Rätselhaftes Loch: Am Regensburger Donauufer tut sich die Erde auf

Ein Stück eingebrochene Asphaltdecke an der Regensburger Donaulände sorgt seit Sonntag für Rätselraten. Das gilt sowohl für die Ursache als auch für die Frage, wer zuständig ist.
„Das ist das Schwarze Loch von Regensburg“, scherzte am Sonntagabend ein Passant, der mit seiner Familie vom Donaumarkt in Richtung Königliche Villa radelte. Was er damit meinte: An dem stark frequentierten Uferweg war am späten Nachmittag unvermittelt die Asphaltdecke eingebrochen, es tat sich ein ovales, gut 80 Zentimeter langes und ungefähr einen halben Meter tiefes Loch auf. Weil der Mini-Krater unmittelbar nach seiner Entdeckung gemeldet und in der Folge sofort durch den Notfallmanager des Bayernhafens abgesperrt worden war, kam niemand zu Schaden.
Aus streng astronomischer Sicht ist die Bezeichnung „Schwarzes Loch“ für diese Lücke im Uferweg zwar nicht korrekt, doch eine große Gemeinsamkeit gibt es: Auch die kaputte Asphaltdecke an der Donaulände ist unheimlich und rätselhaft. Das fängt schon bei der einfachen Frage an, wer für die Untersuchung des Lochs und eventuell notwendige weitere Maßnahmen die Verantwortung trägt.
Die Rewag zum Beispiel hat nichts damit zu tun, auch wenn die Stromversorgung der an der Donaulände ankernden Flusskreuzfahrtschiffe in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. „Uns ist hier an dieser Stelle keine Maßnahme bekannt und diese ist auch nicht durch uns ausgeführt worden“, sagte Unternehmenssprecher Martin Gottschalk nach Nachfrage bei seinen Kollegen von der Rewag sowie vom Stadtwerk.
Wem gehört das Gelände?
Mehr wusste Karin Moro vom Bayernhafen. In ihrem Haus war die Existenz des Lochs bekannt, eben weil der Mitarbeiter des Notfallmanagements mit seinem schnellen Eingreifen am Sonntag Schlimmeres verhindert hatte. Unklarheit herrschte am Montagvormittag allerdings noch um die Frage, ob sich der Abgrund tatsächlich im Hoheitsgebiet des Hafens aufgetan hatte. „Das wird momentan geprüft“, so Moro. Um 13 Uhr konnte sie dann folgende Auskunft geben: „Das Loch befindet sich auf einem Teil des Uferwegs des Hafens, zuständig aber ist die Stadt als Betreiberin der Personenschifffahrt.“
Zum selben Zeitpunkt inspizierte bereits ein dreiköpfiger Trupp des Tiefbauamts der Stadt die schadhafte Stelle. Auch dieses Trio hatte ein imaginäres Fragezeichen über den Köpfen stehen. Wie das Loch entstehen konnte, ob weitere Bereiche des Wegs unsicher sind, wer sich letztlich drum kümmern muss – zu derlei Themen konnten die städtischen Bediensteten noch nichts Belastbares sagen, zumal zu einem weiteren Detail vordringlicher Klärungsbedarf besteht: Am Rand des Lochs verläuft ein Kabel, dessen Funktion und Besitzverhältnisse erst noch zu eruieren sind.
Derweil hat sich das mysteriöse Loch bereits zu einer Art Lokal-Attraktion gemausert. Während Kinder aus dem nahen Marina-Quartier sich die Zeit am letzten Sommerferientag damit vertrieben, mit den Fachleuten vom Tiefbauamt in den Abgrund zu blicken, zückten immer wieder Passanten ihr Handy zum Ablichten des Mini-Kraters. Über dessen Ursache wird munter spekuliert. „Weil da jetzt so viele Busse fahren“, raunte am Montagmorgen ein Hundebesitzer einer anderen beim Gassigehen zu und deutete auf das Loch. Woher dieser Verdacht kommt, ist klar: Wenn Passagiere der Kreuzfahrtschiffe zu den schwimmenden Hotels gebracht oder auch abgeholt werden, fahren oft bis zu fünf Reisebusse im Konvoi über den schmalen Uferweg.
Reparatur bereits am Dienstag
Ob diese Belastung zum Einbrechen der Asphaltdecke beigetragen hat, ist indes reine Spekulation. Zumal Schwerlastverkehr in diesem Bereich durchaus Tradition hat – in früheren Jahrzehnten reichten die Gleise der Hafenbahn bis vor zur Eisernen Brücke und wurden auch stetig von Güterzügen befahren.
Zurück zur aktuellen Situation: Nach Klärung der Zuständigkeiten haben sich Stadt, Hafen und Stadtwerk darauf verständigt, die Donaulände zwischen Thundorfer Straße und Babostraße für den Kfz-Verkehr zu sperren. „Auch wenn die Einbruchsstelle nur lokal ist, ist es dort zu eng, um den Schadensbereich sicher zu umfahren“, lautet die Begründung. Die Reparaturarbeiten beginnen am heutigen Dienstag und sollen schon am Abend abgeschlossen sein.
1994: Große Aufregung am Sallerner Berg
Ein weitaus größeres Loch als das aktuelle an der Donaulände sorgte im Sommer 1994 für Aufregung: Am Sallerner Berg tat sich unvermittelt der Untergrund auf und verschluckte einen Mercedes. Menschen kamen damals nicht zu Schaden, dennoch macht den Bewohnern des Stadtteils der instabile Untergrund bis heute große Sorgen. Das zeigt sich nicht zuletzt in der anhaltenden Diskussion um den Schwerlastverkehr, den der Neubau des örtlichen Schulzentrums erfordert.
Dass plötzlich auftretende Löcher in der Straße auch tragische Folgen haben können, zeigte sich ebenfalls im Sommer 1994 im Münchner Stadtteil Trudering. Hier stürzte ein ganzer Linienbus ab, was drei Fahrgäste das Leben kostete. 30 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Der Krater war durch Bauarbeiten an einer neuen U-Bahnlinie entstanden.
