In Regensburg: Applaus und Rosen für Ausnahmekünstlerinnen

Von Peter Geiger · 7. August 2023 um 20:00

Auch wenn Sarah Straub und Die Nowak beim Palazzo-Festival einen fantastischen Konzertabend lang ihre Unterschiedlichkeit hinausposaunen: Am Ende verwischen alle Differenzen.

Auch wenn die beiden Sängerinnen einen fantastischen Konzertabend lang ihre Unterschiedlichkeit hinausposaunen, in die spätsommerlich anmutende Kühle: Am Ende, wenn sich die wie ein Goldene-Zwanziger-Vamp gekleidete Nowak und die ein grünes Hosenkleid tragende Sarah Straub für die gemeinsame Zugabe auf „Delmenhorst“ geeinigt haben und ihre jeweiligen Strophen münden lassen in ein „Sag Bescheid, wenn Du mich liebst“, dann verwischen alle Differenzen sogleich. Und man möchte meinen, die Nowak und Sarah Straub, sie wären siamesische Zwillinge, wie sie da singend Rücken an Rücken sitzen, auf ihren Klavierschemeln.

Denn der Background, aus dem der jeweilige Impuls für ihre Künstlerinnenschaft resultiert, dürfte gar nicht so unterschiedlich sein: Ist es bei Sarah Straub die lebende Legende Konstantin Wecker, die Pate steht, gleichermaßen dafür, wie sie in die Tasten des Flügels greift als auch für ihr engagiertes Textprogramm, so verhält es sich bei der Nowak anders: Und zwar komödiantischer und damit anarchischer. Am Ende aber sind’s bei ihr auch große Klavierunterhalter wie Georg Kreisler oder Interpretinnen wie Hildegard Knef, die ihren anspielungsreichen Stil ausmachen. Der Hauptunterschied liegt im Rollenverständnis: Sarah Straub, sie sitzt als authentischer Mensch auf der Bühne und wird zudem vom handwerklich perfekten Gitarristen Andreas Ferra begleitet. Und immer, wenn sie bei ihren Ansagen etwas mitzuteilen hat, was ihr als Herzensbotschaft wichtig ist, dann kippt die aus Lauingen Gebürtige raus aus dem ansonsten so klaren Hochdeutsch, und füllt ihren Mundklangraum mit Dialekt, als wären’s original schwäbische Maultaschen, sodass sie die Nowak etwa mit einem „weil sie bsonderrrrs isch“ lobt.

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Auch beruflich beschäftigt sich die promovierte Psychologin, die ihr Diplom in Regensburg abgelegt hat und jetzt an der Universität Ulm tätig ist, damit, Angehörigen von Demenzkranken ihren Alltag zu erleichtern. Diesen Erfahrungsschatz verarbeitet sie auch künstlerisch – weshalb sie den grandiosen Titel „Schwalben“ gemeinsam mit dem schon genannten Konstantin Wecker als Single aufgenommen hat. Hier, auf der Bühne in Regensburg, hier singt Sarah Straub mit klarer, fester Stimme und präsentiert sich durchwegs von einer sagenhaft menschlichen und zugewandten Seite.

Was man von der misanthropisch gestimmten Nowak, die nach der Pause die Bühne betritt, so nicht vordergründig betrachtet behaupten kann. Aber Rebekka Maier, die in Sinzing als Kindergärtnerin arbeitet und auch dort lebt, sie schlüpft ja nur in diese provokative Pose. So, wie sie mondäne Kleider überzieht oder den Turban trägt – sodass sie gänzlich gehüllt ist in eine Aura der Unangreifbarkeit. Ihre Songs – auf ihrem tollen Album „Steinige Grüße von der grenzenlosen Wiese“ sind sie in Bandstärke interpretiert – sind allesamt große Hymnen, einstimmige Choräle, die sie laut und kräftig anstimmt, gegen Untugenden wie Dummheit oder Achtlosigkeit. Etwa, wenn sie gegen Schottergärten ansingt und damit Diversität und Artenvielfalt das Wort redet. Oder gegen jenen Wahn, Kleinkinder schon in chinesisch sprechende Wollmilchferkel zu verwandeln. So dass am Ende beide, die Nowak wie Sarah Straub, mit dem eingangs noch scherzhaft eingeforderten „Palazzo-Applaus“ (euphorisch, langanhaltend und von stehenden Ovationen begleitet) und Rosensträußen aus der Hand des glücklichen Veranstalters Alex Bolland verabschiedet werden. Weil sie diesen zugigen Innenhof verwandelt haben in einen von Herzblut durchfluteten Ort menschlicher Wärme.