Kolumne: Darf Finanzminister Lindner in die Suppe langen?

Corona hat uns nichts Gutes gebracht, außer vielleicht ein Positives: Die Bundesregierung senkte die Mehrwertsteuer auf Speisen im Gastro-Bereich von 19 auf sieben Prozent. Jetzt soll die Steuer wieder auf den alten Wert steigen. Ist Ihnen da auch schon der Appetit vergangen?
Das wäre hilfreich, denn wenn auf das Essen im Restaurant zwölf Prozent mehr Steuer kommt, dann müssen die Portionen schrumpfen oder die Preise steigen. Beides wäre natürlich sehr bedauerlich.
Man wüsste gar nicht, für was man sich dann entscheiden sollte. Als ein Mann, der in Büfetts Schneisen von beachtlichem Ausmaß schlagen kann, würde ich mich gegen eine Verkleinerung der Portionen entscheiden. Ich würde einfach nicht gerne zwölf Prozent von meinem Schnitzel an das Finanzministerium abgeben. Nein, auch vom Kartoffelsalat nicht. Die Zitronenscheibe, okay, die Zitronenscheibe könnte der Lindner haben. Und zwei, drei Salatblätter dazu, aber dann ist Schluss! Und bei den Knödeln und dem Schweinernen sage ich gleich Finger weg, da geht gar nichts! Knödel sind Herdentiere, ein Knödel sollte nie solo auf einem Teller liegen. Und wenn zwei Knödel drauf liegen, dann passen auch zwei Scheiben Braten dazu. Pasta! Äh – basta!
Jetzt reden wir aber von gepflegten Portionen aus der gut bürgerlichen Küche. Im Gourmetbereich wird sowieso schon reduziert. Zum Beispiel das gute Sößchen zur Essenz. Aber die Portionen sind ja eh so mickrig. Was will denn der Lindner von der einen kleinen Königskrabbe auf dem Riesenteller noch wegzwacken? Und in das leicht gelierte Holunderblütenchampagnersupperl mit Walderdbeeren fahrst auch nicht mitm Löffel nei, Herr Lindner, gell. Ginge bei mir auch gar nicht, weil ich lieber eine gepflegte Lebernockerlsuppe esse als ein Holunderblütenchampagnersupperl.
Söders dritter Knödel
Es sind schwere Befürchtungen, die einem jetzt schon auf den Magen schlagen. Das weiß unser Ministerpräsident und weil der auch weiß, dass im Herbst in Bayern Wahlen sind, hat er nun das Gegenprogramm gestartet und fordert gleich die komplette Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Ob Königskrabben Grundnahrungsmittel sind, ist nicht ganz klar. Aber der Kartoffelknödel schon. Und das Schweinerne auch, sagt der Ministerpräsident. Sogar der Fisch. Bis zu 8000 Euro könne sich so ein Vier-Personen-Haushalt im Jahr sparen, heißt es.
Ist schon ein Hund, der Söder. Da legt er uns praktisch noch einen dritten Knödel auf den Teller. Na gut, einen kleinen, aber immerhin. Das freut den bayerischen Wähler im Oktober. Danach aber nicht mehr, denn den dritten Knödel wird’s nicht geben, der würde an die zwölf Milliarden kosten. Das weiß auch der Markus Söder, der als Landesfürst aber locker fordern kann, was die Ampel in Berlin dann ablehnen muss. Die will, wenn überhaupt, nur gesunde Lebensmittel steuerfrei stellen. Zum Beispiel frisches Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte. Da weiß ich schon, was der Söder dann als nächstes fordern wird: Den Knödel zur Hülsenfrucht zu erklären.