Burg Wolfsegg: Hier wird das Mittelalter lebendig

Von Mittelbayerische Zeitung · 15. August 2023 um 05:00

Ausflugsziele im Landkreis – praktisch direkt vor der Haustür: Im dritten Teil unserer Serie mit Ausflugstipps für Familien rückt das Tourismusreferat des Landkreises die Burg Wolfsegg in den Mittelpunkt.

Die mittelalterliche Burg ist eine der am besten erhaltenen Burgen der Oberpfalz und eine Top-Sehenswürdigkeit der Region. In ihren Räumen beherbergt sie heute ein mit viel Liebe zum Detail gestaltetes Museum, das mit moderner Technik und lebensgroßen Nachbildungen der einstigen Burgbewohner das Leben auf einer Burg zeigt. Ein Erlebnis für Jung und Alt!

Malerisch thront die ehemalige Ministerialienburg mitten im Ort Wolfsegg, der etwas versteckt am Rande des Naabtals liegt. Im Mittelalter gab es mehr als 600 solcher Ministerialienburgen in der Oberpfalz. Heute sind nur noch wenige von ihnen erhalten. Vermutlich wurde der älteste Teil der Anlage um 1280 von Wolf von Schönleiten erbaut. Er war auch der Namensgeber der Burg und des Ortes. Später kam die Burg Wolfsegg an die Herren von Laaber. Nach deren Aussterben wechselte sie immer wieder die Besitzer und verfiel zunehmend. 1933 erwarb der Heimatpfleger Georg Rauchenberger die Burg und begann, sie wieder instand zu setzen. Ihm ist ein eigener Raum in der Burg gewidmet.

Burganlage in Wolfsegg wurde nie zerstört

Wegen ihrer geringen strategischen Bedeutung wurde die Burg Wolfsegg nie zerstört. So gewährt sie heute einen direkten Blick in das späte Mittelalter. Die liebevoll restaurierten Räume führen Besuchern die Vergangenheit eindrucksvoll vor Augen. Besonders der Rittersaal beeindruckt mit seinen kunstvollen Wandmalereien. Lebensgroße Nachbildungen der einstigen Burgbewohner – von der Küchenmagd bis zum Burgherrn – veranschaulichen den Alltag im Mittelalter. Moderne Hörstationen und Infotafeln verraten Wissenswertes darüber, was damals auf dem Speiseplan stand, und über vieles andere mehr.

Die Ausstellungsstücke reichen von alten Küchengeräten über Kleidung und Waffen bis hin zu Badeutensilien. Zusammen mit dem authentischen Mobiliar tragen sie dazu bei, die Zeit der Ritter und Burgfräulein zum Leben zu erwecken. Zusätzlich zeigt das integrierte Burgenzentrum Modelle anderer Burganlagen der Region und liefert Hintergrundwissen über deren Geschichte und Bedeutung. Besonders spannend wird es bei einer Burgführung. Der Burgenführer erklärt, was es mit noch gängigen Sprichwörtern wie „den Löffel abgeben“ auf sich hat und wie wertvoll ein simpler Holzlöffel früher war. Oder er erzählt von der Weißen Frau, die angeblich seit dem 15. Jahrhundert bis heute im Bereich der Burg spukt. Der Legende nach soll der Burgherr seine Ehefrau aus Eifersucht ermordet haben. Noch heute gibt es Augenzeugen, die beteuern, die Weiße Frau in Form eines Nebelschleiers gesehen zu haben.

Sicher ist, dass sich in dem Felsen, auf dem die Burg erbaut ist, eine weit verzweigte und bis zu 30 Meter tiefe Höhle befindet. Mit einer Länge von insgesamt 520 Metern zählt sie zu einem der wenigen Großhöhlensysteme in der Oberpfalz und reicht bis zum Grundwasser. Gut möglich, dass diese Tatsache bereits im Mittelalter bekannt war und ausschlaggebend bei der Standortwahl der Burg. Denn die Karsthochflächen des Bayerischen Jura sind bekannt für ihre Wasserknappheit. Um an das Grundwasser zu gelangen, müssen zwei Schächte mit insgesamt 25 Metern Tiefe überwunden werden.

Höhlentiere entdeckt - Winterquartier für Fledermäuse

Wohl deshalb ist im Burghof zusätzlich eine Zisterne errichtet worden, die Regenwasser auffängt. Talglampen und andere Funde deuten darauf hin, dass die Höhle bereits im Mittelalter bekannt war. Bei Höhlenexpeditionen wurden Funde von außergewöhnlichen Höhlentieren dokumentiert. Es konnte sogar das Skelett eines Bären rekonstruiert werden. Er war in grauer Vorzeit vermutlich in der Höhle in die Tiefe gestürzt. Heute nutzen vor allem verschiedene Fledermausarten die Höhle als Winterquartier.

Wer die Schönheit der Natur rund um Wolfsegg genießen will, wandert auf der Wolfsfährte zur Weißen Frau zur Burg. Auf dem Schlaufenweg des Weitwanderwegs Jurasteig eröffnen sich herrliche Blicke auf die Burganlage. Die Rundtour startet in Pielenhofen im Naabtal und ist insgesamt etwas über neun Kilometer lang. Über den Burgensteig im Naabtal ist die Burg ebenfalls erreichbar.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Öffnungszeiten: 1. Mai bis 3. Oktober an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 16 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene: 4 Euro (ermäßigt: 3 Euro); Kinder (bis 14 Jahre): 2 Euro; Familien 10 Euro

Bitte beachten: Die Burg ist nicht barrierefrei und für Personen mit Gehbehinderung nur sehr eingeschränkt zugänglich.

• Die MZ präsentiert in den Sommerferien in loser Folge Ausflugstipps im Landkreis. Die Tipps stammen vom Tourismusbüro des Landkreises. Infos gibt es unter der Adresse: landkreis-regensburg.de/Freizeit und unter der Rubrik Tourismus/Prospekte bestellen.

Die Burg im Abendlicht. Foto: Stefan Gruber
Blick ins Burgmuseum. Foto: Stefan Hanke
Mächtige Mauern erheben sich über dem Dorf. Foto: C. Bubb