Söder auf der Herbstdult: So viel Lob hört Regensburg selten

Von Marion Koller, Andreas Loscher · 3. September 2023 um 20:17

Auf der Regensburger Herbstdult wurde es am Wochenende politisch. Die CSU, die Freien Wähler und die Grünen schickten ihre Kandidaten und Aushängeschilder in die Zelte ans Redepult. Söder schmeichelte dem Publikum und verlor kein Wort über Aiwanger. Wir geben einen Überblick über das Geschehen.

Auf der Regensburger Herbstdult wurde es am Wochenende politisch. Die CSU, die Freien Wähler und die Grünen schickten ihre Kandidaten und Aushängeschilder in die Zelte ans Redepult. Wir geben einen Überblick über das Geschehen:

CSU: Zum Glück noch kein komplett veganes Zelt

Zu den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches zog Ministerpräsident Markus Söder am Sonntagnachmittag ins Hahnzelt ein. Besucher erhoben sich und applaudierten. Finanzminister Albert Füracker, Bundestagsabgeordneter Peter Aumer, Landtagskandidat Jürgen Eberwein und weitere Parteifreunde begleiteten ihn.

Seinen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und die Flugblatt-Affäre erwähnte Söder nicht. Er sagte lediglich, hinter ihm lägen „schwere Stunden“.

Die ersten zehn Minuten verbreitete der Ministerpräsident gute Laune. Die Dult sei mit Abstand das schönste Volksfest, Regensburg eine großartige Stadt und ein Superzentrum für Künstliche Intelligenz, Medizin und Robotik, der Freistaat das schönste Land der Welt – noch dazu mit den meisten Großunternehmen.

„Ich glaube, 90 Prozent der Menschen auf der Welt würden sofort mit uns tauschen.“ Als das Zelt kochte, ging Söder zur Politik über. Wegen der hohen Energiepreise plädierte er dafür, Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen, „bis die Krise vorbei ist“. Die Stromsteuer wolle er senken. Nicht nur die Großindustrie, auch der Mittelstand brauche günstigen Strom.

Gendern und der Veganismus durften nicht fehlen

Natürlich durften das Gendern und der Veganismus nicht fehlen. Söder schnupperte und stellte fest, das sei wohl noch kein komplett veganes Zelt. Jeder solle selbst entscheiden, was er esse. Das Gendern werde er nicht zur Pflicht machen. Den Grünen in der Berliner Koalition warf er vor, die Menschen erziehen zu wollen.

Die Erbschaftssteuer auf das Elternhaus „muss endlich weg“. Das Berliner Heizungsgesetz gehe in die völlig falsche Richtung. „Warum soll nur die Wärmepumpe der richtige Weg sein?“ Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer arbeite ein Jahr lang für die Anschaffung.

Für die Angriffe auf die Ampel und immer, wenn es ums Geld ging, erhielt der CSU-Mann tosenden Applaus. Während der Rede füllten sich auch die letzten Plätze im Zelt. Bayern tue viel für den Klimaschutz, wolle ihn aber nicht mit der Brechstange „oder dem Kleber“, sagte Söder. Deutschland werde das Auto auch künftig brauchen. Kein anderes Land rede sein wichtigstes Produkt so schlecht.

Durch die hohe Zahl der Geflüchteten komme Deutschland an seine Grenzen. „Unkontrollierte Zuwanderung ist der falsche Weg.“ Söder stellte klar, dass er die Grünen nicht in der Staatsregierung haben möchte. Er warnte vor der AfD, die die EU abschaffen wolle. „Dann geht es bergab mit unserer Wirtschaft.“

Freie Wähler: Jubel über Aiwanger-Entscheidung

Am Sonntagvormittag luden die Freien Wähler zum Frühschoppen in das Hahnzelt – fast zeitgleich verkündete Markus Söder seine Entscheidung, Hubert Aiwanger nicht zu entlassen. Und dennoch herrschte fast so etwas wie Kater-Stimmung im spärlich besuchten Hahnzelt. Aiwanger selbst wurde selten erwähnt. Die Landtagsabgeordnete Kerstin Radler sprach zwar von „turbulenten Zeiten“ und betonte, dass sich die Freien Wähler nicht spalten ließen. Auch Landtagskandidat Michael Schien begnügte sich mit der Feststellung, dass seine Partei „die Mitte des demokratischen Spektrums“ abdecke. Es blieb dem Landtagsabgeordneten Tobias Gotthardt überlassen, die Aiwanger-Kunde zu verbreiten: „Markus Söder hat den Willen und die Stimme des Volkes gehört, er will an Hubert Aiwanger festhalten, und das ist gut so!" Einer der wenigen Momente, in denen Jubelstimmung aufkam. Tanja Schweiger äußerte sich mit keinem Wort zu ihrem Partner oder der Flugblatt-Affäre. Sie bedankte sich für die Geschlossenheit der Partei, „auch wenn sich viele andere freuen, wenn es bei uns nicht so gut läuft.“ Wobei die Landrätin anmerkte: „Wir erleben derzeit, dass es in den Medien nicht mehr um Inhalte geht, sondern um Meinungsführerschaft innerhalb einer Elite, wobei die normale Meinung nicht mehr widergespiegelt wird.“

Die Grünen: Pfiffe im gut besuchten Festzelt

Am Samstag begrüßten die Regensburger Grünen ihren Spitzenkandidaten Ludwig Hartmann und Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, im Hahnzelt. Vereinzelte Pfiffe und Buhrufe waren zu vernehmen, als die Grünen ins gut besuchte Zelt einzogen. Zum Auftakt stellte der Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol sein Programm für Regensburg vor. Er sprach über bezahlbaren Wohnraum, die Verkehrswende und die Verteidigung der Demokratie. Ludwig Hartmann adelte Mistol als „bestgekleideten Abgeordneten der Grünen“, bevor er für eine grüne Wende in Bayern warb. „Wir brauchen eine Politik, die sich den Herausforderungen unserer Zeit stellt. Weitsicht und Markus Söder passen nicht zusammen.“ Auch Aiwanger kritisierte er hart für die Flugblatt-Affäre. „Wenn Haltung und Anstand in der Politik noch etwas zählen, muss er zurücktreten“.

Auch Roth kritisierte den Vize-Ministerpräsidenten. „Wir erleben ein politisches Erdbeben. Ist es bürgerlich, die Demokratie vermeintlich zurückholen zu wollen? Nein, das ist nicht bürgerlich, das ist brandgefährlich und ein gefährliches politisches Trauerspiel!“ Im Zelt wurde auch Protest deutlich. Ein Mann zeigte ein Plakat gegen Waffenlieferungen. Ein Paar machte Lärm mit Trillerpfeifen und eine Gruppe machte mit Musikboxen Lärm.