Iseosee: Chiara bleibt verschwunden – Beschuldigte Bootslenkerin ist zurück in der Oberpfalz

Von Isolde Stöcker-Gietl · 6. September 2023 um 19:00

Seit Tagen wird in dem italienischen Iseosee nach der 20-jährigen Chiara aus dem westlichen Landkreis Regensburg gesucht. Ein tragischer Bootsunfall hat sie wahrscheinlich das Leben gekostet. Gegen eine 23-jährige Mitreisende wird ermittelt. Sie durfte inzwischen ausreisen.

Es gibt so gut wie keine Hoffnung mehr, dass die 20-jährige Chiara L. aus dem westlichen Landkreis Regensburg noch lebend aus dem Iseosee im Norden Italiens geborgen werden kann. Seit Freitagabend wird die junge Frau vermisst. Sie war mit Freunden und ihrer Schwester zu einem Ausflug mit einem Schnellboot aufgebrochen. Dabei wurde einiges an Alkohol konsumiert. Als sich eine Freundin von Chiara ans Steuer setzte, kam es zu dem fatalen Unglück. In den italienischen Medien wird spekuliert, dass die Rettungskette erst spät anlief, weil die Freunde wohl zu betrunken waren, um den lebensbedrohlichen Zustand der 20-Jährigen sofort zu erkennen. Deshalb alarmierten sie erst nach ihrer Rückkehr zum Campingplatz die Wasserrettung und machten dabei – vermutlich auch aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse – unverständliche Angaben, die den Einsatz weiter verzögerten.

Urlaub am Campingplatz

Chiara hatte mit Freunden auf dem Campingplatz in Pisogne Urlaub gemacht. Am Freitag charterte die Gruppe von sechs jungen Leuten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren – darunter auch die Schwester der verunglückten jungen Frau – ein Schnellboot und machte in Begleitung des Sohns des Bootsinhabers eine Tour über den See. Dabei sei ordentlich Alkohol konsumiert worden. Warum eine 23-jährige Bootsinsassin dann das Steuer übernahm, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen der italienischen Behörden. Bei einem ruckartigen Fahrmanöver soll Chiara das Gleichgewicht verloren haben und über Bord gegangen sein. Dabei, so die Vermutung der Einsatzkräfte, schlug sie wohl mit dem Kopf gegen das Boot und tauchte nicht wieder auf.

Die Rettungsarbeiten hätten sich zunächst sehr schwierig gestaltet, weil die Gruppe nur unzureichende Angaben über den Ort des Unglücks auf dem viertgrößten See Italiens hätte machen können, wie es in der italienischen Presse heißt. Erst mit einiger zeitlicher Verzögerung habe sich durch Auswertung der GPS-Handydaten der Urlauber das Suchgebiet eingrenzen lassen. Inzwischen sei alles kartographiert und ein Kreis mit einem Radius von einem Kilometer zwischen Pisogne und Lovere vorrangig in der Absuche.

Auch am Mittwoch wurden dort die Maßnahmen fortgesetzt. Es kamen wieder ein Tauchroboter und Sonargeräte zum Einsatz. Es seien Silhouetten unter Wasser registriert wurden, die nun der aus Mailand angelieferte Tauchroboter näher untersuchen müsse. Der See ist an der Unglücksstelle ist bis zu 180 Meter tief.

Unterdessen wird gegen die 23-jährige Bootslenkerin ermittelt. Sie soll einen Blutalkoholspiegel von 0,84 Promille gehabt haben, als sie sich ans Steuer setzte. Ob sie einen Bootsführerschein besitzt – dazu gibt es widersprüchliche Angaben. Zunächst hieß es in den italienischen Medien, sie sei nicht im Besitz einer solchen Erlaubnis. Die junge Frau selbst soll inzwischen mitgeteilt haben, dass sie einen Bootsführerschein besäße, diesen aber nicht in Italien mitgeführt habe. Es wird angenommen, dass die 23-Jährige das 200 PS starke Boot bei der Anfahrt viel zu schnell beschleunigt hatte und wohl so das Unglück auslöste, so die bisherigen Erkenntnisse. Mittlerweile werde Chiaras Freundin mit dem Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung als Beschuldigte geführt, heißt es. Aus italienischen Polizeikreisen wird kolportiert, dass die junge Frau trotz der Ermittlungen gegen sie inzwischen nach Bayern zurückgekehrt sei. Ob sie sich bereits anwaltlich vertreten lässt, ist nicht bekannt.

Der Regensburger Staatsanwalt Sebastian Stitzinger teilte auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit, dass bislang weder zur Vermissten noch zur Beschuldigten ein Vorgang bei der Regensburg Justiz anhängig sei. Ob die deutschen Behörden womöglich in die Ermittlungen eingebunden werden, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. „Art, Ablauf und Umfang etwaiger Ermittlungen hängen immer vom konkreten Einzelfall ab“, so der stellvertretende Pressesprecher der Anklagebehörde.

Eltern inzwischen vor Ort

Der Bürgermeister von Pisogne, Frederico Laini, sagte, dass man sich um die Eltern der Vermissten kümmere. Man sei mit ihnen an die Stelle gefahren, wo sich das Unglück ereignet habe. Laini betonte, dass man noch nicht aufgeben werde und mit allen verfügbaren Mitteln mindestens eine Woche nach der 20-Jährigen suchen will. Auch die Eltern der Vermissten appellierten laut Medienberichten, die Taucher und technischen Spezialisten mögen nicht abziehen bis Chiara gefunden sei. Die Familie will am Donnerstag in die Oberpfalz zurückreisen – ohne die verunglückte Tochter.