Warum Studenten aus Cham in Straubing wohnen und wie sich das ändern könnte

Von Johannes Schiedermeier · 12. September 2023 um 19:00

Wie kommt man in diesen Zeiten an Studentenwohnungen? Wenn alles teuer ist – Handwerker, Material, Grundstücke. Dazu noch die Inflation. Der Konzeller Architekt Martin Bauer hat es trotzdem getan. Jetzt wohnen Chamer Studenten auf 18 Quadratmetern in Straubing. Er hat erzählt, wie er das hingekriegt hat und dass er das auch in Cham machen würde. Allerdings gibt es da ein einziges Problem ...

„Ich mache das gerne auch in Cham. Wir haben in Straubing bewiesen, dass es funktioniert. Warum nicht auch hier, direkt vor Ort?“, sagt Bauer. Seine GmbH wirbt damit, dass sie alles aus einer Hand bieten kann: von der Idee über die Planung und die Architektur bis hin zum schlüsselfertigen Bau.

„Wo ist das Grundstück?“

In Cham sieht Bauer nur ein einziges Problem: Er braucht ein passendes Grundstück. „Das ist schwierig, da ranzukommen, wenn man kein Einheimischer ist“, sagt er. Das ist ein Punkt , in dem auch die Stadt nicht weiterhelfen kann. „Ich werde immer wieder nach Grundstücken gefragt, aber wir haben in der Stadt selbst keines“, sagt Bürgermeister Martin Stoiber.

Bauer hat aber in Straubing die Erfahrung gemacht, dass die Nähe zum Campus ein ausschlaggebendes Kriterium ist. Wie problematisch die Situation in der Lucknerstadt ist, das zeigt die Tatsache, dass ihre Studenten nun auch Wohnungen in Straubing belegt haben.

„Das Projekt läuft super. Wir haben vom ersten Bau alle 150 Wohnungen belegt und eine Warteliste von 200 Studenten“, berichtet der Bauherr. Aber wie macht man das, in diesen Zeiten bezahlbaren Wohnraum anzubieten. „Jedenfalls nicht auf Kosten der Qualität“, sagt Bauer. Er hat jeweils auf 18 Quadratmeter eigenständige Appartments geschaffen mit eigenem Bad und Küchenzeile. „Wir haben dort auch passgenaue Möbel reingestellt“, sagt er. – Das kommt an. „Ich hatte für alle Wohnungen im Handumdrehen Investoren, und die Warmmiete liegt bei 435 Euro.“ Allerdings hat Bauer diese 150 Wohnungen direkt neben dem Campus vor der Inflation und den Kostenexplosionen auf dem Bausektor errichtet. „Das würde heute zu diesem Preis nicht mehr gehen“, gibt er zu.

Allerdings existieren auch ein paar Faktoren, die den Investoren in die Hände spielen. Zum Beispiel KfW-Förderungen mit einem Zinssatz von 0,01 Prozent. „Sie kriegen 150000 Euro als Investor für eine Wohnung praktisch auf zehn Jahre zum Nulltarif“, so Bauer. Wenn man dann noch die derzeitige Inflation gegenrechne, dann werde die Sache lukrativ.

Derzeit baut Bauer in Straubing 40 weitere Wohnungen. Er hätte jederzeit an einzelne Investoren verkaufen können. Das will er aber nicht. „Ich habe keine Lust, dass mich jemand zwingt, möglichst billig zu bauen“, begründet er.

Natürlich gebe es auch ein paar Probleme, wenn man 150 Studentenwohnungen verwalten müsse. „Die verschiedenen Kulturen haben schon Eigenheiten. Da passiert es auch, dass ein Chinese mit seinem Einmalgrill auf dem Fußboden den Brandmelder auslöst, oder jemand die Konserve zum Kochen direkt auf die Herdplatte platziert“, sagt Bauer. Hier müsse man eben auch aufklärend tätig werden. Die Leute müssen wissen, wofür welche Geräte geeignet sind.

„Der Grund muss passen!“

Der Architekt ist sicher, dass in Cham auch funktioniert, was in Straubing funktioniert hat. Voraussetzung sei allerdings, dass man an ein geeignetes Grundstück kommt. „Hier geht es dann auch um die Kosten. Man kann da nichts vergolden, weil sonst hernach die Mieten nicht mehr bezahlbar sind. Denn heutzutage ist es egal, wo du baust. Die Firmen wollen überall das gleiche Geld sehen, ob in Straubing, in Regensburg oder in Cham.“

Falls der Chamer Campus weiter in den Himmel wächst, braucht es Hunderte von Studentenwohnungen – am besten in der Stadt selbst.