Die Piktogramme auf der Ludwigstraße in Cham und ihre Wirkung auf das Radwegekonzept

Von Johannes Schiedermeier · 25. August 2023 um 16:00

Im Windschatten des Radlers in der Ludwigstraße klebt am Hinterrad ein schwarzer Kleinwagen und lauert vergeblich auf seine Chance. Ein Roller im Gegenverkehr macht das Überholen unmöglich. Nun hat die Stadt Radpiktogramme an beiden Straßenrändern aufspritzen lassen und wartet, was das bringt. Die 15 Parkplätze stadteinwärts entschärfen die Vorzüge des Projekt allerdings schon im Vorfeld. Breiter wird es nicht.

Eine Delegation der Stadt hat am Freitag die neueste Errungenschaft erläutert, die am Ende dazu führen soll, dass mehr Chamer das Rad nutzen. Vizebürgermeister Walter Dendorfer, stellte gemeinsam mit Christian Schindler (Ordnungsamt), Klaus Paulus (Bauhof) und Christian Weihrauch (Verkehrsbeauftragter der Stadt im Hauptamt) die Fahrbahnmarkierungen vor.

Noch nicht spruchreif

Dendorfer betont, dass das Konzept ständig weitergeführt wird und die Piktogramme in der Ludwigstraße nur ein weiterer Schritt sind. Auf die Frage, welche Lösungen die Stadt noch im Köcher hat, was die Beseitigung der 15 Parkplätze betrifft, sind alle Beteiligten jedoch wortkarg. Noch nicht spruchreif, heißt es zu der Suche der Stadt nach Parkraum auf Grundstücken entlang der Straße.

Denn die 15 Parkplätze, die ein Gutachten der Firma Pressler als notwendig bezeichnet hat, sind deutlich sichtbar die Achillesferse des Radweges. Sie verhindern nicht nur einen tatsächlichen Schutzstreifen, sondern machen auch das Überholen eines Radfahrers auf der gesamten Länge zwischen Polizei und Rhaner Bräustüberl nahezu unmöglich. Außerdem sind die wenigen Piktogramme zwischen den Parkplätzen teils schwer auszumachen. Eine Lösung gibt es bereits: Dauerparker können den Parkraum unterhalb des Künstlerhauses CHA 13 nutzen, den viele gar nicht kennen. Allerdings verweist Christian Schindler vom Ordnungsamt darauf, dass zum Beispiel eingeschränkt Gehfähige mit den neun Prozent Steigung nicht zurechtkommen. Auf den Hinweis auf das nahe Parkhaus „Auf der Schanze“ wird dessen Fußläufigkeit angezweifelt.

„Wie gesagt, da kommt noch was“, sagt 2. Bürgermeister Dendorfer und verweist auch auf die Möglichkeit, den Radweg von Katzbach über die Frühlingsstraße zu nutzen. Das sei freilich für die Radler aus Cham-West keine Lösung. Für die sei aber bereits eine Weiterführung der Piktogramme in der Waldschmidtstraße in Arbeit.

Weitere Pläne der Stadt

Fortgeschritten seien auch schon Planungen für die Fortführung des bestehenden Radweges Brunnendorf in Richtung Landratsamt und Altenstadt/Bahnübergang. Im Bereich des Bahnüberganges sei die Straße eng. Deswegen werde man dort – wie in der gesamten Altstadt – Tempo 30 anordnen, so Dendorfer.

Beschränkt nützlich

Arbeitskreise sind Segen und Fluch. Einerseits wird jeder gehört, andererseits ist das Ergebnis oft ein verwässerter Kompromiss. Erst hatte die Stadt nicht den Mut, alle Einbahnstraßen für Radler freizugeben und schuf einen unübersichtlichen Flickenteppich.

Nun präsentiert das Rathaus Piktogramme auf der Ludwigstraße, die allenfalls beschränkt nützlich sind, solange keiner den Mut aufbringt, die Parkplätze zu entfernen. Im Bestreben, ständigen Fortschritt beim Radwegenetz zu präsentieren, gerät die Stadt in Gefahr, Stückwerk aneinanderzureihen. Man verlässt sich auf ein Gutachten, das den Parkplätzen ihre Notwendigkeit bescheinigt, während ein paar Meter weiter das Parkhaus Auf der Schanze nicht voll belegt ist.

So pressen sich Radler und Autofahrer weiter durch eine enge Straße. Piktogramm hin oder her. Wenn die Stadt Grundstücke für Parkplätze in der Hinterhand hat – her damit! Dann könnte man nämlich einen tatsächlichen Sperrstreifen markieren, der auch straßenverkehrsrechtlich eine Relevanz hätte im Gegensatz zu den unverbindlichen Piktogrammen. Das wäre ein echter Befreiungsschlag. So geht der Radweg weiter an der Krücke.

Christian Schindler, Klaus Paulus, Christian Weihrauch und Walter Dendorfer und die Piktogramme auf der Straße