Umgang mit Wohnungslosen in Regensburg: Stadt spricht über kommende Projekte

Von Marion Neumann · 8. September 2023 um 17:00

Astrid Freudenstein kommt selbst auf das Thema Schwanenplatz zu sprechen. „Das Thema war in den Medien ja sehr präsent“, sagt die Sozialbürgermeisterin bei der Pressekonferenz anlässlich des Tages der Wohnungslosen am 11. September an diesem Freitag im Michlstift, „aber auch für diese Person hätten wir eine Unterbringungsmöglichkeit, wenn sie das wollen würde“.

Gemeint ist damit eine obdachlose Frau, welche die Sitzbank an der mittlerweile als Luxusklo bekannten Anlage als Übernachtungsmöglichkeit genutzt hatte. Unter anderem deshalb ließ die Stadt schließlich die Bank abmontieren, was zu einer Reihe von Protesten führte. „In so einem Fall müsste sich die Frau bei uns melden und wir schauen, wo wir in Notschlafstätten Platz frei haben“, erklärt Christoph Gailer, Leiter des Amtes für Soziales. Auch spezielle Frauenschlafplätze würde es geben.

Dennoch: Ein Angebot, das sich ausschließlich an wohnungslose, alleinstehende Frauen richtet, ist in Regensburg nicht vorhanden – noch nicht, wie Freudenstein betont. Geplant sei, separate, niedrigschwellige Notschlafstätten sowie Möglichkeiten für einen Tagesaufenthalt anzubieten. „Aktuell befinden wir uns in Abstimmungen“, sagt sie, „eine Unterkunft nur für Frauen zu schaffen, liegt mir sehr am Herzen und ist in Großstädten eigentlich Standard“.

Unterbringung soll dezentralisiert werden

Generell habe sich aber schon viel getan, seit vor einem Jahr und vier Monaten ein neues Obdachlosenkonzept beschlossen worden sei. Das im Oktober 2021 gegründete Steuerungsgremium zum Obdachlosenwesen, in dem neben den zuständigen Ämtern unter anderem Vereine wie Rafael, Drugstop und die Familienwerkstatt vertreten sind, komme „sehr gut voran“.

Ein wichtiger Punkt dabei ist, die Unterbringung von Wohnungslosen zu dezentralisieren. „Wir wollen kleinere Unterkünfte schaffen, die über das Stadtgebiet verteilt sind“, so Freudenstein, „Kinder sollen nicht mehr mit älteren, alleinstehenden Suchtkranken untergebracht werden“.

Dazu soll eine neue Einrichtung für Familien mit Kindern sowie für Alleinerziehende mit Kindern an der Augsburger Straße entstehen. Den Bauantrag für das „Chancenhaus“ werde Freudenstein am Montag einreichen. Der Baubeginn soll 2024, die Inbetriebnahme 2025 stattfinden.

Familien in eigenständiges Wohnen begleiten

Weitere Pläne sind unter anderem die Einrichtung eines „Flexi-Hauses“ für kurzfristige und vorübergehende Lösungen sowie einer Notschlafstätte für Jugendliche durch das Amt für kommunale Jugendarbeit. Zum Konzept der Dezentralisierung gehöre außerdem, die Notwohnanlage Aussiger Straße durch verschiedene kleinere Einrichtungen zu ersetzen und untergebrachte Familien in eigenständiges Wohnen zu begleiten. Für dieses Modellprojekt steht der freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe Familienwerkstatt e. V. zur Seite.

„Wir sind sehr zügig dabei, neue Angebote zu entwickeln und auch Perspektiven zu schaffen, damit Betroffene aus der Situation der Wohnungslosigkeit herauskommen“, fügt Freudenstein noch hinzu. Die Zahlen zur Wohnungslosigkeit in Regensburg würden nicht explodieren. „Sie sind hoch, aber stabil und handhabbar“, ergänzt Gailer, „und jedem, der untergebracht werden möchte, können wir einen Platz anbieten“.