Hemau ist „fast“ auf Kurs, doch es gibt auch Kritik aus den Fraktionen

Klimaschutz, Kinderbetreuung, Baugebiet: Es waren spannende Themen, mit denen sich der Hemauer Stadtrat in der ersten Jahreshälfte beschäftigt hat.
Auch Mammutprojekte, wie die Sanierung von Feuerwehrhaus und Mittelschule, müssen die Kommunalpolitiker stets im Hinterkopf haben. Zur Sommerpause haben wir die Fraktionssprecher nach ihrer Zwischenbilanz für das Jahr 2023 gefragt.
Florian Meyer (CSU) stört die Bürokratie bei der Schulsanierung
Insgesamt ist Florian Meyer, der Fraktionschef der CSU, der Meinung, dass der Stadtrat mit seiner Arbeit zufrieden sein kann. Ein Thema stößt ihm aber sauer auf: die Sanierung der Mittelschule. Hier ärgert er sich vor allem über den hohen bürokratischen Aufwand. Laut Gesetz muss die Stadt europaweit nach einem Architekten suchen. Vorher kann mit den Planungen nicht begonnen werden. Dieses Vorgehen sei bereits im Februar 2022 beschlossen worden. „Und noch immer gibt es keinen Architekten. Wir biegen zwar auf die Zielgerade ein, aber insgesamt dauert das viel zu lange“, kritisiert Meyer. Erfreut zeigt er sich hingegen über den Haushalt. „Wir haben realistisch geplant.“ Florian Meyer merkt an, dass die Stadt nicht mit Geld gesegnet sei. „Aber in der öffentlichen Wahrnehmung wirkt das anders“, freut er sich. Ein Anliegen ist dem CSU-Fraktionschef zudem ein gesundes Wachstum. „Darum bin ich zufrieden, dass wir mit dem Sixenfeld wieder eine Entwicklungsfläche im Bereich Wohnen haben“, sagt er. Als Vorstand der SG Hohenschambach freut er sich, dass es bei den Sportstätten des Vereins bald ein Regenrückhaltebecken geben soll. denn die Sportanlage war bereits von Hochwasser betroffen.
Christine Lammert (FW) fordert mehr Tempo beim Feuerwehrhaus
Die Fraktionschefin der Freien Wähler, Christine Lammert, wertet vor allem den neuen Radweg bei Langenkreith als Erfolg. Denn das Projekt stammt aus einer Initiative der Freien Wähler. „Es ist schön zu sehen, dass etwas funktioniert, wenn man es anstößt“, sagt sie. Ebenso freut sie sich, dass es in der Riedenburger Straße nun einen barrierefreien Pflasterstreifen gibt, der für Rollatoren oder Rollstühle geeignet ist. Zudem lobt sie den neuen Rufbus-Service Elma. „Das läuft gut. Jetzt liegt es aber an den Leuten, ihn auch zu nutzen.“ Nicht zufrieden zeigt sich Christine Lammert allerdings mit dem aktuellen Stand bei der Sanierung des Feuerwehrhauses. „Wir sind so verblieben, dass es eine fundierte Planung geben soll, bei der alle Beteiligten aktiv mitgenommen werden. Aber das läuft sehr schleppend“, moniert sie. Für die nächste Zeit ist Lammert außerdem wichtig, etwas Gemeinsames für Jung und Alt zu schaffen. „Eventuell wäre eine Begegnungsfläche für alle Generationen eine Idee“, sagt sie. Voraussetzung sei aber, dass es Impulse von den Bürgern gebe. „Sowas funktioniert nur, wenn die Leute mitgestalten. Jeder Einzelne ist gefragt.“
Petra Lutz (SPD) ist enttäuscht vom Windkraft-Beschluss im Stadtrat
Aus Sicht der SPD-Fraktionschefin Petra Lutz hat Hemau bereits eine Chance verspielt. Im Februar beschloss der Stadtrat, maximal 2,5 Prozent der Gemeindefläche für Windräder auszuweisen. Lutz ist das zu wenig. „Als flächengrößte Gemeinde hätten wir Vorreiter im Landkreis werden können“, kritisiert sie. Zudem hätte man den Leuten Angst vor der Energiewende nehmen können. „Leider wurden wir von der CSU-Mehrheit überstimmt. Das hat mich sehr enttäuscht.“ Bei den Anwesen „Grunwald“ und „Bleicher“ vermisst sie ebenfalls Fortschritte. Zufrieden ist Lutz hingegen mit dem Stand beim „Sixenfeld“ und beim Radwegebau. Auch bei den Plänen für das Kinderhaus hinter der Friedenskirche und für die Schulsanierung sieht sie die Stadt auf Kurs. „Es ist mir wichtig, für Kinder etwas Zukunftsweisendes zu planen.“ Ein Anliegen ist Lutz zudem, Hemau als „Stadt mit Herz“ zu präsentieren. So dürfe es nicht passieren, dass irgendwann keine ausreichende ärztliche Versorgung mehr angeboten werden kann. „Hier brauchen wir früh eine Zusammenarbeit mit allen.“ Ebenso will sie die Barrierefreiheit ausbauen. „Wer glaubt, mit dem Pflaster in der Riedenburger Straße viel erreicht zu haben, liegt falsch.“
Peter Ostenrieder (Grüne) will Natur im neuen Baugebiet „Sixenfeld“
Das Baugebiet „Sixenfeld“ ist aus Sicht von Grünen-Stadtrat Peter Ostenrieder eines der wichtigsten Projekte. Dabei will er sicherstellen, dass ausreichend auf Umweltschutz geachtet wird. „Wir brauchen unbedingt genug Grünflächen. Das sollte uns auch der höhere Pflegeaufwand wert sein“, fordert er. Außerdem lobt er, dass im Baugebiet das Regenwasser systematisch gesammelt werden soll. Trotz der intensiven Planungen beim Sixenfeld mahnt Peter Ostenrieder aber auch, das Bleicher-Anwesen nicht außer Acht zu lassen. „Die Flächen dort könnte man gut nutzen. Darum sollte sich die Stadt kümmern.“