FDP-Kandidat Pascal Hanke will, dass Bayern Energiebedarf mit Erneuerbaren selber deckt

Von Marie Campisi · 4. September 2023 um 11:00

Pascal Hanke ist 22 Jahre alt, vor rund vier Jahren ist er den Jungen Liberalen (Julis), rund ein Jahr später auch der FDP, beigetreten. Bei den Julis sammelte er bereits als Kreisvorstand Erfahrungen in einem politischen Amt. Als Direktkandidat für die Landtagswahl möchte er sich vor allem für die Zukunft heranwachsender Generationen stark machen.

Sein Fokus: Generationengerechtigkeit. Neben der Schuldenbremse und dem Absenken des Wahlalters auf 16, auch in Bayern, steht für ihn besonders der Klimaschutz an vorderster Stelle. Hanke sagt: „Unser Ziel sollte sein, dass wir eine CO2-neutrale Zukunft haben. In meinen Augen steht und fällt das mit dem Energiesektor“.

Der Schönthaler hat im Frühjahr dieses Jahres seinen Bachelor in Mechatronik am Technologie Campus Cham erhalten. Seitdem arbeitet er, wie bereits während des dualen Studiums, als Softwareentwickler bei F.EE in Neunburg vorm Wald. In die Politik fand Hanke während des Abiturs, das er 2019 am Fraunhofer-Gymnasium bestand. Damals wurde er auf eine Kampagne der Julis zur psychischen Gesundheit auf die Partei und ihren Jugendverband aufmerksam. „Ich hatte selber damit zu tun und finde, dass die Thematik gerade auf dem Land nicht übersehen werden darf“, erzählt er. Er wünsche sich hier eine höhere Versorgungsquote.

Stromnetz muss verbessert werden

Sein „Fach“ bleibt jedoch der Klimaschutz. Auch Fridays for Future habe ihn in dieser Hinsicht während der Schulzeit politisiert. „Ich würde sagen, wir haben das gleiche Ziel, aber der Weg dahin ist ein anderer“, sagt Hanke. Das größte Schwert in dieser Sache ist für den 22-Jährigen die EU-weite CO2-Bepreisung. Das geschieht mittels Zertifikaten, die Unternehmen für ihren CO2-Verbrauch erwerben müssen und die über einen bestimmten Zeitraum bewusst verknappt werden. „Damit das gesellschaftlich verträglich ist, brauchen wir noch zwei weitere Komponenten“, sagt Hanke. Damit meint er einerseits eine Klimadividende, auch Klimageld genannt. Außerdem setzt er auf den die CO2-Bezollung, um zu verhindern, dass Firmen den Emissionshandel über Importe umgehen.

Hanke kritisiert die Energie-, beziehungsweise Klimapolitik der Vorgängerregierungen. Neben dem Ausbau der Erneuerbaren sieht er eine weitere drängende Aufgabe: Den Netzausbau. „Leitungen für die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) wurden massivst blockiert“, sagt Hanke. „Die Probleme konnten in Bayern über Gaskraftwerke kaschiert werden.“ Der zügige Ausbau der HGÜ sei nun eine Kernaufgabe, vor allem in Bayern, um den Energietransport von Nord nach Süd sicherzustellen. „Sonst kann der Energie-Überschuss der Windräder in Norddeutschland überhaupt nicht abtransportiert und genutzt werden, weil die Leitungen überlastet sind“, sagt er.

10-H-Regel abschaffen

Bayern müsse aber auch selbst bei den Erneuerbaren nachziehen, um im Idealfall den eigenen Energiebedarf decken zu können. „Die Politik muss hier die richtigen Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Hanke. Den bürokratischen Aufwand für den Bau eine Windrads in Bayern findet er nicht angemessen – ebenso die 10-H-Regel. „Man hätte ein Atomkraftwerk näher an ein Haus bauen dürfen als ein Windrad“, kritisiert er. Auch der ländliche Raum mit seinen Freiflächen spielt für Hanke eine wichtige Rolle beim Klimaschutz: „Ich kann halt kein Windrad zwischen Hochhäuser bauen.“

Aber auch wirtschaftlich sieht er darin ein großes Plus. „Der relativ günstige Bauplatz kann dafür sorgen, dass man Anreize schafft, die neueste Industrie nach Bayern zieht“, sagt Hanke. Im Bayerwald habe man außerdem den Vorteil der Nähe zu Tschechien, „das sorgt dafür, dass man an zusätzliche Arbeitskräfte kommt“. Und ohne Migration sei der demografische Wandel nicht zu lösen. Daher sollte auch Geflüchteten der Zugang zum Arbeitsmarkt möglichst bald nach der Ankunft ermöglicht werden.

Ehrenamt vor Parteiarbeit

Auch in das Deutsch-Tschechische Verhältnis würde Hanke investieren – zum Beispiel mit dem Schienenausbau über den ehemaligen Eisernen Vorhang. „Es gibt zwischen München und Prag keine Fernzüge. Zu anderen Ländern wie Frankreich gibt es dagegen zahlreiche Vernetzungen, auch im Fernverkehr“, sagt er. Auch auf die Sprache will er setzen. „Schulen sollte es deswegen freigestellt werden, welche zweite Fremdsprache sie anbieten“, findet Hanke. Er selbst hätte in der Schule lieber Tschechisch als Französisch gelernt. Aktuell versuche er das mit einer Sprach-App nachholen.

Ansonsten verbringt der 22-Jährige seine Freizeit mit Strategiespielen wie Civilization, um zu entspannen. Den Großteil seiner Freizeit widmet Hanke allerdings der Freiwilligen Feuerwehr. Dafür nimmt er auch an Lehrgängen und Wettkämpfen teil, beispielsweise beim Leistungswettbewerb Atemschutz. „Für mich hat die FFW noch mehr Priorität als die parteipolitische Arbeit“, sagt Hanke.

Persönliche Fragen

Lieblingsfilm: Von Oppenheimer ist Pascal Hanke begeistert. Nicht nur technisch findet er den Film überzeugend. Auch wie der moralische Konflikt verhandelt wird, begeistert ihn. Am besten abschalten kann er aber bei strategischen Videospielen wie Civilization oder Humankind.

Lieblingsort: Am liebsten genießt er den Blick ins Grüne auf der eigenen Terrasse. Aber eigentlich findet Hanke die Natur im Landkreis so schön, dass es fast schon egal sei, wo man sich aufhalte.

Reiseziel: Im Urlaub zählt für ihn die Natur. Schottland reizt ihn sehr – auch weil Hanke kein Fan von hohen Temperaturen ist. Im kommenden Jahr will er sich dieses Reiseziel auch erfüllen.

Vorbild: Der 22-Jährige findet: Wer sich mit einem Vorbild vergleicht, kann fast nur enttäuscht werden. Da er niemandem nacheifern will, möchte er sich bewusst kein Vorbild nehmen.

Lieblingsbuch: Hanke mag futuristische, post-apokalyptische, gesellschaftskritische Romane. Silo von Hugh Howey hat diese Kriterien erfüllt. Auch die Reihe Tribute von Panem haben ihm – anders als ihre Verfilmung – gut gefallen.