Dieselskandal: Regensburger Autozulieferer Vitesco zieht Konsequenzen

Von Bernhard Fleischmann · 3. August 2023 um 05:00

Der Dieselskandal verfolgt die Automobilzulieferer Continental und Vitesco hartnäckig. Nun haben interne Untersuchungen offenbar zu personellen Konsequenzen bei der Regensburger Vitesco geführt.

Der Dieselskandal verfolgt die Automobilzulieferer Continental und Vitesco hartnäckig. Nun haben interne Untersuchungen offenbar zu personellen Konsequenzen bei der Regensburger Vitesco geführt.

Bei einer Betriebsversammlung in den vergangenen Tagen habe die Unternehmensführung verkündet, dass sich Vitesco von Mitarbeitern getrennt habe. Darunter sollen sich, so Teilnehmer der Versammlung, hochrangige Ingenieure befinden. Eine Unternehmenssprecherin erklärte dazu auf Anfrage unserer Zeitung, das Unternehmen habe „arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen einzelne wenige Mitarbeitende“ eingeleitet. Ob diese arbeitsrechtlichen Maßnahmen auch Kündigungen beinhalten, dazu machte sie keine Angaben.

Vitesco hat selbst untersucht

Vitesco Technologies habe, so schickt die Sprecherin voraus, „auf eigene Veranlassung eine interne Untersuchung zur Emissionsthematik durchgeführt, um ein eigenes und vollständiges Bild zu den Sachverhalten zu erlangen“. Es seien unabhängige Anwaltskanzleien bei den Untersuchungen beteiligt worden. Dabei seien auch ausführliche Interviews mit „relevanten Personen“ geführt worden. Die Ergebnisse seien jetzt ausgewertet – und hätten zu den oben genannten Schritten geführt. „Zu weiteren Details wird sich Vitesco Technologies nicht äußern“, ließ die Sprecherin wissen. Eine nahezu gleichlautende Antwort gab der Betriebsratsvorsitzende Carsten Bruns.

Wie unsere Zeitung aus Kreisen erfuhr, die mit der Thematik direkt befasst sind, seien sowohl Abmahnungen ausgesprochen als auch Aufhebungsverträge angeboten worden. Bestätigt ist Letzteres von Vitesco aber nicht.

Zur Vorgeschichte: Vitesco ist nach der Abspaltung von Continental seit dem Frühjahr 2021 eigenständig. Der Geschäftsbereich, der an jenen Motoren gearbeitet hat, die von Volkswagen millionenfach manipuliert worden waren, ging bei der Abtrennung von Continental auf Vitesco über. Das Regensburger Unternehmen hat damit auch die Nachbeben an Bord. Die Justiz veranlasste mehrere Durchsuchungen auch in Regensburg. Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. 61 Personen wurden vor einem Jahr als tatverdächtig bezeichnet. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Hannover.

Sie ermittelt „gegen eine größere Zahl von Mitarbeitenden und Führungskräften vormals des Unternehmens Continental wegen Beihilfe zum Betrug“, hatte vor rund einem Jahr Staatsanwalt Oliver Eisenhauer erklärt.

Es geht um den Skandalmotor mit der Bezeichnung EA 189, weit überwiegend Vierzylinder mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum, aber auch Dreizylinder mit 1,2 Liter. Eine Motorsteuerung enthielt eine verbotene Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung. Die Software erkannte, wenn das Fahrzeug auf dem Prüfstand stand und verringerte dann den Abgasausstoß. Die Autos waren also in den Tests wesentlich sauberer als in der Praxis.

Während bei den in Nordamerika eingesetzten 2,0-Liter-Dieselmotoren Bosch-Technologie eingesetzt wurde, hat VW bei der kleineren 1,6-Liter-Variante auf Motorsteuerungen, Einspritzpumpen und Einspritzdüsen von Continental zurückgegriffen, so der Kenntnisstand.

Im Prinzip basiere die Software sogar noch auf der Entwicklung bei Siemens VDO, die vor langer Zeit von Continental übernommen worden war.

Streit mit Continental?

Berichten zufolge hatten die Ermittlungen und der Umgang mit Dieselgate im vergangenen Jahr zu einem Streit zwischen Continental und Vitesco geführt. Laut dem „Handelsblatt“ hatten die beiden Unternehmen vereinbart, dass Vitesco mögliche Geldbußen übernimmt. Das Unternehmen habe dafür 80 Millionen Euro zurückgestellt. Es zeichnete sich aber ab, dass dieser Betrag nicht reichen wird. Vitesco glaube, dass Conti frühzeitig von der Verwicklung eigener Mitarbeiter in den Skandal gewusst habe. Deshalb wolle Vitesco nicht die volle Summe selbst zahlen – deren Höhe noch nicht feststeht, schrieb die Wirtschaftszeitung. Vitesco hat nun selbst Ermittlungen veranlasst und nach dem Vorliegen der Ergebnisse Konsequenzen gezogen.