Autofahrerin geblitzt: Warum Tempo-30 in Neumarkter Hans-Dehn-Straße?

Von Mittelbayerische Zeitung · 27. Juli 2023 um 05:00

Ein Bußgeldbescheid über fast 100 Euro: Da bleibt einem erst einmal die Spucke weg. Für eine Neumarkter Autofahrerin war das der Beginn von viel Grübelei: Warum herrscht überhaupt Tempo 30 in der Hans-Dehn-Straße? Wozu die „Schleicherei“?

Katrin Arnast ist geschockt. 98,50 Euro soll sie für eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 18 Stundenkilometer in der Hans-Dehn-Straße zahlen. Dass sie geblitzt wurde, hatte sie gar nicht bemerkt. Und warum da Tempo 30 vorgeschrieben ist, leuchtet ihr auch nicht ein. Schließlich sei da kein Kindergarten, keine Schule und kein Seniorenheim. „Das ist meiner Ansicht nach total unverhältnismäßig“, sagt die Autofahrerin, die nach eigener Auskunft eher zu den langsamen Fahrern gehört. Der Bußgeldbescheid wirft bei ihr Fragen auf.

Einmündung ist gefährlich

Dr. Franz Janka, Pressesprecher der Stadt, hat gleich mehrere Begründungen für das Tempo 30 zur Hand: „Es ist dort durch die anliegenden Firmen sehr viel Verkehr. Und die Einmündung in die Ingolstädter Straße direkt beim Bahnübergang ist gefährlich.“ Durch den Zugang zum Bahnhof gebe es auch viel Fußgängerverkehr.

Hermann Pfeifer, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Neumarkt, stimmt Janka zu. „Ich bin nicht pauschal für Tempo 30 in der Innenstadt, denn einige Straßen vertragen Tempo 50 und dadurch bleibt der Verkehr dynamisch.“ Für die Hans-Dehn-Straße aber sei Tempo 30 richtig, sagt der Experte. Der Bahnüberweg und die unübersichtliche Einmündungssituation in die Ingolstädter Straße, die vielen Verkehrsteilnehmer, die zahlreichen Pendler, die mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren, und schließlich die Zufahrt zur Müll-Umladestation — dies alles rechtfertige Tempo 30.

Es wird flott gefahren

„Ums Eck wird da relativ flott gefahren“, weiß Pfeifer. Das entspricht der Erfahrung des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz, der in der Hans-Dehn-Straße blitzt: Rund 27 Prozent der Autos sind hier seit Beginn der Messungen zu schnell unterwegs. Es wurde zweimal geblitzt. Bei der Messung am 6. Juli wurde die Geschwindigkeit von 620 Fahrzeugen kontrolliert, 181 davon fuhren zu schnell. Das entspricht laut der Pressestelle des Zweckverbands einer Beanstandungsquote von sogar 32,10 Prozent. Zwei Fahrer hatten 27 Stundenkilometer zu viel auf dem Tacho.

Das kann bei vorgeschriebenem Tempo 30 teuer werden. Bei einer Überschreitung von bis zu 10 km/h kostet das laut aktuellem Bußgeldkatalog beispielsweise 58,50 Euro. Bei 16 bis 20 km/h zu viel 98,50 Euro. Die beiden Fahrer mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 27 Stundenkilometer sind mit über 200 Euro dabei. Alle eingenommenen Verwarnungs- und Bußgelder leitet der Verband übrigens direkt an die Kommune weiter.

Der Zugang zum Bahnhof führt viele Radfahrer und Fußgänger in die Hans-Dehn-Straße.