Johannes Bader hat die App Heyroom entwickelt – das kann sie

Von Marion Koller · 1. August 2023 um 12:30

Johannes Bader wohnt auch mit 32 noch gerne in einer Wohngemeinschaft. Aber nur mit den richtigen Leuten. Als vor zwei Jahren wieder einmal ein Freund die Münchner WG verließ und sich rund 300 Bewerber auf ein Online-Inserat meldeten, beschloss Bader, eine App zu entwickeln. Denn niemand wollte die zeitraubenden Auswahlgespräche führen, um einen Mitbewohner zu finden, der wirklich zur WG passt.

Herausgekommen ist die App Heyroom, die in München und seit Juli auch in Regensburg Wohngemeinschaften und Mieter zusammenbringt. Bei einer Handvoll Interessenten ist das in der Domstadt schon gelungen.

Heyroom kann man kostenlos im App Store herunterladen und sich registrieren. Suchende legen ein Profil an. „Was ist dein Vibe?“, heißt es dort. Vibe meint so viel wie Stimmung. Interessenten können kulturelle Interessen angeben, vom Konzert bis zum Computerspiel, verraten, ob sie lieber vegan essen, grillen oder den Lieferservice beauftragen. Musikrichtungen und Hobbys sind ebenfalls aufgelistet.

Nach Berlin gezogen

„Wir bringen Menschen zusammen, die sich sonst nie finden würden“, sagt Johannes Bader, ein Elektroniker und Techniker für Mechatronik. „Daraus können Freundschaften fürs Leben entstehen.“ Es gebe fast nichts Schlimmeres, als mit der falschen Person in den eigenen vier Wänden zu leben. „Den größten Vorteil bieten wir WGs, die ein Zimmer frei haben.“

Bader, ein gebürtiger Allgäuer, hat sechs Jahre in München gelebt und ist vor kurzem nach Berlin gezogen – wieder in eine WG. Für die meisten bayerischen Großstädte gibt es die App schon. In der Bundeshauptstadt soll sie ebenfalls bekannt werden. Wie schwierig der Regensburger WG-Markt ist, hat Johannes Bader erlebt, als sein Cousin Luis Beyrer (22) vom australischen Brisbane in die Domstadt wechselte, um als Werkstudent bei BMW anzufangen. Die Mieten sind hoch, das Angebot knapp.

Ein Zimmer kostet 440 Euro im Durchschnitt

Laut dem Berliner Moses Mendelssohn Institut (MMI) kosten WG-Zimmer in Regensburg im Sommersemester 2023 durchschnittlich 440 Euro, im letzten Wintersemester waren es 435 Euro. Im Sommersemester 2022 haben die Vermieter noch 400 Euro verlangt. Geschäftsführender Direktor Stefan Brauckmann vom MMI sagt: „In immer mehr Städten braucht es mittlerweile das volle Gehalt eines Minijobs, 520 Euro, um die Wohnkosten zu tragen.“

Die Energiekosten-Pauschale von 200 Euro habe daher bei vielen Studierenden nur einen sehr kurzfristigen Effekt. Das MMI untersucht Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die Immobilienmärkte.

Günstiger als ein WG-Platz sind die Wohnheime des Studentenwerks Niederbayern/Oberpfalz in Regensburg. Die Miete liegt bei durchschnittlich 274 Euro. „Wir stecken mitten in der Vermietungsphase für das Wintersemester“, sagt Sprecher Nicolas Müller. Zu haben sind derzeit nur zwei Familienapartments für Studierende mit Kind oder Paare. Müller sagt aber, es bestehe durchaus eine Chance, dass vor Semesterstart noch weitere Zimmer frei werden. Immerhin kommen beim Studentenwerk insgesamt 1700 Studierende unter. Nicolas Müller rät Abiturienten, sich auch ohne Zusage der Universität schon zu bewerben. Vergeben werden die Wohnheimzimmer nach sozialen Kriterien.

Auch für App-Entwickler Johannes Bader und seine Mitgründer steht der soziale Aspekt im Vordergrund. „Wir wollen die beste kostenlose App am Markt sein und bleiben“, sagt der 32-Jährige.

Was macht eine gute WG aus? „Eine gute WG ist, wo man miteinander kocht und isst“, sagt er. Eine Wohngemeinschaft funktioniere am besten, wenn jeder ein bisschen mehr mache, als er von den anderen erwartet. Bei Menschen, die sich gut verstehen, gelingt das natürlich viel besser.

Finanzierungsrunde geplant

Mit Premium-Angeboten will der Gründer, der vom Ersparten lebt, längerfristig durchaus Geld verdienen. „Wir haben nicht vor, heyroom als Immobilienplattform kaputtzumachen.“ Bader kann sich aber vorstellen, dass Nutzer dem Mitbewohner ihr Fitnessstudio empfehlen. Oder dass Heyroom darüber informiert, was es Neues in der Stadt gibt, etwa wenn ein Fahrradverleih startet, – und dafür eine gewisse Summe verlangt. Für Ende des Jahres ist eine Finanzierungsrunde mit Investoren geplant.