Ein Monat nach Stadtspaziergang in Bad Kötzting: Wie lautet der Auftrag für die Gestaltungsfibel?

Von Stefan Weber · 15. August 2023 um 05:00

Die Innenstadt erlebt gerade sehr viel Aufmerksamkeit – sei es mit Blick auf die Leerstände, vor allem im gewerblichen Bereich – aber auch hinsichtlich darauf, wie sie künftig aussehen soll. Zu letzterem Punkt gab es vor einem Monat einen Stadtspaziergang, über den sich der Arbeitskreis auch schon so seine Gedanken gemacht hat.

Der traf sich nämlich schon bald nach dem Treffen mit allen Bürgern zu einem internen Austausch im Rathaus. Was dabei herausgekommen ist, das erklärt Bürgermeister Markus Hofmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Architekten vor Ort sind bei den Sitzungen eingeladen, Stadträte und Fachleute des Bauamtes. Nach dem gemeinsamen Überblick habe das Thema gelautet: „Worum soll es gehen?“

Wie „scharf“ soll es werden?

Die entscheidende Frage, dann davon werde es abhängen, „wie scharf eine Satzung geschaltet werden soll“, wie es der Bürgermeister formuliert. Nach Gesprächen mit der verantwortlichen Architektin Barbara Wilnhammer vom beauftragten Büro Wild&Wilnhammer in Furth im Wald sei schon einmal klar, dass eine Satzung zwei Teile haben werde: Einen, der „festsetzt“ und einen Fibel-Teil.

Das hört sich auf den ersten Blick noch etwas kompliziert an, darum gibt er ein Beispiel: Fassaden würden sicher ein Unterpunkt sein. Sollen bodentiefe Fenster erlaubt sein oder nicht, wenn neu gebaut werde? Das könne man regeln – nicht aber zum Beispiel, welche Farbe ein Haus bekommen soll.

Die beiden Teile der Satzung

In einen „Gesetzesteil“ werde wohl auch mit aufgenommen werden, was im Falle eines Abrisses zu passieren habe. Soll es dann einen Bauzwang geben? – Und was könnte der noch beinhalten? Muss ein Neubau die Grenzen des Vorgänger-Gebäudes einhalten, und wie hoch soll gebaut werden dürfen? Alles Punkte, die in einem historisch gewachsenen Ortskern wie es in Bad Kötzting der Fall ist, bislang noch gar nicht geregelt ist. Hier gilt bislang das „Einfügegebot“, das in den vergangenen Jahren bei geplanten Projekten in der Marktstraße schon sehr heiß diskutiert worden war. Der Fibel-Teil wiederum werde dann Vorschläge unterbreiten, wenn es eben um Dinge wie Farbgestaltung gehen soll – eine Palette an Farben, die Eigentümern angeboten werden soll, die zwar nicht verpflichtend sind wird, die aber durch finanzielle Unterstützung Anreize liefern soll; Ähnlich also dem Konzept, das die Stadt mit ihrem eigenen Fassadenprogramm bereits seit vielen Jahren verfolgt. Ein wichtiger weiterer Punkt werde ein Sanierungsprogramm, bei dem Maßnahmen bis zu einem bestimmten Betrag – vorstellbar etwa 100 000 Euro – im Verhältnis 60:40 gefördert werden könnten.

Das alles seien Punkte auf die sich der Arbeitskreis bereits habe verständigen können und die Wilnhammer mit auf den Weg gegeben worden seien. Zeitlich liege der Ansatz für eine Gestaltungssatzung zwar erst Mitte kommenden Jahres, erste konkrete Vorschläge wolle die Architektin aber schon im Herbst vorlegen. Dann könne der Stadtrat erstmals bereits bei seiner Klausurtagung im Oktober darüber diskutieren, damit die Bürger im Januar öffentlich darüber informiert werden können und im Frühjahr das Konzept verabschiedet und an die notwendigen Fachstellen weitergeleitet werden könne. Dann wissen auch die Besitzer, was „Gestalten und nicht verhindern“ konkret bedeuten soll in der Innenstadt, zumindest baulich – die Nutzung steht dann auf einem anderen Blatt.

Die Innenstadt auf einen Blick: Historisch gewachsen und durch Vorgaben im Moment kaum reglementiert – das soll sich in den nächsten Monaten ändern. Foto: S. Weber