„Nicht jammern, selbst etwas ändern“: Steve Brachwitz aus Roding will für die SPD in den Landtag

Von Oliver Hausladen · 5. September 2023 um 11:00

„Immer nur jammern ändert nichts. Deshalb möchte ich selber in Positionen kommen, wo ich etwas bewirken kann“, erläutert Steve Brachwitz, warum er für die SPD im Landkreis Cham als Direktkandidat für den Landtag antritt. Seinen ersten Wahlkampf findet der 34-Jährige, der mit seiner Frau und drei Kindern in Roding wohnt, „spannend“, sein Ziel: Möglichst ein zweistelliges Ergebnis erreichen.

„Wir sind keine Traumtänzer und wissen, dass das schwierig wird“, sagt er im Hinblick auf das Votum der Bürger. Bei der letzten Landtagswahl landete die SPD im Landkreis unter sechs Prozent, „so ein Debakel gilt es dieses Mal unbedingt zu verhindern.“ Deshalb will er die sozialpolitischen Themen transportieren und wieder präsenter machen, wofür seine Partei stehe.

„Müssen uns besser verkaufen“

Ohnehin sollten die Erfolge der SPD aus der Sicht von Brachwitz besser verkauft werden: „Es gibt viel Kritik an der Ampel-Regierung. Aber ohne die SPD hätte es etwa den Mindestlohn von zwölf Euro oder die Erhöhung des Kindergeldes nicht gegeben.“ Bei seinen Wahlkampf-Terminen werde er allerdings selten auf die Regierung in Berlin angesprochen, die Bürger könnten sehr gut differenzieren, wer für was zuständig ist.

Aufgewachsen ist Brachwitz in Stachesried bei Eschlkam, nahe der tschechischen Grenze. In Furth im Wald machte er den Realschul-Abschluss und lernte dann von 2006 bis 2009 Krankenpfleger in Roding. „Das war aber schon die Umbruch-Zeit, wo die Schließung des Krankenhauses im Raum stand, und nicht sicher war, ob ich übernommen worden wäre“, blickt er in die Vergangenheit. Also wählte er einen sicheren Job und ging für elf Jahre nach München, wo er im Krankenhaus Rechts der Isar arbeitete.

Die Umstellung von Stachesried in die Landeshauptstadt sei vor allem anfangs schon sehr groß gewesen, erzählt er, mit der Zeit hätten seine Frau und er sich aber gut eingelebt. „Ich wollte auch einfach mal raus und etwas anderes sehen“, berichtet er.

Dann ging es aber doch zurück in den Heimat-Landkreis. „Wir haben lange überlegt, aber die Zeit war einfach reif“, sagt Brachwitz. In Roding, wo das Paar viele Bekannte hat und nicht weit weg von den Großeltern ist, gab es das passende Grundstück, so erfolgte der Rück-Umzug.

Bereut hat das Brachwitz, der in Regensburg an der Uni-Klinik arbeitet, keinesfalls, auch, weil Roding sehr zentral liege – sofern man ein Auto hat. Der Rodinger Bahnhof sei sehr weit außerhalb des Stadtzentrums, die Bus-Anbindung nicht gut. Ohnehin könne der öffentliche

Schnell politische Verantwortung übernommen

Personennahverkehr in ländlichen Gebieten nicht wie in Metropolen das Auto ersetzen, hat der SPD-Mann eine klare Meinung. „In München funktioniert das, das habe ich selbst erlebt. Aber im Landkreis Cham etwa geht es ohne Auto nicht, daran lässt sich auch so schnell nichts ändern.“ Was man ändern könne im Zuge der Verkehrswende? Etwa E-Autos noch attraktiver machen.

Politisch engagiert war Brachwitz schon als Jugendlicher, in die SPD trat er dann aber erst Anfang 2020 ein. Nach dem Umzug nach Roding schloss er sich dem Ortsverein hier an – und übernahm schnell Verantwortung als Orts- und später auch Kreisvorsitzender. Und nun als Direktkandidat für den Landtag.

Warum er der Richtige für das Gremium wäre? Unter anderem, weil der Altersdurchschnitt im Landtag bei 55 liege, und er mit 34 Jahren und als Krankenpfleger neue Schwerpunkte setzen wolle. Auch würde es dem Gremium seiner Meinung nach gut tun, wenn mehr Mitglieder „aus der Mitte der Gesellschaft“ und „normalen“ Berufen kommen würden, um die Bevölkerung besser zu repräsentieren.

Probleme aus dem Alltag zeigen

Sein Fachgebiet ist der Gesundheitssektor. In diesem hätte aber beispielsweise die Gruppe der Pfleger keinen „Fürsprecher“ im Landtag, der aufzeigen könne, wo im Alltag die Probleme liegen und wie Lösungen aussehen könnten.

Die Entwicklung im Rodinger Krankenhaus, das sich zu einem Gesundheits-Campus mit bis zu 15 Ärzten entwickeln soll, sieht er grundsätzlich positiv: „Wenn das so kommt, wie es gesagt wird, wäre das sehr gut.“ Wichtig sei vor allem, dass zu jederzeit eine Anlaufstelle bei medizinischen Problemen vor Ort vorhanden sei. Dort könne dann gezielt behandelt oder weitervermittelt werden.

Sollte es mit dem Einzug in den Landtag nicht klappen, muss das nicht das Ende der politischen Karriere sein, Brachwitz kann sich durchaus vorstellen, etwa für den Rodinger Stadtrat oder den Chamer Kreistag zu kandidieren, nun gelte der Fokus aber erst einmal voll der Landtagswahl.

Persönliches

Lieblingssport: Steve Brachwitz, der mit seiner Frau und drei Kindern in Roding lebt, war früher Leistungsschwimmer. „Ich ziehe auch heute noch gerne meine Bahnen, wenn es die Zeit zulässt“, berichtet der Landtagskandidat.

Lieblingsbuch: Kein bestimmtes, derzeit liest der SPD-Kandidat die Biografie des früheren US-Präsidenten Barack Obama. Mit seiner größten Tochter, die sechs Jahre alt ist, will er in Kürze mit der Harry-Potter-Reihe anfangen.

Lieblingsfilm: Auch hier hat Brachwitz keinen bestimmten Streifen, wenn er Filme schaut, darf es aber gerne etwas mit „Action“ sein.

Lieblingsessen: „Italienisches Essen – und das in allen Variationen“, sagt Brachwitz.

Lieblingsort im Landkreis: Der Drachensee bei Furth im Wald. „Ich bin dort in der Nähe aufgewachsen, und Wasser hat für mich ohnehin etwas Beruhigendes“, berichtet der 34-Jährige.