Streit um Ortsmitte: In Hainsacker soll im Zentrum ein großes Wohnprojekt entstehen

Das Areal ist kein Schmuckstück. Aber es liegt mitten in Hainsacker und es ist unbebaut – noch. Denn seit gut drei Jahren gibt es eine Investorenplanung für die große Freifläche gleich neben dem Landgasthof Prößl.
Architekt Peter Trepnau möchte dort mehrere Gebäude mit rund 40 Wohneinheiten und Tiefgaragen errichten. In dem 2500-Einwohner-Ort wird das Vorhaben kontrovers diskutiert. Kritiker sehen darin das Aus für ein attraktives öffentlich nutzbares Dorfzentrum.
Im Marktrat hatte sich 2020 eine große Mehrheit für das Vorhaben von Trepnau begeistern können. Nur die drei SPD-Vertreter stimmten damals gegen die Aufstellung des Bebauungsplans für das rund 10000 Quadratmeter große Grundstück. Derzeit wird das geschotterte Gelände vor allem als Parkplatz genutzt.
Die SPD verweist auf ein teures Entwicklungskonzept, das der Marktrat vor einigen Jahren in Auftrag gegeben hatte. Darin heißt es, dass die Ortsmitte von Hainsacker eine platzartige Aufwertung verdiene. Freisitze, Treffpunkte, soziale Einrichtungen, Läden, Dienstleister und Parkplätze listete das Konzept als Möglichkeiten für die Ortsmitte auf.
„Es gibt hierzu auch klare Vorgaben der bayerischen Staatsregierung“, sagt Thomas von Loeffelholz, ein Hainsackerer Bürger, der glaubt, dass der Lappersdorfer Marktrat die Chance auf eine lebendige Ortsmitte in Hainsacker verspielt. Er verweist auf Planungshilfen, die das Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr für die Ortsentwicklung herausgegeben hat. Darin heißt es, dass die zentralen Ortsbereiche auch als Mittelpunkte des kulturellen und geschäftlichen Lebens weiterentwickelt werden sollen.
Platz wird geopfert
Das treibt auch den Architekten Heinrich Segerer um. Er lebt in Hainsacker und kann nicht nachvollziehen, warum der Marktrat im Bereich Hains-acker-Mitte einen Platz opfert, an dem der Kirtabaum aufgestellt wurde und andere Brauchtumsveranstaltungen stattfanden. Doch Segerer hat auch andere Bedenken. Er befürchtet einen erheblichen Eingriff in den Wasserhaushalt durch den Bau der Tiefgarage. Möglicherweise müsse das Grundwasser abgesenkt werden, was Folgen für den Baugrund in der Nachbarschaft haben könnte. Er fordert deshalb eine Umweltverträglichkeitsprüfung.
Beide Bürger haben ihre Bedenken in umfangreiche Fragenkataloge an den Markt gepackt. Eine Reaktion sei aber nicht gekommen, berichten sie und kritisieren die Informationspolitik im Rathaus. Die monieren auch die beiden SPD-Markträte Stefan Königsberger und Harald Baier. „Die demokratischen Prozesse stehen in Frage“, erklären sie. Denn seit dem Aufstellungsbeschluss gebe es keine neuen Informationen zum Projekt. Die hatte die SPD zuletzt in einem Dringlichkeitsantrag im Marktrat gefordert. Der Antrag war jedoch in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung verwiesen und abgelehnt worden.
Der Lappersdorfer Bürgermeister Christian Hauner sieht sich hier im Recht, wie er auf Anfrage der MZ feststellt. „Die Anträge der SPD betrafen nichtöffentliche Sitzungsinhalte und sind dementsprechend ebenfalls nichtöffentlich zu behandeln“, teilt er in einer Mail mit und fasst sich zur Kritik der Bürger ähnlich kurz. Die Beteiligung der Öffentlichkeit richte sich nach den zwingenden Vorgaben des Baugesetzbuches.
Und Hauner stellt klar, dass der überwiegende Teil des Grundstücks nicht dem Markt Lappersdorf gehört. Der Eigentümer habe aber nicht vor, einen öffentlichen Platz zu gestalten. Deshalb sei dies auch für die Kommune unter den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen nicht möglich. „Es steht daher zur Wahl das Vorhaben konstruktiv zu begleiten oder sich in einen jahrelangen Rechtsstreit zu begeben“, macht der Bürgermeister deutlich. Seinen Angaben zufolge ist geplant, das Bauleitverfahren demnächst im Marktrat fortzusetzen. Zwischenzeitlich sei ein Verkehrsgutachten erstellt worden. „Außerdem standen komplexe Grundstücksgeschäfte an“, schreibt Hauner.
Genau darauf zielt die Hains-ackerer SPD. Denn Teil dieser Grundstücksgeschäfte ist die Busbucht an der Lorenzer Straße. Sie ist auf einem gut 600 Quadratmeter großen Areal untergebracht, das noch dem Landkreis gehört. Die Busse in Richtung Regensburg biegen von der Lorenzer Straße in die Bucht ab, die von einer Baumreihe eingerahmt wird.
Künftig wird es diese Busbucht wohl nicht mehr geben. Denn nach den augenblicklichen Planungen wird sie zum größten Teil an den Investor verkauft, der die Fläche für einen langgezogenen Wohnblock direkt an der Lorenzer Straße benötigt. Pressesprecher Hans Fichtl vom Landratsamt bestätigt, dass Abstimmungsgespräche zwischen der Landkreisverwaltung, dem Investor sowie dem Markt Lappersdorf laufen. Dabei gehe es darum, zu welchen Konditionen die einzelnen Flächen übereignet werden können.
Die letzte grüne Oase
Den vorbeilaufenden Gehsteig und den kleineren Teil der Busbucht will der Markt Lappersdorf kaufen. Acht öffentliche Parkplätze und E-Bike-Tankstellen sollen hier entstehen. „Das ist kein Ersatz für die Parkmöglichkeiten, die wegfallen“, schimpft Harald Baier. Ihn stört es gewaltig , dass auch die Busbucht zugebaut werden soll. „Das ist die einzig verbliebene öffentliche grüne Oase im Ortskern“, sagt er. Zumindest hier hätte die Gemeinde seiner Meinung nach einen kleinen Platz schaffen können, um ein Stück des dörflichen Charakters zu bewahren.
„Es würde schon helfen, wenn der Wohnblock ein paar Meter weiter hinten gebaut wird“, ist die frühere Markträtin Barbara Rappl überzeugt, die sich ebenso wie der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Königsberger um die Sicherheit von Schulkindern und anderen Buspassagieren sorgt. Denn die Busse des RVV werden nach den derzeitigen Planungen künftig auf der Straße stehenbleiben. Bürgermeister Hauner sieht hier kein Problem. Die neue Lage der Bushaltestelle sei mit der Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (GFN) und dem Landratsamt abgestimmt, teilt er in seiner Mail mit.
Braucht es die Busbucht noch?
Busumkehre: Die RVV-Linie 13 fährt bereits seit 40 Jahren nach Hainsacker und nutzte die Busbucht an der Lorenzer Straße anfänglich als Wendeplatz. Mittlerweile wurde die Busumkehre längst an den Turlweg beim Edeka-Markt verlegt. „Die Wendemöglichkeit an der Lorenzer Straße braucht es deshalb eigentlich nicht mehr“, erklärt GFN- Geschäftsführer Josef Weigl.
Haltestelle: Nach Auskunft von Weigl ist eine Haltestelle direkt an der Straße innerorts üblich und hat eine verkehrsberuhigende Wirkung. Zudem habe sie den Vorteil, dass der Bus nicht in den fließenden Verkehr einfädeln muss. Allerdings sei die Haltestelle in der Lorenzer Straße stark frequentiert. Deshalb müsse der Wartebereich entsprechend groß sein.
