AfD-Landtagskandidat Wolfgang Pöschl sieht sich und seine Partei im Aufwind

Er ist diplomierter Physiker und Mathematiker, hat in der Kernphysik promoviert, war danach als Risikoanalyst bei verschiedenen Banken, lebt jetzt in Lohberg und kandidiert für die AfD für den bayerischen Landtag. Die Lebensbeschreibung von Wolfgang Pöschl klingt ungewöhnlich. Oder eben gerade nicht.
Wenn Pöschl sich dem bürgerlichen Lager der AfD zugehörig beschreibt und sagt, dass er etwas mit den Ideen des ursprünglichen Parteigründers Bernd Lucke, der Professor für Volkswirtschaft ist, anfangen könne.
Sein politisches Erweckungserlebnis beschreibt der 59-Jährige so: Vorher habe er sich wenig für Politik interessiert. Allerdings habe er 2014 bei seiner Rückkehr von verschiedenen Auslandsaufenthalten gemerkt, dass „etwas in Deutschland falsch läuft“. Insbesondere die Geldpolitik mit der Rettung des Euro in Griechenland habe er für „katastrophal“ gehalten. Ebenso sieht er die „Massenmigration“ nach Deutschland. Wie Ungarn hätte auch Deutschland die Grenzen schließen müssen. Und schließlich: Dass einem Atomphysiker der Atomausstieg nach Fukushima nicht gefallen konnte, ist selbsterklärend.
Lieblingsthema Kernenergie
Damit ist Pöschl bei seinem Lieblingsthema als Kandidat der AfD. Auch als Bundestagskandidat 2021 beschäftigte ihn bereits die Fortführung der Atomenergie in Deutschland. Erst erläutert er, dass es die Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima nicht hätte geben müssen, wenn die jeweiligen Betreiber nicht mehr oder minder bewusst Gefahren eingegangen wären. In Deutschland würde das nie passieren. Der AfD-Politiker hält die Kernenergie in Deutschland für notwendig. Nur so könne wieder ein günstiger Strompreis erreicht werden. Den Einwand, Kernenergie sei in Deutschland politisch nicht durchsetzbar, hält Pöschl für falsch, weil „der Rest der Welt macht weiter mit Kernenergie“ und Deutschland werde ebenfalls dazu gezwungen sein.
„Die Energiewende ist gescheitert“, behauptet Pöschl. Er führt in Beispielsrechnungen vor, dass die notwendige Menge an Energie über Windkraftwerke nicht zu erzeugen sei. Seiner Rechnung nach wären dazu knapp 500000 Windkraftanlagen nötig. Für PV-Anlagen gelte das gleiche. „Wo sollen wir die hinstellen?“, fragt er rhetorisch. Zudem seien die erneuerbaren Energien gar nicht so CO2-neutral wie dargestellt. Ihre Herstellung und Entsorgung würden gewaltige Mengen von CO2 emittieren. Das Problem der immer noch nicht vorhandenen Atommüll-Endlager will Pöschl über eine neue Generation von Reaktoren lösen. Es werde weniger als ein Prozent des spaltbaren Materials im Atommüll genutzt. Russland betreibe solche schnellen Reaktoren „seit 37 Jahren störungsfrei“, sagt er.
Während für Pöschl die aus seiner Sicht „illegale Massenmigration“ ein Grund war, in die AfD einzutreten, sieht das Wahlprogramm seiner Partei sogar ein Einwanderungsgesetz vor. Ein Widerspruch? Pöschl sieht das so: Deutschland brauche ein „ordentliches Einwanderungsgesetz“, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ähnlich dem von Japan. Die jetzige Form der Zuwanderung verschärfe sogar das Fachkräfteproblem, weil man mehr Ärzte und mehr Lehrer brauche, um die Einwanderer mitzuversorgen.
In ihrem Programm fordert die AfD „umgehende“ Friedensgespräche im UkraineKrieg. Pöschl sieht den Ukraine-Krieg durch die „USA und die NATO angezettelt“, weil eine „neutrale Ukraine“ verhindert worden sei. Das habe Putin zum Eingreifen gebracht. „Wenn so etwas in Mexiko passieren würde, dann wären die Amerikaner schon viel früher einmarschiert!“ Dennoch: Der Angriffskrieg Russlands sei ungerecht und falsch, sagt Pöschl.
Hochburgen im Südosten
Zurück zur Landtagswahl: Hier sieht Pöschl die Hochburgen seiner Partei im südöstlichen Landkreis. Er erwartet ein deutlich besseres Abschneiden der AfD im Landkreis als bei der letzten Wahl. Damals lag die AfD bei über 16 Prozent. Allerdings halte er Stimmen, die jetzt schon auf Basis der Bayernumfragen hochgerechnete Prognosen von 28 Prozent für den Landkreis abgeben, für übertrieben.
Trotz guter Wahlchancen: Auf dem Weg in eine Regierungsverantwortung sieht Pöschl die AfD nicht. „Das will ich gar nicht haben.“ Auch als starke Opposition könne man die Politik beeinflussen.
Parteiintern steht Pöschl seiner Sichtweise nach in einem Konflikt mit dem AfD-Bezirksverband Oberpfalz. So monierte er offen seinen 7. Platz auf der Liste, der seine Wahlchancen verschlechtere. Das gegen ihn eingeleitete Parteiausschlussverfahren hält er für einen „Fake“, also für nicht ernstzunehmend. Die an ihn herangetragenen Vorwürfe, er suche Kontakt zum Dritten Weg, weist Pöschl vehement zurück. Er gehe sogar juristisch gegen den Dritten Weg vor. Hintergrund ist dabei seine Rede bei einer Feier bei Furth, bei dem auch Mitglieder des Dritten Weges anwesend waren.