Spritziger Start in die Regensburger Herbstdult – wieso das Volksfest wieder Kult ist

Drei Schläge brauchte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer für das Fass, das Bier spritzte und floss dann in Strömen. Das Regensburger Dult bietet heuer viele Besonderheiten: Beispielsweise feiert die Wirtsfamilie Hahn ein Jubiläum. Wieso man heute im Zelt auch manchmal Abba hören kann und warum die Dult zwischenzeitlich viel edler geworden ist.
„O‘zapft is!“ Frisch erholt aus dem Urlaub zurück, eröffnete Regensburgs Stadtoberhaupt Gertrud Maltz-Schwarzfischer beherzt mit drei Schlägen das Regensburger Traditions-Volksfest. Heuer ist Wahlkampf und das Gruppenbild mit Dame ließen sich auch zahlreiche Kandidaten um ein Landtags-Ticket nicht entgehen. Die Promi-Box war gut gefüllt mit Politikern, CSU-Kandidat Jürgen Eberwein kam ebenso wie Grünen-Kandidat Jürgen Mistol. Lediglich SPD-Kandidat Michael Koch kam zu spät. „Der ist noch am Wahlkampfstand“, verrieten seine Genossen.
Einen speziellen Anzapf-Kurs, wie ihn Bürgermeister absolvieren können, hat Regensburgs Stadtoberhaupt noch keinen gemacht. Bei der Mai-Dult gelang ihr auch der elegante Doppelschlag. Diesmal brauchte sie drei Schläge, dafür spritzte es auch recht. Doch auch das verdarb die Laune der SPD-Politikerin nicht. „Ich freue mich immer auf das Riesenrad“, verriet sie, „und auf einen Steckerlfisch“.
Regensburg: Eine besondere Herbstdult
Und zum Feiern gibt es genug. Für Wirt Michael Hahn, seine Familie und sein Team ist es heuer eine ganz besondere Herbstdult. Vor 30 Jahren übernahm er – an selber Stelle – das Zelt von der Firma Dengler. Hahn erinnert sich: „Ganz am Anfang war das hier alles ein bisschen einfacher gestaltet, für uns war die Übernahme des Zelts sehr kurzfristig.“ Der Ausschank sei damals noch ganz anders konzipiert gewesen, auch die Küche ist mit der heutigen nicht zu vergleichen. „Die Brauerei Bischofshof, mit der wir damals bei unserer ersten Dult zusammengearbeitet haben, war natürlich sehr gespannt, ob alles klappt.“ Es klappte: Seither ist das Hahn-Zelt nicht mehr wegzudenken von der Dult. Die drei Regensburger Brauereien Spital, Bischofshof und Kneitinger rotieren in den Zelten, immer zwei der drei Brauereien übernehmen die Bierlieferung zur jeweiligen Dult.
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Hahn schildert im Gespräch einen Wandel der Dult. Die Volksfeste seien eine Marke Bayerns über die Landesgrenze, aber auch weit über Deutschland hinaus. Während vor 30 Jahren junge Leute selten auf die Idee kamen, eine Tracht zu tragen, sei es heute selbstverständlich, sich für den Dult-Besuch auch schick zu machen. „Das verändert natürlich auch, wie man sich verhält: Wenn man fesch angezogen ist, dann verändert das auch die Haltung.“ Man habe das aber auch durch die Qualität der Speisen befördert. „Die Dult ist heute viel edler als noch vor 30 Jahren“, findet Hahn.
Die Regensburger Dult geht mit der Zeit
Besonders gefällt ihm, dass sich gerade die jungen Gäste auch selbst nicht so ernst nehmen würden. „Wenn im Zelt mal ABBA gespielt wird, gefällt denen das.“ In seiner Jugend hätte man dazu nie geschunkelt oder gar getanzt. „Da wäre das völlig uncool gewesen.“ Heutzutage amüsierten sich die Besucher bei Volksmusik genauso wie bei den schwedischen Schlagerbarden. „Vor 30 Jahren gab es das Hendl auf dem Pappteller – und fertig“, sagt Hahn. Heute ist das Angebot der beiden Festzelte und natürlich auch der weiteren festen Einrichtungen auf der Dult gehobener. Für ihn ganz besonders sei, dass Mitarbeiter der ersten Stunde, heute längst im Rentenalter, immer noch mitmachen würden.
Zum Jubiläum gönnen sich Hahn und sein Team auch etwas: „Traditionell gibt es an einem Abend nach dem laufenden Betrieb ein Essen für alle – von der Putzfrau über den Sicherheitsdienst bis zur Bedienung.“ Heuer gebe es eine Überraschung. Welche, verrät Hahn nicht.
Das erste Dult-Wochenende ist geprägt von zahlreichen besonderen Veranstaltungen. Fisch Maier beispielsweise hat ebenfalls ein Jubiläum: Für ihn ist es die 101. Dult. Deshalb gibt es jede 101. Forelle im Fischzelt frei. Wenn etwas öfter als dreimal stattfindet, kann man auch von einer Tradition sprechen: Der Besuch der Fürstlichen Notstandsküche zwischen 11 und 16 Uhr am Samstag im Glöcklzelt ist so eine Tradition. Es werden jeweils ein halbes Hendl, ein Bier und alkoholfreie Getränke gereicht. „Unserer Familie ist das Soziale sehr wichtig“, sagte Festwirt Alfred Glöckl.
Herbstdult in Regensburg: Eine Taufe im Bierzelt
Ob die Fürstenfamilie diesmal dabei sein wird? Eher nicht, da parallel in Sünching eine Adelshochzeit stattfindet, an der Gloria und Albert von Thurn und Taxis zugegen sein werden. Am Sonntag findet dann der traditionelle Dult-Gottesdienst statt. Im Hahn-Zelt zelebriert der Pfarrer von St. Emmeram, Roman Gerl, eine ganz besonders feierliche Messe: Ein Schausteller-Kind wird getauft.
Zwei Wochen lang heißt es nun wieder „Dult is‘“ in Regensburg. Ob der Wettergott mitspielt, wird sich zeigen. Im Bierzelt schmeckt die Maß so oder so hervorragend.