„Dahoam is Dahoam“-Aussteiger Gerd Lohmeyer gibt Gastspiel in Regensburg

Gerd Lohmeyer begeistert Theatergenießer, holt sich aber auch die Sympathien als schrulliger Kiosk-Besitzer in „Dahoam is Dahoam“. Jetzt kommt er nach Regensburg – und erzählt vorab, warum er der Kult-Serie gerade Servus gesagt hat.
Rentner Rudolf zieht in die Seniorenresidenz. Er steht zwischen Koffern und Kisten, und bevor ihn sein Sohn gleich abholen wird, sinniert er über die betreute Zukunft vor ihm. Soll ja alles recht schön sein, gutes Essen, großer Park, die Leute nett – und das Leben viel praktischer, auf 35 statt 145 Quadratmetern. Der Alte redet sich den Abschied schön, entkorkt eine Flasche guten Roten und sieht immer klarer die Schattenseiten seiner Situation – bis sich ein Ausweg auftut.
Gerd Lohmeyer ist ein Phänomen. Leise, präzise und klug verkörpert er seine Bühnenfiguren und berührt seine Zuschauer, gern in kleineren Häusern mit ausgeprägtem Charakter wie dem „Metropol“ in München. Gleichzeitig holt die Sympathie des breiten Publikums im Fernsehen: als schrulliger Kiosk-Besitzer im BR-Dauerbrenner „Dahoam ist Dahoam“, der vom Alltag im Dorf Lansing erzählt und mit seinen simplen Gschichtln Folge für Folge bis zu 800 000 Menschen vor den Bildschirm zieht. Jetzt kommt Gerd Lohmeyer von 11. bis 13. September als Rentner Rudolf ans Turmtheater Regensburg, in „Und es geht doch“.
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Theater und TV haben unterschiedliche Zielgruppen. Rentner Rudolf ist eine Ausnahme. „Eine meiner wenigen Bühnenrollen, die wirklich kompatibel sind für das Publikum von ,Dahoam is Dahoam’“, sagt Lohmeyer. Autor Thomas Letocha hat viel geschrieben für „Der Bulle von Tölz“ und „Die Rosenheim-Cops“, auch für den „Tatort“: „Er hat den richtigen Ton drauf.“
Die Rolle ist ein Kraftakt: ein 90-Minuten-Monolog, der die Ambivalenz des Lebens mit seinen Höhen, Tiefen und Perspektivwechseln abschreitet. Gerd Lohmeyer bewältigt das brillant, „spielt sich mit jeder Minute mehr ins Herz“, hieß es nach der Premiere am „Theater ... und so fort“ München. Regensburg ist erst die zweite Station der Inszenierung von Heiko Dietz. „Der Anstoß fürs Turmtheater kam von mir“, sagt Lohmeyer, und erinnert, dass er ja bereits mehrfach an dem Mini-Theater im Goliathhaus gastiert hat, damals unter Martin Hofer: mit „Taugenichts“, seinem ersten großen Solo nach der Novelle von Joseph von Eichendorff. „Zwischen beiden, Rudolf und dem Taugenichts, gibt es Parallelen“, sagt Lohmeyer: „Der eine rennt davon und landet am Ende genau dort, wo er hin wollte. Und der andere, Rudolf, will eigentlich woanders hin, redet sich die Sache aber schön – und findet doch einen Ausweg.“ Für den Künstler ist das Gastspiel ein Wiedersehen mit der Heimat. „Darauf freu’ ich mich.“ Gerd Lohmeyer wuchs in Nabburg (Lk. Schwandorf) auf. und unterrichtete später eine Zeitlang in Regensburg an der AdK, der Akademie für darstellende Kunst Bayern. „Bis mir die Fahrerei zu viel wurde.“
Erst Germanistik, dann Mathe
Seit den 1960ern ist Gerd Lohmeyer Schauspieler, und ein bisschen erging es ihm wie dem Taugenichts: „Ich wusste anfangs gar nicht, welche Richtung ich wollte“, erzählt er. „Erst studierte ich Germanistik und Philosophie, dann fand ich: alles zu vage, stürzte mich in Mathe und Physik und spielte nebenbei Theater. Bis ein Freund mir eines Tages die Formulare für die Schauspielschule gab.“ Es war der Beginn einer langen und legendären Karriere auf vor allem bayerischen Bühnen und vor der Kamera, begleitet von Preisen und hymnischen Kritiken.
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Von „Dahoam is Dahoam“ hat sich der Schauspieler gerade verabschiedet. Bei Folge 3193, ausgestrahlt im Juli 2023, war Schluss. „Diese Serie war eine schöne Sache. Aber wer immer das Gleiche macht, verlangsamt im Kopf“, sagt Lohmeyer, und: „Beim Dreh ist jede Szene eine kleine Premiere, manchmal sind es sieben, acht oder elf am Tag. Man spielt ja mit der gleichen Präzision wie auf der Bühne. Das ist ganz schön anstrengend.“ Vor allem, sagt er, wollte er wieder mehr Theater spielen. Am „Metropol“ München hat im Oktober „Das achte Leben (Für Brilka)“ Premiere, nach dem 1200-Seiten-Roman von Nino Haratischwili. Lohmeyer spielt eine Georgierin im Alter von 17 bis 100 Jahre.
Mit seinen 78 hat der Schauspieler selbst ungefähr das Alter seiner Figur Rudolf. Wie er auf die Situation des Rentners schaut? „Von Verkleinerung will ich eher nichts wissen“, sagt er spontan. „Damit Sie mich richtig verstehen: Am Altenheim ist nichts Schlechtes und es ist auch nicht falsch, sich das schönzureden. Aber das Bessere ist ein Aufbruch.“
„Und es geht doch“
Das Stück: „Und es geht doch“ (Autor: Thomas Letocha, Regie: Heiko Dietz) hatte im Februar Premiere in München. Gerd Lohmeyer spielt in dem 90-Minuten-Solo Rentner Rudolf.
Das Gastspiel: Das Stück ist am 11., 12. und 13. September (je 19.30 Uhr) im Turmtheater am Watmarkt in Regensburg zu sehen, Info: regensburgerturmtheater.de
