Krones-Pläne für Innovationsgebäude am Regensburger Tech-Campus sind geplatzt

Von Bernhard Fleischmann · 21. August 2023 um 17:20

Erst lange verschoben, jetzt gestoppt: Das Innovationsgebäude in Regensburg wird nicht gebaut. Krones zieht damit Konsequenzen, die auch mit der Corona-Pandemie zu tun haben. Ein neuer Investor für das Gelände steht schon bereit.

Die lange Wartezeit auf den Baubeginn ließ es schon geraume Zeit vermuten, nun ist es gewiss: Aus dem vor fünf Jahren angekündigten Innovationszentrum von Krones in Regensburg wird nichts. Der Neutraublinger Spezialist für die Abfüllung und Verpackung von Getränken und anderen Lebensmitteln hat seine geplante Investition gestoppt. Dies bestätigte Unternehmenssprecherin Ingrid Reuschl auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Wir haben das Grundstück an die Stadt zurückgegeben“, bestätigte Reuschl gestern auf Anfrage. Damit verabschiedet sich Krones endgültig von der Absicht, für 20 bis 25 Millionen Euro ein Entwicklergebäude zu bauen, das in etwa gleich groß werden sollte wie die TechBase direkt gegenüber. Diese ist die Schaltzentrale des Tech-Campus und dient zudem als Brutstätte für Neugründungen.

Bis zu 800 Arbeitsplätze

Im Krones-Innovationszentrum wollte der Konzern eigene Software-Spezialisten konzentrieren. Rund 400 Krones-Beschäftigte sollten am Tech-Campus arbeiten. Damit hätte Krones das Gebäude zur Hälfte selbst genutzt. In die andere Hälfte sollten Unternehmen aus der IT-Branche mit noch einmal etwa 400 Mitarbeitern einziehen.

Der Grund für den Rückzieher liegt an dem Wandel, den auch die Corona-Pandemie massiv beschleunigt hat: Krones hat, trotz wachsender Belegschaft, keinen zusätzlichen Platzbedarf mehr, erklärt Reuschl: „Wir platzen nicht mehr als allen Nähten.“ Denn mittlerweile sei per Betriebsvereinbarung bis zu 50 Prozent mobiles Arbeiten möglich. Das Unternehmen habe viel in die Arbeitsplätze investiert und diese modernisiert, Shared Desks geschaffen. Gegenwärtig errichte Krones am Stammsitz in Neutraubling ein neues Gebäude. Flächen habe man also genügend.

Das Projekt am Tech-Campus reicht zeitlich bereits weit zurück. Verkündet wurde die Großinvestition im September 2018. „Phänomenal“ sei der Standort, schwärmte seinerzeit Krones-Vorstandschef Christoph Klenk. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) sprach von einem „Meilenstein“.

Doch schon bald veränderte sich die Großwetterlage. Anfang 2019 brachen bei Krones die Bestellungen ein. Ein Konjunktureinbruch bereits vor Corona machte dem Unternehmen zu schaffen. Stellen wurden abgebaut, Investitionen auf den Prüfstand gestellt. Auf diesem Prüfstand fiel das Hightech-Gebäude, das unter dem Namen „Innovationsnetzwerk“ firmierte, erst mal durch.

Mehr mobiles Arbeiten

Zwar hatte Krones das Filetgrundstück mit 8000 Quadratmetern gekauft. Doch es rührte sich nichts, außer dass das Grün schön grünte. Als Baubeginn war ursprünglich der Herbst 2019 geplant. Mit der Stadt war anfangs als spätester Baubeginn der September 2020 vereinbart. Wegen der konjunkturellen Schwäche einigte sich Krones mit der Stadt auf eine Verschiebung um zwei Jahre. Diese Frist ist mittlerweile längst verstrichen. 2020 veränderte sich mit der Corona-Pandemie die Arbeitswelt massiv. Krones stellte in großem Umfang auf mobiles Arbeiten um – und bleibt nun dabei. Der Bedarf an Büroflächen ist so enorm gesunken. Und das, obwohl Krones laut Reuschl seit Juli 2022 wieder mehr als 520 Arbeitsplätze in Deutschland aufgebaut hat, die meisten davon in Neutraubling.

Als ein Grund für die Ansiedlung am Tech-Campus war anfangs die Nähe zur Gründerszene, zu Hightech-Unternehmen und den Hochschulen genannt worden. Die Universität und die OTH befinden sich in Geh- und Sichtweite. Deswegen sei Krones der Abschied von den Plänen auch nicht leicht gefallen, sagt Reuschl. Immerhin bleibe man mit dem Inno-Lab an der Tech-Base vor Ort. Das ist eine kleine Einheit mit zwei Krones-Mitarbeitern und derzeit fünf Studierenden. Sie sollen innovative Ansätze und Geschäftsmodelle testen. Das Lab befasste sich u.a. mit 5G-Technologie, neuen Ansätzen zur Flaschenreinigung, KI und Nachhaltigkeit.

Entscheidung im Herbst

Der Leiter des Regensburger Amtes für Wirtschaftsförderung, Toni Lautenschläger, sagt, durch die Rückgabe des Grundstücks sei der Stadt kein Nachteil entstanden. Der Kauf sei rückabgewickelt worden und seit etwa einem Monat im Grundbuch vollzogen. Sorgen wegen einer möglichen Brache macht sich Lautenschläger keine: „Die Nachfrage ist groß.“ Ein neuer Interessent sei vorhanden, ein Abschluss bereits in diesem Herbst zu erwarten. Das Unternehmen sei im Bereich Technologie und IT tätig. Mehr verrät der oberste Wirtschaftsförderer der Stadt noch nicht. Auch dieses Vorhaben könnte um die 800 Arbeitsplätze an dem Standort bieten.