Buddeln für Erneuerbare Energie: Neue Stromautobahn kommt voran

Von Wolfgang Abeltshauser · 30. Juli 2023 um 15:00

Der Bagger bereitet den Arbeitsplatz für den Spezialpflug vor, der hinten schon bereit steht. Fotos: Wolfgang Abeltshauser

Immer mehr Photovoltaikanlagen produzieren immer mehr Strom. Und der muss abtransportiert werden. Ein wichtiges Projekt dafür in der Region ist auf einem guten Weg. Und es wird laut Expertenaussage nicht das letzte sein.

Seit April laufen die Vorarbeiten für eine unterirdische 110 Kilovolt-Leitung vom Umspannwerk Bachl auf Rohrer Gebiet zur Freileitung bei Reißing, die Sittling und Regensburg verbindet. „Es ist derzeit das größte Bauvorhaben von uns in ganz Niederbayern“, sagt Johanna Härtl, Pressereferentin Hochspannung beim Bauherren, der Bayernwerk Netz GmbH.

„Wir sind im Zeitplan“, betont Bauprojektleiter Bernd Igelbüscher bei einem Ortstermin auf der Baustelle. Das Ziel ist es, dass bis Ende 2023 durch die neue Leitung Strom fließt.

Rohre liegen entlang der Straße bereit

An verschiedenen Stellen der insgesamt sieben Kilometer langen Strecke wird gleichzeitig gearbeitet. Das bleibt niemanden verborgen, der zwischen Abensberg und Saal unterwegs ist. So liegen an der Staatsstraße Richtung Schambach auf mehreren hundert Metern rote Kunststoffrohre bereit. Sie sollen in den kommenden Wochen dort in die Erde kommen. Igelbüscher erklärt, dass diese Rohre wiederum jeweils drei Stromkabel fassen werden.

Die neue Stromleitung wird kein Ersatz für eine bestehende sein. Sie ist notwendig, um die mittlerweile vorhandenen Strommengen bewältigen zu können. Bereits 2021 lag laut Bayernwerk die Summe der erzeugten Leistungen von dezentralen Anlagen in den Gemeinden Saal, Hausen und Rohr über dem Stromverbrauch in diesen Kommunen. Die Dimension der neuen Leitung ist laut Bayernwerk-Pressesprecher Christian Martens darauf ausgerichtet.

Nicht eingerechnet seien da aber all die neuen Photovoltaikanlagen, die derzeit beantragt oder im Bau sind.

Die Arbeit geht nicht aus

Er geht davon aus, dass in Zukunft weitere Hochspannungsleitungen notwendig werden. Um mit so einer Leitung längere Strecken überbrücken zu können, sind verschiedene Bauverfahren notwendig.

Auf der aktuellen Baustelle werden die Kabel auf einer Strecke von vier Kilometern eingepflügt. Vor allem entlang der Staatsstraße Richtung Schambach und von dort weiter entlang von Flurwegen zur bestehenden Hochspannungsleitung wird so vorgegangen.

Dabei zieht eine Seilwinde den Pflug über die Trasse, der wiederum mit seinem Pflugschwert das Erdreich lockert. Gleichzeitig werden über Führungsschienen die Kabelrohre eingebracht. Zuvor trägt ein Bagger an der Stelle, an der der Pflug mit seiner Arbeit beginnen soll, die Erde ab. Das über zwei Meter hohe Pflugschwert wird dann in das so entstandene Loch eingeführt und die Arbeit beginnt.

Nicht überall kann der Pflug eingesetzt werden. Dort, wo andere Versorgungsleitungen im Boden liegen oder wenn eine Straße oder ein Teich unterquert werden muss, ist das übliche Verfahren die Spülbohrung. Etwa, um die Staatsstraße 2144 und die entlang der Straße angelegten Teiche zu unterqueren, hat sich Igelbüscher für diese Herangehensweise entschieden. Dabei müssten nach seinen Worten etwa 180 Meter überwunden werden.

Mehrere Tage für die Bohrung

Dabei bohrt das Spezialgerät erst einen relativ kleinen Kanal, der danach aufgeweitet wird, damit die Rohre Platz finden. Über den Bohrkopf wird mittels Düsen dabei ein Wasser-Bentonit-Gemisch ausgebracht, um den Bohrkanal zu stabilisieren und um zu verhindern, dass Wasser eindringt. Die Bohrung werde an dieser Stelle mehrere Tage dauern.

Bei kürzeren Kreuzungsstellen kommt manchmal auch das so genannte Pressbohrverfahren zur Anwendung. Gleich am Beginn der kommenden Kabelstrecke musste am Umspannwerk die Straße Richtung Bachl unterquert werden. Hier entschied sich Igelbüscher für dieses Verfahren. Diese Arbeiten sind schon erledigt. Dabei wurde ein Stahlrohr mittels Hydraulikpresse durch den Boden gerammt. Darin werden die Kabelrohre Platz finden.

Bevor all diese Verfahren zur Anwendung kamen, mussten Bagger auf der gesamten Strecken den Humus abtragen. Dabei waren laut Mertens auch Archäologen mit dabei und haben Funde gesichert.

Das Pflügen und Bohren wird laut Härtl noch zwei Wochen dauern. Dann werden die Kabel verlegt, die auf großen Spulen per Lkw geliefert werden. Die Kabelstücke sind bis zu 1200 Meter lang. Sie werden mittels Muffen auf der Baustelle verbunden. Für diese Arbeiten werden laut Härtl einzelne Kabelgräben offen bleiben und erst dann verfüllt, wenn die Kabel in den Rohren sind.

Der Bohrkopf für die Spühlbohrung unter der Staatsstraße ist angelegt. Foto: Abeltshauser
Bauprojektleiter Bernd Igelbüscher zeigt eine der Abdeckplatten, die über die Kabelrohre kommen. Foto: wo