Die Premiere des Further Drachenstichs 2023 konnte auf ganzer Linie überzeugen

Der Drachenstich ist weit mehr als ein Schauspiel. Er ist Further Identität, er bedient sich historischer Fakten, erlaubt sich dramaturgische Freiheiten. Von der diesjährigen Premierenaufführung am Freitag bleiben vor allem zwei Eindrücke zurück.
Das Stück 2023 ist perfekt inszeniert und alle Spieler strahlen in ihren Rollen.
Wenn sich zu Beginn der Aufführung die Tore des Schlosses öffnen, Reiter hindurchpreschen und schwere Wagen mit brüllenden Kriegern den Boden zum Beben bringen, dann ist das unerwartet und spektakulär, zieht den Betrachter sofort hinein in die Wirren eines unheilvollen Krieges, der den schrecklichen Drachen zum Leben erwecken wird.
Further Drachenstich: Von Tyrannen und Drachen
Das Stück handelt am zweiten Sonntag im August des Jahres 1431 und ist trotzdem beängstigend aktuell. Krieg, der heute nur mit anderen Waffen geführt wird, war schon immer Verursacher von Elend, Tod, Vertreibung und Terror gegenüber den Schwachen. Damals wie heute. Das wird deutlich, wenn die Ritterin das flüchtende Volk vor den Zweiflern in den eigenen Reihen mit den berühmten Worten der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel „Wir schaffen das“ ins Schloss einlässt. Wenn dann eine Drachenprophetin in der Szene, als Udo zum Ritter geschlagen wird, auf ukrainisch Frieden für das Land wünscht, dann vermittelt das auch die sich immer wiederholenden Gräuel des Krieges.
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Die mögliche Lösung, wie ein feuerspeiender Drache oder Tyrannen für immer gebannt bleiben, liefert Regisseur Alexander Etzel-Ragusa auch: Gott hat mit dem Judentum, dem Christentum und dem Islam drei Religionen geschaffen und möchte, dass sie im Wettstreit darum stehen, welche die mildtätigste ist.
Aber auch, ohne in die Symbolik des Stückes einzutauchen, kann man es von der ersten bis zur letzten Minute als einzigartiges Schauspiel genießen. Dafür sorgen neben einer beeindruckenden Kulisse und hervorragenden Requisiten die tadellosen, schauspielerischen Leistungen, die bis in die kleinste Rolle zu loben sind. Wenn sich die Menschen der Vorzeit einen ersten tödlichen Krieg um das zuvor vom einstmals guten Drachen gespendete Feuer liefern, dann ist das eindrucksvoll. Wenn Kinder ihren eigenen kleinen Drachenstich nachspielen und der wackere Ritter vor dem Kuss der Ritterin zu fliehen sucht, sorgt das für erste Lacher. Der Lohn für überzeugende Darstellung. Gleicher Lohn für Mario Kiefl und Alexander Späth, die erstmals in die Rolle des Hans Neußl schlüpften und darin aufgegangen sind. Das Volk, die Kirchhofschützen und die vielen anderen der rund 250 Darsteller, sie alle hätten eine Erwähnung verdient. Mit ihren schauspielerischen Leistungen ermöglichten sie es den Hauptdarstellern, zu glänzen. Ulrich Jakob, der einen arroganten, überheblichen aber letztlich schwachen und verzweifelt verliebten Peter von Chamerau in Szene setzt, Klaus Gevatter (Erasmus von Sattelbogen), Helmut Maier (Pater Willibald), Alois Bohmann (Jan), Ernst Beitlich (Kardinal), Markus Späth (Johannes von Ragusa) und viele mehr, sie alle haben Extrapplaus verdient. Hut ab!
Rebecca Bauer und Alexander Pongratz: Das glanzvolle Ritterpaar
Bleiben die Hauptpersonen des Stücks: Rebecca Bauer als Schlossherrin zu Furth und Alexander Pongratz als unerschrockener Ritter Udo. Rebecca Bauer spielt mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und Natürlichkeit, man nimmt ihr jedes Wort ab, das sie sagt. Auch in verzweifelten Momenten, wenn sie beispielsweise mit den Engeln des Todes ringt. ist sie ganz bei sich. Das sieht nicht einstudiert aus, sondern so, als durchlebe sie jede einzelne Szene.
Nicht anders ergeht es dem Zuschauer mit Alexander Pongratz. Er verkörpert den unerschrockenen Lehensmann, späteren Ritter und jugendlichen Liebhaber in überzeugender Manier. Der Mut und das reiterische Geschick, gegen den Drachen zu reiten, das Pferd zu beherrschen und mit schlafwandlerischer Sicherheit den Speer im Maul des Ungetüms zu versenken, fordern dem Zuschauer Respekt ab und lösen Begeisterungsstürme beim Publikum aus.
Bravo allen Protagonisten vor und hinter der Bühne, die den Drachenstich 2023 zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

