Nächster Rückschlag für Schwandorfer Einkaufsmeile: Gerry Weber schließt Filiale

Von Jan Lange · 21. August 2023 um 05:00

„Alles muss raus“, „Wir schließen diese Filiale“ ist an den Schaufenstern zu lesen. Für die Friedrich-Ebert-Straße ist die Schließung des Modegeschäftes Gerry Weber der nächste Rückschlag innerhalb weniger Monate.

Erst im Herbst 2022 hatte das Tascheneck für immer geschlossen. Und auch den erst vor zwei Jahren eröffneten bulgarischen Lebensmittelladen Sofia gibt es nicht mehr. Stirbt Schwandorfs Einkaufsmeile Nummer eins langsam aus?

Von den knapp 50 Geschäften steht aktuell rund ein Viertel leer. Zwar gab es in den vergangenen Monaten auch immer wieder Neueröffnungen wie beispielsweise das Café „Izzy to go“ oder der Djuletta Aesthetic Room, dabei handelt es sich aber überwiegend um kleinere Geschäfte, welche die großen Ankermieter kaum ersetzen können.

Mit Gerry Weber verliert die Schwandorfer Innenstadt ein weiteres Zugpferd. Die Filiale werde bis Ende Oktober geschlossen, teilt Unternehmenssprecherin Christina Herrmann mit. „Wann genau der letzte Verkaufstag ist, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest“, erklärt sie.

Insolvenzverfahren für Modeunternehmen eröffnet

Die Schließung sei nach ihren Worten der Gesamtsituation geschuldet. Die Gerry Weber Retail GmbH hatte am 20.April 2023 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Insolvenzverfahren wurde am 26. Juni eröffnet. „Wir müssen die Sanierung unseres Unternehmens konsequent umsetzen, um den gesunden Kern zu schützen“, begründet Christina Herrmann den Schritt. „Dazu zählt, dass wir alle Filialen schließen, die wir nicht profitabel betreiben können.“ Dazu gehört wohl auch das Schwandorfer Geschäft, denn auch von dem verabschiedet sich das Modeunternehmen.

Dabei gibt es die Filiale noch gar nicht so lange, sie war 2020 eröffnet worden. Mit dem Ende des Schwandorfer Geschäftes zieht sich Gerry Weber komplett aus der Region zurück. Von der Regensburger Innenstadt hatte sich das Unternehmen bereits 2019 verabschiedet, nachdem es schon damals Insolvenz anmelden musste. Später folgte auch die Filiale im Regensburger Donau-Einkaufszentrum.

Nächste Filiale von Gerry Weber in Nürnberg

Die nächsten eigenen Standorte gibt es in Nürnberg (90 Kilometer), Bayreuth (100Kilometer) und Ingolstadt (110 Kilometer) sowie das Outlet in Gremsdorf (120 Kilometer).

Für die Stadt kommt das Ende der Gerry Weber-Filiale nicht überraschend. Die drohende Schließung ist der Wirtschaftsförderung bereits seit Anfang 2023 durch den neuen Eigentümer bekannt, teilt Stadtsprecherin Maria Schuierer mit. Für die frühzeitige Information sei die Wirtschaftsförderung sehr dankbar, da so bereits Sondierungsgespräche, Ideen und Akquisen stattfinden könnten.

Seitens des Stadtmanagements und des Stadtmarketing-Vereins gibt es eine Vielzahl von Events, um die Innenstadt zu beleben, erklärt Schuierer. „Hier sind unter anderem der Lieblingsfreitag, das Mondschein-Shopping und Aktionen an den Marktsonntagen zu nennen.“

Zudem ist die Einführung eines digitalen Leerstandsmanagements durch den Stadtrat beschlossen worden. Dabei sollen ungenutzte Immobilien besser präsentiert werden – was auch für die Leerstände in der Friedrich-Ebert-Straße gilt. Weiterhin seien nun Besucherfrequenzmessungen in der Innenstadt möglich, die vor allem Projektentwicklern hilfreiche Daten für die Standortanalyse liefern würden.

Dass die Stadt selbst leerstehende Immobilien in der Innenstadt ankauft, sei nur dann sinnvoll, wenn sich danach auch eine konkrete Nutzung ergebe, so Schuierer. Als Beispiele nennt sie den Ankauf des ehemaligen Raiffeisenbankgebäudes und des Gasthofes zur Post am Marktplatz. Beide Objekte sollen gemeinsam mit dem Schmidt-Bräu-Areal umgestaltet werden.

Keine Reaktion auf Kaufangebot

Kaufinteresse gab es vonseiten der Stadt auch für ein leeres Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße: das Meierhofer-Anwesen. Dem Eigentümer wurde vor einigen Jahren ein entsprechendes Angebot unterbreitet, auf das er aber nicht reagiert habe, erklärt Schuierer. SPD-Fraktionschef Franz Schindler hatte Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) in der Stadtratssitzung im Juli persönlich dafür verantwortlich gemacht, „dass man bei den maroden Meierhofer-Häusern keinen Millimeter vorankommt“.

Der reine Kauf einer Immobilie löst das Leerstandsproblem nicht, steht für Stadtmanagerin Natalie Schmiede fest. Er gebe nur „vereinfachte“ Handlungsmöglichkeiten hinsichtlich beispielsweise der Mietpreise oder der Gestaltung. Das Ziel müsse es ihrer Meinung nach sein, eine frequenzbringende Nutzungsmischung anzustreben. Das Stichwort sei Relokalisierung. Dabei gehe es darum, Handwerk, Manufakturen, Wohnen, kleine Geschäfte und Kulturangebote zurück in die Innenstädte zu bringen.

Schon länger gibt es den Willen, die Friedrich-Ebert-Straße als Fußgängerzone auszuweisen. „Man wollte mit der Umsetzung warten, bis die Hauptbaustellen in der Innenstadt abgeschlossen sind“, teilt die Pressesprecherin mit und ergänzt: „Danach sind bei dem Umsetzungsprozess die Händler einzubeziehen, um gemeinsam eine gute Lösung zu finden.“

Weitere Infos zu Handel im Wandel

Schließungen: Im vorigen Herbst hatte das Tascheneck in der Friedrich-Ebert-Straße 1 geschlossen. Heuer machte auch der bulgarische Lebensmittelladen Sofia in der Nummer25 dicht.

Eröffnungen: Anfang 2023 hat in der Nummer 43 das Café „Izzy to go“ eröffnet. Neu ist auch der Djuletta Aesthetic Room in der Nummer 23. In diesem Frühjahr eröffnete in der Friedrich-Ebert-Straße 15 Leder-Streck.

„Schritt genau überlegen:“ Ein Kommentar zum Thema von unserem Autoren Jan Lange

Wer morgens, am späteren Nachmittag oder auch am Samstag die Friedrich-Ebert-Straße entlangschlendert, der wird sicher schon mal die Autokolonnen gesehen haben, die sich durch die Schwandorfer Innenstadt quälen. Angesichts dieser Blechlawinen wünscht man sich durchaus eine Verkehrsberuhigung.

Dem kommen die Überlegungen entgegen, die Einkaufsmeile zur Fußgängerzone zu erklären. Doch die Idee ist nicht unumstritten. Kritiker bemängeln, dass auch überlegt werden muss, wo die Autos stattdessen langfahren. Ein diesbezügliches Konzept ist derzeit noch nicht erkennbar. Zudem verweisen sie darauf, dass Fußgängerzonen in anderen Städten nicht wirklich zur Belebung des Handels beigetragen haben und führen Beispiele wie Regensburg oder Amberg an. Von kommunalen Politikern ist sogar zu hören, dass Fußgängerzonen in Städten in der Größe wie Schwandorf nicht mehr gehen. Dem wird sicher der eine oder andere Händler zustimmen, der seinen Umsatz schwinden sieht, wenn der komplette Autoverkehr aus der Friedrich-Ebert-Straße verbannt wird.

Die Stadt sollte sich den Schritt genau überlegen. Noch ist Schwandorfs Einkaufsmeile Nummer eins nicht tot. Das sollte auch in naher Zukunft nicht der Fall sein.

Die Meierhofer-Häuser stehen schon jahrelang leer. Die Stadt liegt mit dem Eigentümer deshalb im Clinch. Foto: Jan Lange
Die Firma Hautum betrieb bis 2006 ein Stoff- und Gardinengeschäft in der Friedrich-Ebert-Straße. Seit Jahren verfällt das Haus immer mehr. Foto: Jan Lange
Auch im Schuh-Löffel sind vor einigen Jahren die Lichter für immer ausgegangen. Foto: Jan Lange
Früher gab es in der Friedrich-Ebert-Straße 28B das Kindermodengeschäft Max & Moritz. Foto: Jan Lange