Personalnot spitzt sich zu: 33 Demenzkranke müssen nach Pflegeheim-Aus umziehen

Im Marienheim in der Ostengasse leben 33 Senioren, die schwer an Demenz erkrankt sind. Sie werden von Pflegekräften rund um die Uhr umsorgt. Obwohl das Haus sehr wichtig ist, muss es die Caritas schließen. Denn die Situation spitzt sich zu: Allein in den 25 Häusern des Sozialverbands im Bistum Regensburg fehlen 150 Fachkräfte.
Im Marienheim in der Ostengasse leben 33 Senioren, die schwer an Demenz erkrankt sind. Sie werden von Pflegekräften rund um die Uhr umsorgt. Das Altstadthaus mit großem Garten, das früher ein Domizil für pensionierte Pfarrhaushälterinnen war, bietet den Bewohnern viel Platz – und Schutz. Die Türen sind stets verschlossen, weil manche Demenzkranke das Marienheim sonst immer wieder verlassen und in der Stadt herumirren würden.
Reine Demenz-Häuser wie dieses gibt es nur wenige. Doch die Caritas Wohnen und Pflege gGmbH hat am Donnerstag angekündigt, dass das Marienheim wegen des Fachkräftemangels Ende Januar 2024 geschlossen werden muss. Wie schwer das den Verantwortlichen fällt, wurde beim Pressegespräch klar: Man blickte in sehr ernste Gesichter.
Warum gerade dieses Haus? Für die Betreuung von schwer Demenzkranken braucht der Träger gerontopsychiatrische Fachkräfte. „Die sind am Arbeitsmarkt nicht mehr zu finden“, sagte Michael Weißmann, Caritasdirektor und Vertreter der Gesellschafterversammlung der Wohnen und Pflege. Nur wenige junge Leute entschieden sich für die Ausbildung. „Und gerontopsychiatrische Fachkräfte gehen lieber in den stationären Bereich einer Klinik als in die Altenpflege“, nennt Weißmann die wichtigsten Gründe.
Viele Kilometer unterwegs
Die Bewohner brauchen rund um die Uhr Aufmerksamkeit und eine qualitätvolle Betreuung. „Das müssen wir bieten. Man kann nicht warten, bis es eskaliert“, sagte Mechthild Hattemer, Chefin der Caritas Wohnen und Pflege. „Sie haben sehr eigenwillige Verhaltensweisen, sind zum Teil viele Kilometer im Haus unterwegs oder aggressiv.“
25 Alten- und Pflegeheime mit rund 1500 Beschäftigten betreibt die Caritas im Bistum Regensburg. Sprecher Harry Landauer zeigte das auf einer Karte. Wegen des Personalmangels kann der Sozialverband nur wenige Einrichtungen voll belegen. 150 Vollzeitpflegekräfte fehlen. Deshalb können 300 Altenheimplätze nicht vergeben werden. „Wir haben jeden Tag verzweifelte Angehörige am Telefon“, sagt Hattemer. Obwohl die Wohnen und Pflege gGmbH laufend ausbildet – zurzeit 85 Azubis – sei es unmöglich, die Fachkräfte zu bekommen.
Am Geld liege es inzwischen nicht mehr, stellten Robert Seitz, Leiter soziale Einrichtungen des Caritasverbands, und Personalchef Stefan Schmidberger fest. Eine Pflegekraft verdient nach fünf Jahren mit Zulagen 3350 Euro brutto. Gerontopsychiatrische Fachkräfte können mit 3700 Euro brutto rechnen. Eine Jahressonderzahlung und die betriebliche Zusatzversorgung kommen hinzu. Die Caritas-Gehälter sind an die Tarife des öffentlichen Dienstes angelehnt. Wegen der Engpässe müssen häufig Leiharbeitnehmer angeheuert werden, die laut Michael Weißmann bis zu 50 Prozent mehr verdienen.
Neid auf Leiharbeitskräfte
Das sei ein Grund für die Unzufriedenheit der Festangestellten. Auch Wochenendarbeit und psychische Belastung spielen eine Rolle.
Die Leiharbeitskräfte schreiben immer öfter die Arbeitszeiten vor: lieber an Werktagen zwischen acht und 16 Uhr als abends oder am Wochenende. Der Sozialverband ist jedoch auf sie angewiesen.
Am Mittwochabend wurden die Familien der Marienheim-Bewohner informiert. Alle Pflegebedürftigen können in andere Caritas-Häuser wechseln, zum Beispiel in das Elisabethinum im Inneren Osten oder in das Fritz-Gerlich-Haus im Stadtwesten. Die 32 Mitarbeitenden gehen mit.
Weiter fahren müssen künftig die Angehörigen der Bewohner, die immer wieder spontan das Haus verlassen würden. Die nächste Einrichtung mit einem „beschützenden Bereich“ liegt in Bruck im Landkreis Schwandorf. „Natürlich wäre der Wunsch gewesen, dass es so weitergeht“, sagt Mechthild Hattemer. Die Angehörigen hätten aber Verständnis, weil viele selbst gepflegt haben und die Situation kennen.
Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek will die Personalprobleme in der Pflege mit Springern entschärfen. Auch die Leiharbeit soll damit reduziert werden. Am Sonntag hat er in München ein Projekt zur Erprobung von Springer-Konzepten gestartet. Zunächst 20 Pflegeheime und zehn Pflegedienste beteiligen sich. 7,5 Millionen Euro fließen.

