Er ist das Gesicht der Partnerschaft mit Recoaro Terme

Von Wolfgang Abeltshauser · 5. September 2023 um 19:00

In wenigen Tagen machen sich wieder rund hundert Neustädter auf den Weg in die Partnerstadt Recoaro Terme zum dortigen Herbstfest. Seit 35 Jahren gibt es die Verbindung dorthin jetzt. Ein Mann der ersten Stunde blickt auf die Zeit zurück.

Es war der 9. Juli 1988, die Städtepartnerschaft war noch ganz jung. Das damalige Bürgermeisterduo Hans Gigl und Gottfried Beck hatte sich eine Partnerstadt gewünscht und war mit Hilfe des Bezirks in den Dolomiten fündig geworden. Ein Grund, warum die Wahl auf Recoaro Terme fiel, ist, dass es sich dabei um einen Kurort wie den Neustädter Ortsteil Bad Gögging handelt. Nach ersten Kontakten 1987 wurde die Partnerschaft offiziell ein Jahr später besiegelt.

Vertreter der italienischen Kommune waren erstmals beim Stadtfest mit dabei und boten damals schon Kulinarisches an. Konkret waren es die Alpini – eine Reservistenvereinigung. Ihr Stand war nicht weit von dem der Feuerwehr entfernt, bei dem damals Manfred Fritsch Dienst tat. Ihm seien die Italiener einfach sympathisch gewesen, so dass der mittlerweile 71-Jährige einfach zu ihnen rüberging und seine ersten Kontakte knüpfte.

500 Kilometer mit dem Fahrrad

Leider habe er es seinerzeit terminlich nicht geschafft, beim ersten Treffen 1988 in Recoaro Terme mit dabei zu sein. Deshalb ließ er sich für das Jahr danach etwas ganz Spezielles einfallen lassen. „Ich bin mit dem Fahrrad nach Recoaro Terme gefahren.“ Drei Tagen benötigte er gemeinsam mit weiteren Mitstreitern für die 500 Kilometer.

Seither reist der Neustädter jährlich zweimal in die Dolomiten. Längst hat er in Recoaro Terme Freunde gefunden. „Es ist die Gastfreundschaft“, sagt Fritsch sofort – gefragt, was ihm an den Italienern besonders gefällt. Was er dann gleich mit einem Beispiel untermauert. Bei den Italienern gehöre es einfach dazu, dass man sich schon mal mit einem Küsschen auf die Wange begrüßt.

Freunde halten zusammen

„So etwas kannten wir damals gar nicht“, lacht der Pensionär im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Er hat einen weiteren Beleg: Als er bei einer Reise nach Italien wegen eines akuten Gesundheitsproblems eine Woche ins Krankenhaus musste, sei kein Tag ohne Besuch aus Recoaro vergangen.

Außerdem gefalle ihm der Ort Recoaro Terme – und die Gegend, in der er liegt. „Ich bin schon immer gerne in die Berge gegangen.“ Die Partnerstadt liegt an den Ausläufern der Dolomiten.

Dabei hatte er bis dahin mit der italienischen Sprache noch keine Berührung gehabt. Sicherlich habe er einen Sprachkurs bei der Volkshochschule belegt. Das reiche aber nur für die absoluten Grundlagen. Das alles brauche es in seinen Augen aber gar nicht. „Deutsche glauben immer, sie müssten perfekt sein.“ Dabei würden die italienischen Freunde gar keinen so großen Wert legen, dass alle grammatikalisch richtig ist.

Mittlerweile sei die Sprache ohnehin nicht mehr das große Problem, was Städtepartnerschaftsreferent Anton Stadler beisteuert. Gerade bei den Jüngeren entwickle sich mehr und mehr Englisch zur Arbeitssprache. Er betont dazu, dass immer häufiger Deutschkurse in der Partnerstadt angeboten werden.

Fritsch erzählt weiter, dass man sich in Neustadt schnell klar war, die Partnerschaft könne nur wachsen, wenn nicht nur in der Stadtverwaltung daran gearbeitet würde. So entstand bereits 1990 ein Freundeskreis, der sich nicht zuletzt auch an den organisatorischen Arbeiten beteiligte. So habe er selbst bis vor kurzem mit dafür gesorgt, dass italienische Gäste auf Besuch in Neustadt auch eine Unterkunft bekommen.

Beim ersten Mal sieben Busse

Der Kontakt zu Recoaro Terme ist laut Stadler kontinuierlich enger geworden. Sogar zu Coronazeiten habe es offizielle Besuche gegeben. Fritsch jedoch würde es gerne sehen, wann dabei wieder mehr Neustädter teilnehmen. „Beim ersten Besuch fuhren sieben Reisebusse“, erinnert er sich. Das könne man zwar nicht als Maßstab nehmen, viele seien einfach neugierig gewesen. Aber das sich auch dieses Jahr wieder nur ein Bus auf die Reise nach Italien macht, sei doch eher wenig. Früher hätte den allein der EV Irnsing gefüllt. Der damalige Partnerschaftsreferent sei gleichzeitig EV-Vorsitzender gewesen. Zwei oder drei Busse seien früher schon Standard gewesen.

Wahr sei aber auch, dass mittlerweile Neustädter wie er private Freundschaften pflegen und sich außerhalb der offiziellen Termine mit Menschen aus Recoaro Terme treffen. Stadler weißt darauf hin, dass auch das Offizielle immer mehr zunimmt.

Nicht nur, dass sich Delegationen regelmäßig zum Stadtfest in Neustadt und zum Herbstfest und zum Winteraustreiben in Recoaro Terme treffen. Tradition ist mittlerweile schon, dass Gastronomiepraktikanten in der jeweils anderen Stadt Berufserfahrung sammeln. Und das klassische Ziel der Abschlussfahrten der Mittelschule ist die Kommune am Fuße der Dolomiten.

Das Herbstfest in Recoaro Terme

Das Herbstfest findet am 9. und 10. September statt. Es gibt einen zweijährigen Turnus – in den Jahren ohne Herbstfest gibt es im Frühjahr das Winteraustreiben, bei dem die Neustädter ebenso immer zu Gast sind. Ort des Geschehens ist der Festplatz an der Seilbahn mitten im Ort. Dort gibt es an den beiden Tagen musikalische Unterhaltung und Gaumenfreuden. Am zweiten Tag findet dazu ein Gottesdienst statt.

Seit Jahren bereichern die Neustädter das kulinarische Angebot. Bier, Bratwürstl und Steaks sind laut Partnerschaftsreferent Anton Stadler die Klassiker, an denen nicht gerüttelt wird. „Das kennen die Italiener ja sonst nicht. Es sind immer Neustädter Vereine, die dafür sorgen. Heuer sind es die Feuerwehr und die Landjugend aus Irnsing. Rund 20 Helferinnen und Helfer sind laut Stadler vor Ort notwendig, damit alles klappt. Die Reisegruppe setzt sich mit dem ausgebuchten Bus am 8. September um sechs Uhr in Bewegung. Die Rückkehr ist am 11. September gegen 19 Uhr vorgesehen. Außerdem werden wieder Neustädter mit dem eigenen Auto nach Italien fahren. Für Kurzentschlossene gibt es im Hotel Albergo Al Castello noch freie Übernachtungsplätze. Die Anmeldung erfolgt bei der Stadtkasse im Rathaus am Stadtplatz (Zimmer 3, Telefonnummer: 09445 9717-31 oder 09445 9717-38).

Die Bürgermeister Thomas Memmel (r.) und Armando Cunegato Foto: Sebastian Pieknik
1989 ging es per Fahrrad in die Partnerstadt. Foto: Fritsch