Aus dem Weißen Brauhaus in Neunburg kommt nicht nur Bier – Jetzt gibt es auch Liköre und Essig

Schon vor zwei Jahren spielten Matthias und Melanie Meier mit dem Gedanken, im Weißen Brauhaus auch Liköre und Essig herzustellen. Jetzt ist es soweit.
Mit der Schließung des Feinkostladens „Zum Schütz“ in der Neunburger Altstadt endete auch die Produktion des bekannten Likörs „Hussitenblut“. Doch die Verpächterin des Ladens am Schrannenplatz und Herrin der Likör- und Essig-Rezepte, Paula Schütz, verfolgte damals noch andere Pläne: Sie hoffte, die Räumlichkeiten wieder vermieten zu können.
Daraus wurde jedoch nichts. Und die heute 79-Jährige erinnerte sich an die jungen Leute, die Interesse an der Likör- und Essigproduktion hatten. „Sie rief uns heuer an, ob wir noch interessiert seien“, berichtet Matthias Meier. Er und seine Frau hatten natürlich noch Interesse. „Es wäre eine Super-Ergänzung zu unserem Bier“, so der 30-Jährige.
In der Folge ging dann alles sehr schnell. Paula Schütz war sich mit den Meiers rasch einig – und so werden der Kirsch-Wildfruchtlikör „Hussitenblut“, der Kümmellikör „Hussitenkümmel“ und Hösl’s Speise-Essig nun im Weißen Brauhaus produziert und abgefüllt.
Mehr als 160 Jahre Speiseessig-Tradition übernehmen die Meiers jetzt
Die Namen behielten Matthias und Melanie Meier bei. Das sei für sie auch nie infrage gekommen. „Warum sollten wir etwas ändern, was seit Jahrzehnten bekannt ist“, meint Melanie Meier. Der Speise-Essig kann immerhin auf eine mehr als 160-jährige Tradition zurückblicken. Seit 1860 wurde er in dem Laden am Schrannenplatz hergestellt. 1867 kam die Produktion von Branntwein und Likör hinzu. In Hochzeiten gab es dort bis zu 34 verschiedene Likör- und Essigsorten. Bianca und Markus Klier hatten in ihrem Spirituosengeschäft „Zum Schütz“ zuletzt noch zehn Sorten produziert.
Die Meiers starten im Weißen Brauhaus erst einmal mit drei Sorten. Es handelt sich dabei um die drei Klassiker. Aber sie sind offen dafür, das Angebot später noch zu erweitern. Der Betrieb soll sich aber erst einspielen und sie wollen auch schauen, wie die Kunden reagieren.
Beim Kauf des Weißen Brauhauses war Bier kein Thema – jetzt wird das Helle auf dem Altstadtfest ausgeschenkt
Die Produktion ist vom Schrannenplatz an die Bachgasse umgezogen. Dort brauen die Meiers seit gut drei Jahren bereits Bier. Beim Kauf spielte die Herstellung alkoholischer Getränke allerdings noch keine Rolle. Der Hauptgrund sei gewesen, den dazugehörigen Weißbier-Keller aufleben zu lassen, erzählt Matthias Meier.
Bis jetzt ist das noch nicht gelungen, dafür wurde aber die Brauerei reaktiviert. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk gab dafür den Anstoß: Der heute 30-Jährige bekam einen Gutschein für den Kurs „Brauen mit haushaltsüblichen Geräten“ bei der MZ Regensburg. Er und seine Frau fanden so viel Gefallen am Brauen, dass sie hobbymäßig damit anfingen.
Beim Neunburger Altstadtfest, das vom 18. bis 20. August stattfindet, wird ihr Helles im Burghof ausgeschenkt. Deshalb sind sie derzeit fleißig am Brauen. „Wann immer Luft ist, wird produziert und abgefüllt“, sagt Matthias Meier.
Für ihn und seine Frau bleibt es erst mal ein Nebenerwerb. Der 30-Jährige ist eigentlich Chef eines Sicherheitsdienstes, seine ein Jahr ältere Frau arbeitet im Hauptberuf als Journalistin. Daran ändert auch die Erweiterung des Sortiments um Liköre und Essig nichts.
Abgefüllt wird der Essig in Flasche oder Kanister, die Schnäpse gibt es in 0,7-Liter-Flaschen
Die Gerätschaften für die Likör- und Essigproduktion haben sie von den vorherigen Produzenten übernommen. Das Etikett wurde aber ein bisschen verändert und auch die Flaschenform ist eine andere.
Die Verantwortlichen im Landratsamt seien von Anfang an in die Pläne eingebunden worden. Sie gaben den Meiers auch hilfreiche Tipps für die Umsetzung. Inzwischen liegen alle Genehmigungen vor und die Produktion der Liköre und des Essigs konnte starten. Die Meiers sind damit die siebten Produzenten der Neunburger Liköre und Essige. Den Anfang machte 1860 Martin Lamberger.
Abgefüllt ist der Speise-Essig in einer Ein-Liter-Flasche, alternativ auch im Fünf- oder Zehn-Liter-Kanister. Die beiden Liköre gibt es in der 0,7-Liter-Flasche. „Es ist die gängigste Größe, ein Liter wäre zu viel, ein halber Liter zu wenig“, meint Matthias Meier. Sie überlegen, zusätzlich vielleicht auch eine 0,5-Liter-Flasche anzubieten – speziell für Geschenkkörbe. Das sei aber alles Zukunftsmusik.
Die aktuellen Sorten können Kunden Freitagnachmittag direkt am Brauhaus erwerben. Darüber hinaus werden sie im Regionalmarkt Neunburg und in der Metzgerei Scheitinger angeboten. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass später noch weitere Verkaufsstellen hinzukommen“, meint Melanie Meier. Auch ein eigener Verkaufsraum im Brauhaus sei diesbezüglich angedacht. Das alles lasse sich aber nur Schritt für Schritt umsetzen.
Die Geschichte der Schnäpse und Essige
Ursprung: 1860 erhält Martin Lamberger die Gewerbekonzession zum Essigsieden. Ab 1867 stellt er auch Branntwein und Likör her.
Nachfolger: Felix Pichler erwirbt 1881 das Gewerbe. Auf ihn folgt 1890 der Büttner Wolfgang Schaller aus München.
Hösl-Schnaps: 1905 heiratet die Schaller-Erbin Anna Bräu den Brauer Georg Hösl. Erbe des Geschäftes wird 1964 dessen Enkel Hans Schütz (1940 bis 2003). Nach seinem Tod setzt die Witwe Paula Schütz die Tradition bis 2011 fort. Danach wird das Gewerbe an Bianca und Markus Klier verpachtet, die es bis Ende 2021 betreiben.
