, inspirierend, voller Emotionen und kann positive Gefühle auslösen, findet der gebürtige Schweizer. Der Name ist also Programm. „Um es wie Friedrich Dürrenmatt auszudrücken: Humanität gibt es nicht ohne Humor“, sagt Kohlund. Er selbst habe im Laufe seines Lebens und seiner Karriere „viele Hochs und einige nicht so schöne Phasen“ erlebt, erzählt er. Das gehöre zu diesem Job dazu. Dieser Job, die Schauspielerei, sei eben nicht nur „die ganz große Berufung“, sondern auch eine Existenzsicherung. Kohlund war nicht nur an mehreren Theatern engagiert, sondern ist auch aus Fernsehserien wie „Die Schwarzwaldklinik“ oder „Das Traumhotel“ bekannt.

Ja, es gebe auf der einen Seite diese Herzensprojekte, in die man seine ganze Leidenschaft steckt und darin absolut aufgeht. Aber es gebe eben auch die Dinge, von denen man dachte, sie niemals zu machen. Und dann macht man sie doch. Wegen der Sache mit dem Geld, der Existenzsicherung.

Eines dieser Herzensprojekte war für Christian Kohlund die Theaterinszenierung „Im Zweifel für den Angeklagten“. Sie handelt von Clarence Darrow, dem wohl berühmtesten Strafverteidiger in der Geschichte Amerikas. Darrow war bekannt für sein Mitgefühl, seine schlagfertigen und messerscharfen Plädoyers vor Gericht. Und wegen seines Einsatzes für die Schwachen.

Kohlund habe das Stück, das vom amerikanischen Drehbuchautor David Rintels geschrieben wurde, erstmals mit dem deutsch-österreichischen Schauspieler Curd Jürgens gesehen. Dann hat er den Text neu übersetzt, Regie geführt sowie das Bühnenbild entworfen und stand in der Rolle des Clarence Darrow selbst auf der Bühne. Aus dieser Erfahrung sei die Idee zu bestimmte Facetten der Figur Thomas Borchert entstanden, dem Eigenbrödler-Anwalt im Zürich-Krimi. „Der Weg zur Charakterentwicklung geht immer durch einen selbst“, sagt Kohlund.

Die Figur Borchert habe in gewisser Weise etwas mit dem Menschen Christian Kohlund zu tun. Nur ist die Lebensgeschichte und der Werdegang ein anderer.

Offensichtlich ist: Kohlund hat ein gewisses Faible für Anwälte. „Die idealistische Vorstellung von Gerechtigkeit, die die Anwälte haben, die ich spiele, die teile ich – aber ob ich ein guter Anwalt geworden wäre, da bin ich unsicher“, sagt er und lacht.

Noch nicht abgenudelt

Dass Christian Kohlund, geboren in Basel, aufgewachsen in Zürich, ausgerechnet im einzigen ARD-Krimi, der in der Schweiz spielt, die Hauptfigur mimt, passt unbestritten wie die Faust aufs Auge. Was aber laut Kohlund noch für Zürich als Spielkulisse spricht: „Es ist eine internationale Stadt, die filmisch noch nicht abgenudelt ist.“ Was auffällt, wenn man mit dem Schauspieler spricht: Schweizer-Deutsch ist nicht zu hören, nur ein minimaler Akzent. „Ich komme aus einer klassischen Schauspieler-Familie, da wurde – vor allem im beruflichen Kontext – immer viel Hochdeutsch gesprochen.“ Er könne Schweizer-Deutsch natürlich noch, aber er spreche es selten. Lachend sagt er: „Weder meine Frau noch meine Kinder sprechen Schweizer-Deutsch – die nehmen mich dafür eher auf den Arm.“