Adi ist Kelheims kühne Europameisterin im Barfuß-Wasserskifahren

Giftige Schlangen, Aligatoren, bayerisches Novemberwetter oder schmerzhafte Verletzungen. Adi Köglmeier-Pollmann bremste all das nicht aus. Vor 40 Jahren war sie ein deutsches Sport-Idol.
Fans und Sportfreunde schrieben ihr Postkarten. Nur mit Adi und Kelheim als Adressangabe drauf. „Kam an“, sagt die 62-Jährige und grinst.
Vielen ist heute ist das Race24 das große Kelheimer Sportspektakel. 1983 war das die EM im Barfuß-Wasserskifahren. Tausende verfolgten diese nahe der Europabrücke. Mitten drin Adi Köglmeier-Pollmann (Mädchenname: Mansdorfer).
Vor heimischer Kulisse fuhr die damals 22-Jährige mit der Löwen-Mähne einen Titel nach dem anderen ein. Slalom, Tricks und Startmethoden. Adi siegte. Kurz zuvor bei der Deutschen Meisterschaft hatte sie sich noch ihrer härtesten Gegnerin, der erst 14-jährigen Tanja Robbe, geschlagen geben müssen.
Slalom, Trickski und Pyramiden
Jetzt hatte Adi einen Lauf. Sportbegeistert war sie schon immer. So wie ihre Brüder Willi und Dieter. Irgendwie lag das in der Natur der Sache und vielleicht auch in den Genen. Vater Willi führte das Schuh- und Sportgeschäft Mansdorfer. Er war Mitbegründer des Bergrennens und des Kelheimer Yachtclubs.
Ihre Freizeit verbrachte die Familie in oder auf der Donau. Mit sieben stand Adi auf Wasserskiern, um es den Brüdern gleichzutun. Schnell wurde dem Trio Erlerntes langweilig. Aus zwei Wasserskiern wurde ein Monoski. Dann bauten sie mit Adi über sich eine Pyramide. Sie fuhren Trickski oder durch Bojen Slalom.
Bruder Willi Mansdorfer löste das Barfuß-Wasserski-Fieber aus
Mit 20 machte Adis Bruder Willi Urlaub in Florida. Dort sah er eine berühmte Wasserski-Show. Artisten sprangen von Hausdächern – und fuhren barfuß. Willi schickte eine Postkarte heim – und elektrisierte die Geschwister. Die Jüngste wagte sich bald an Sprung-Starts von Ausflugsschiffen oder Kaimauer. Zehn Meter in die Tiefe. „Funktionierte“, sagt Adi. „Bis ich Mutter geworden bin, stand Angst nicht in meinem Lexikon.“ Gäbe es das Sternzeichen „Adrenalin-Junkie“. Sie hätte es.
Franz Kirsch: „Euer Boot geht nicht schnell genug“
Nur das Barfuß-Wasserskifahren wollte nicht klappen. Wie sich herausstellte, waren sie nicht die Ersten, die hierzulande auf die Idee kamen und luden den Deutschen Meister, Franz Kirsch, von der Mosel ein. „Das kann nicht funktionieren, euer Boot geht nicht schnell genug“, lautete dessen lapidare Antwort. Sie lernten: Zum Barfuß-Wasserskifahren braucht es mindestens 60 km/h.
Neues Boot, neues Glück
Papa Willi schaffte sich bald ein neues Boot an. Nach einem Jahr Training ging es für die Geschwister zur Deutschen Meisterschaft. Adi holte im ersten Anlauf Gold im Slalom und Silber in weiteren Disziplinen – und qualifizierte sich fürs Nationalteam.
Kürzlich entdeckte die Kelheimerin im Keller wieder ihre Wasserski-Hantel von früher. Beim Gespräch mit unserer Zeitung schnallte sie die kurzerhand ans Terrassengeländer. Sie hat es immer noch drauf. Vorwärts, rückwärts, die Hantel mit den Zähnen halten, ein Bein. So, so, so...
Jeden März zum Training nach Florida
Über Jahre flogen Adi und ihre Brüder im Frühjahr zum Training nach Florida. „Für zwei, drei Wochen. Mehr konnte ich mir nicht leisten“, sagt sie. Trainiert wurde auf einem sumpfigen See. „Da mussten die Boote erst zwei-, dreimal auf- und abfahren, damit Schlangen und Aligatoren das Weite suchten.“ Das klappte meist. Nur einmal musste das Boot wegen Schlingpflanze in der Schraube anhalten – und Adi blickte in zehn Meter Entfernung in Aligator-Augen. Da blieb sie noch cool, sagt sie. Aber als das Reptil abtauchte, war es um ihre Gelassenheit geschehen. Sie schrie wie am Spieß – und Bruder Dieter hielt alles genüsslich mit der Videokamera fest. Auch sonst durfte sie in ihrem Sport nicht zart besaitet sein. Beim Training kugelte „man sich schon mal den Arm aus“. Stürze so hart „wie ein Bauchplatscher vom 10-Meter-Brett“.
Wettkämpfe in Südafrika
Wettkämpfe und Trainings führten Adi in den 1980ern auch nach Südafrika. Weil die Sportler wegen der Apartheids-Politik (Rassentrennung) von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen waren, richtete das Land selbst welche aus. Viele Erlebnisse in dem Land werde sie nie vergessen, sagt Adi.
1986: Weltmeisterschaft in Kelheim
1986 holte der Kelheimer Yachtclub dann sogar die Weltmeisterschaft nach Hause. Ausgerechnet in dem Jahr verletzte sich Adi zuvor schwer. Trotz Schiene am Knie und ärztlichem Trainingsverbot bereitete sie sich vor – und wettete mit FC-Bayern-Torwart-Legende Raimond Aumann, dass sie antreten würde. Tat sie auch – und verfehlte das Treppchen um Haaresbreite.
Sie schaffte es auch ins Guinness-Buch der Rekorde
Trotz zahlreicher Erfolge verdient hat das Barfuß-Wasserski-Ass nichts mit dem Sport. Sie musste froh sein, wenn ihr Sponsoren Neopren-Anzüge schenkten, sagt Adi. Verdient hat sie sich mehr schriftliche Meriten, den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde etwa. 1985 sprang sie beim Europacup in der Schweiz barfuß über eine Schanze. Weltrekord: 12,10 Meter. Heute sagt sie: Wäre doch schön, wenn es mal wieder ein Barfuß-Wasserski-Event in Kelheim gäbe. Und sei es nur zur Show. Kennen würde sie genügend Sportler.
Wettbewerbe in Kelheim
1983: 40 Jahre ist es her, dass in Kelheim die Europa-Meisterschaft im Barfuß-Wasserskilauf stattfand. Am Kanalteilstück bei der Europabrücke (26./26./28. August). Eintritt: 5 DM.
1981: Bereits zwei Jahre zuvor richtete Kelheim die 4. Deutsche Barfuß-Wasserski-Meisterschaft (25./26. Juli) aus.
1986: 5. Barfuß-Wasserski-WM (26. bis 31. August 1986)










