„Dieser Wald ist wertvoll“: Bund Naturschutz bereitet Klage gegen Steinbruch bei Wiesent vor

Von Philip Hell · 15. September 2023 um 05:00

Der geplante Steinbruch bei Wiesent sorgt weiter für jede Menge Unmut im östlichen Landkreis Regensburg. Gestern informierte der Bund Naturschutz (BN) vor Ort über den Stand der Dinge. Eines wurde dabei klar: Die Naturschützer schrecken nicht davor zurück, zu den äußersten Mitteln zu greifen.

Er habe im Wesentlichen einen Appell an Robert Fahrner, der den Steinbruch auf dem Rauhenberg im Forstmühler Forst plant, sagte Raimund Schoberer, BN-Vorsitzender im Kreis Regensburg, gestern mit Blick auf das Waldgebiet. „Lassen Sie das Ganze sein.“ Es handele sich bei dem Vorhaben, das 12,3 Hektar umfassen soll, um eine Ressourcenverschwendung. „Außerdem ist die Akzeptanz vor Ort nicht gegeben.“ Das Beste sei in seinen Augen, das Vorhaben zurückzunehmen.

Landratsamt prüft noch

Der BN sehe sich in dieser Angelegenheit als „Anwalt der Natur“ – das sei durchaus wörtlich zu verstehen, sagte Schoberer. „Wir haben einen Anwalt aus Frankfurt beauftragt – der war durchaus schon erfolgreich bei solchen Projekten.“ Der Anwalt sei bereits in Kontakt mit dem Landratsamt. Dabei betonte der BN-Chef: „Wir sind kein Verband, der dauernd auf dem Klageweg unterwegs ist.“ Wie hoch die Erfolgsaussichten einer Klage sind, sei schwierig abzuschätzen, so Schoberer.

Im Landratsamt werden derzeit die Ergebnisse der Erörterungstermine zum Steinbruch ausgewertet. Die Bürger hatten im Juni und Juli 2022 bei drei Terminen die Gelegenheit, ihre Argumente für oder gegen das Projekt vorzubringen. Wann das Landratsamt entscheidet, ist derzeit noch unklar. Die Wiesenter Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher, die gestern ebenfalls in den Forstmühler Forst gekommen war, sagte, dass das Landratsamt erst im kommenden Jahr darüber entscheiden will, ob der Steinbruch grünes Licht bekommt. Kerscher kündigte an, dass sich die Gemeinde Wiesent an einer möglichen Klage des BN beteiligen werde. Den Steinbruch sehe man als aus verschiedenen Gründen kritisch. Zum einen beziehe die Kommune aus dem Waldgebiet Wasser. „Deshalb ist es wichtig, dass der Forst in dieser Form erhalten bleibt“, betonte Kerscher. Zum anderen habe sich die Gemengelage geändert, wie es die Bürgermeisterin formulierte. Die Waldbrandgefahr, die auch von einem möglichen Steinbruch ausgehe, sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zudem sei das öffentliche Interesse am Steinbruch schlicht und einfach nicht gegeben, so Kerscher weiter. Ihr Stellvertreter Alfred Stadler pflichtete der Bürgermeisterin bei. Der Gemeinderat sei einstimmig gegen das Projekt, betonte er. Gerade in einer Boom-Region wie Regensburg sei es wichtig, auf die Natur zu achten. „Wenn wir unbeeinträchtigte Gebiete haben, müssen wir alles daran setzen, dass das so bleibt.“

BI fürchtet um grüne Lunge

Die Bürgerinitiative Thiergarten engagiert sich seit Jahren gegen den Steinbruch. Ihr Sprecher Thomas Herbig betonte, dass das öffentliche Interesse eben nicht am Projekt liege. „Es liegt am Erhalt des Waldes und des Landschaftsschutzgebietes. Dieser Wald ist wertvoll. Wir müssen ihn erhalten, so wie er ist.“ Das Gebiet sei eine grüne Lunge für Wiesent. „Der durch den Steinbruch entstehende Lärm und Staub würde zu einer massiven Beeinflussung der Umgebung führen.“ Die Qualität des Trinkwassers sei in Gefahr. Darüber hinaus sei das Waldgebiet ein wichtiger Lebensraum vieler seltener und geschützter Tierarten.

Die BI kritisiert nach wie vor das Verhalten des Vorhabenträgers bei den Erörterungsterminen im vergangenen Sommer, wie BI-Mitglied Philipp Seppenhauser betonte. „Unserer Bedenken wurden einfach weggewischt. Das tut weh.“

Front gegen den Steinbruch (von links): Raimund Schoberer (BN-Chef), Elisabeth Kerscher (Bürgermeisterin von Wiesent), Alfred Stadler (zweiter Bürgermeister von Wiesent), Josef Stadler (BN), Astrid Schnell (BN), Beate Gleißner (BI Thiergarten), Emanuel Stadler (BN), Philipp Seppenhauser (BI) und Thomas Herbig (BI)