Lokalmatador Valentino Fritsch ist bei Kart-WM in Wackersdorf dabei

Erwartet werden zur Kart-WM Fahrer von allen fünf Kontinenten, insgesamt 245aus 36Ländern. Die meisten Fahrer stellt Deutschland. Einer von ihnen ist Valentino Fritsch.
So kurz vor dem Start der WM müsste Valentino Fritsch vermutlich eine Runde nach der anderen auf der Wackersdorfer Kartbahn drehen. Immerhin misst sich der 21-Jährige ab Donnerstag mit den weltbesten Kartfahrern. Doch der junge Mann nimmt sich Zeit fürs Interview. „Zwei Wochen vor der WM gilt ein Trainingsverbot“, meint Valentino Fritsch. Die heimischen Teilnehmer sollen gegenüber den Fahrern, die von weit her anreisen, keinen Trainingsvorteil haben.
Valentino Fritsch gehört zu den 125 Startern in der Klasse KZ2. Trotz des großen Teilnehmerfeldes rechnet sich der 21-Jährige gute Chancen aus. Er hofft auf eine Top-Ten-Platzierung. Damit ist er noch bescheiden. Bei der WM im Vorjahr im französischen Le Mans wurde er Vierter. Diesen Erfolg zu wiederholen, wäre super, meint Fritsch. Gerade auch, weil heuer die WM in seiner Oberpfälzer Heimat, auf der Kartbahn seines Vaters Stephan, ausgetragen wird.
Fahrerfeld ausgeglichen
Dass Valentino Fritsch wieder auf einem vorderen Platz landet, ist keineswegs selbstverständlich. Denn das Fahrerfeld sei nach seinen Worten „super ausgeglichen“. Bis zu 30 Fahrer hätten nach seiner Einschätzung die Chance, die WM zu gewinnen. Die Sieger des Vorjahres, der Schwede Viktor Gustavsson in der Klasse KZ und der Franzose Artur Carbonnel in der Klasse KZ2, werden in Wackersdorf auch an den Start gehen.
Valentino Fritsch kann ebenfalls auf einige WM-Erfahrung verweisen. 2018 nahm er erstmals am Wettkampf der weltbesten Kartfahrer teil. Damals wurde er 21. von insgesamt 105Fahrern.
Mit sechs Jahren saß er das erste Mal im Cockpit. 2016 entschied er sich dann endgültig für den Kartsport. Anfangs fuhr er nur bei regionalen Rennen mit, doch relativ schnell zeigte er sein Talent auch auf der internationalen Bühne. Nun kommt ein weiteres Rennen auf höchstem Niveau hinzu – und das auch noch auf der heimischen Kartbahn Prokart Raceland.
Eine WM auszutragen, ist für jeden Veranstalter eine große Ehre. Nicht anders ist es bei Valentinos Vater Stephan. Einen solchen Wettkampf bekomme nicht jeder, steht für den 55-jährigen Kartbahn-Betreiber fest. Das sei schon was für das Prestige, meint er mit Stolz.
Nicht die erste WM in Wackersdorf
Für Stephan Fritsch ist es nicht die erste WM, die in Wackersdorf stattfindet. Bereits 2016 kämpfte hier die erste Garde der Kartfahrer um Sieg oder Platz. In der Zwischenzeit gab es in Wackersdorf auch mehrere Europameisterschaften. Mit deren Organisation und den positiven Erfahrungen der ersten WM hatte sich Stephan Fritsch erneut für die Austragung der Titelkämpfe der weltbesten Kartfahrer empfohlen.
Der Deutsche Motorsportbund (DMSB) bewarb sich mit der Wackersdorfer Kartbahn um die Austragung der WM 2023. Bereits im Sommer 2022 vergab der Internationale Motorsportverband FIA das Rennevent nach Deutschland. 2017 war die Weltmeisterschaft zuletzt in Deutschland zu Gast.
Ausschlaggebend seien dafür nicht nur die Erfahrungswerte gewesen, sondern auch die Anlage an sich, weiß Stephan Fritsch. Immerhin handelt es sich um eine von Deutschlands größten Kartbahnen, die auch über ein riesiges Fahrerlager mit einer Fläche von rund 23000Quadratmetern verfügt.
Fahrerlager wurde erweitert
Erst vor kurzem sei das Fahrerlager um 10000 Quadratmeter erweitert worden, berichtet Stephan Fritsch. Das sei für eine WM sehr wichtig, weil die Teilnehmer mit immer größerem Equipment anreisen. „Früher kamen die Fahrer mit Klappzelt, heute mit einem riesigen Wohnmobil“, sagt der 55-jährige Kartbahn-Betreiber.
Die Rennstrecke war von Anfang an so groß wie jetzt, erklärt Fritsch Senior. Und der Start liegt inzwischen 26 Jahre zurück – im August 1997 eröffnete Stephan Fritsch die Anlage. Seitdem hat er einiges in die Sicherheit investiert und die Strecke auch mal neu asphaltieren lassen. Auch das hauseigene Restaurant, das es ebenfalls seit den Anfängen gibt, wurde immer mal wieder erneuert. Darüber hinaus kam ein Sanitärgebäude dazu. Und bald soll es vor Ort auch zehn Hotelzimmer geben. Das ist der neueste Plan von Stephan Fritsch.
Die Teilnehmer der WM 2023 müssen noch in Hotels in der näheren Umgebung übernachten – oder campen auch auf dem Gelände des Fahrerlagers.
Ab Donnerstag wird es für sie ernst. Donnerstag finden freie Trainings statt, Freitag dann die Qualifizierung. Von Freitagabend bis Samstagabend werden die Vorläufe ausgetragen, bei denen die Fahrer Punkte sammeln für den Finallauf am Sonntag.
Für jeden Fahrer ist es wichtig, bei möglichst keinem auszufallen, einen Unfall oder ein technisches Problem zu haben. Denn dann kann es schon sein, dass man den Einzug ins Finale verpasst, erklärt Fritsch junior.
Nur zwei Oberpfälzer Starter
Auf einen vorderen Platz könnte ein weiterer Oberpfälzer kommen: Neben Lokalmatador Valentino Fritsch ist Thomas Neumann aus Mitterteich (Landkreis Tirschenreuth) dabei, der in der Masterklasse startet. Angefeuert werden beide sicher von zahlreichen heimischen Motorsportfans. Sie können für zehn Euro Tageseintritt den Rennen zuschauen, wie Stephan Fritsch hinweist. Ein Wochenendticket ist für 20Euro erhältlich. Allein am Samstag könne man mehr als ein Dutzend Rennen erleben, bei denen es sehr eng zugehe, die Fahrer sich immer wieder überholen und sich die Positionen verändern. „Das lohnt sich schon“, findet der Kartbahn-Betreiber.


