Landkreis Neumarkt braucht in 20 Jahren 5900 Seniorenwohnungen

Von Mittelbayerische Zeitung · 16. August 2023 um 15:00

Senioren im Landkreis Neumarkt stehen vor großen Problemen beim Wohnen, so warnt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), denn der Baby-Boomer-Generation drohe die „Graue Wohnungsnot“.

In zwanzig Jahren, so die IG BAU, werden im Landkreis Neumarkt rund 37300 Menschen zur Altersgruppe „67plus“ gehören – gut 12400 mehr als heute. Die Gewerkschaft befürchtet einen zunehmenden Mangel an altersgerechten Wohnungen und beruft sich dabei auf neueste Zahlen, die das Pestel-Institut bundesweit für Städte und Kreise ermittelt hat.

Die Wissenschaftler haben die Bevölkerungsentwicklung im Rahmen einer Studie zur künftigen Wohnsituation von Senioren für den Bundesverband des Deutschen Baustofffachhandels (BDB) untersucht.

„In den kommenden Jahren werden im Kreis Neumarkt immer mehr ältere Menschen eine barrierearme Wohnung brauchen – ohne Treppenstufen, dafür mit bodengleicher Dusche und genügend Platz für das Rangieren mit Rollator und Rollstuhl“, sagt der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG BAU Oberpfalz Manfred Götz. Nach Angaben des Pestel-Instituts benötigten bereits heute mehr als 4250 Haushalte im Kreis Neumarkt eine Seniorenwohnung, weil in ihnen Menschen im Rentenalter leben, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Schon jetzt herrscht ein Mangel

In zwanzig Jahren werden im Kreis Neumarkt nach Berechnungen der Wissenschaftler über 5900 Wohnungen gebraucht, in denen Menschen mit einem Rollator oder Rollstuhl klarkommen. „Damit herrscht auch jetzt schon ein massiver Mangel an Seniorenwohnungen. Und demnächst gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Dann steuern wir sehenden Auges auf eine ‚graue Wohnungsnot‘ zu“, so Götz . Neben dem Mangel an altersgerechten Wohnungen befürchtet die IG BAU auch eine zunehmende Altersarmut durchs Wohnen. So drohten bei der Boomer-Generation künftig zwei Dinge „fatal aufeinander zu treffen“: Erstens die Gefahr eines sinkenden Rentenniveaus. Und zweitens steigende Kosten fürs Wohnen. Mieter seien hier genauso betroffen wie Menschen mit Wohneigentum, wenn beim Einfamilienhaus oder bei der Eigentumswohnung Sanierungen fällig würden.

Um den Wohnungsmarkt für die kommende Rentnergeneration besser vorzubereiten, fordert die IG BAU die Schaffung von mehr preiswertem, vor allem aber auch altersgerechtem Wohnraum.

IG BAU fordert mehr Investitionen

Götz: „Es ist deutlich mehr Geld für den Neubau von Seniorenwohnungen, aber auch für die altersgerechte Sanierung bestehender Wohnungen erforderlich.“ Gefordert seien Kommunen, Land und Bund.

Zusätzlich schlägt die IG BAU eine Selbstverpflichtung für große Wohnungskonzerne vor. Wohnungsunternehmen sollten sich verpflichten, einen bestimmen Anteil freiwerdender Wohnungen altersgerecht umzubauen. Dieser sollte laut Götz bei mindestens 20 Prozent liegen.