Zwist in Kelheim: Ist der Fortbestand einer Sehenswürdigkeit in Gefahr?

Von Beate Weigert · 26. Juli 2023 um 19:00

Ein langjähriger Engagierter trat in Kelheim „mit sofortiger Wirkung“ zurück. Bedroht ein Streit zwischen Förderverein und Kirche die Zukunft eines Kleinods? Beide Seiten sprechen von Angriffen, Vorwürfen und großer Enttäuschung. Das Verhältnis scheint zerrüttet.

Vor 30 Jahren schien es die perfekte Kombi zu sein. Ein Orgelmuseum in der Franziskanerkirche. Förderverein und Kirche zogen an einem Strang. Nun tun sich tiefe Gräben auf. Der 2. Vorsitzende des Fördervereins Ludwig Birkl, der seit dem gesundheitlichen Rücktritt des langjährigen Vorsitzenden Willi Kerschensteiner den Verein führte, hat hingeworfen. Nicht nur er, sondern auch der Stadtpfarrer spricht von viel Enttäuschung und jeder Menge Vorwürfe.

Orgelmuseum in der Franziskanerkirche

Anfang der 1990er war die Franziskanerkirche dringend sanierungsbedürftig. Erst als die Idee geboren war, dort ein Orgelmuseum einzurichten und es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, flossen finanzielle Zuschüsse. 1993 gründete sich der Förderverein Orgelmuseum Franziskanerkirche. Seit 2006 ist das Museum offiziell in Betrieb. Aus alten Zeitungsberichten geht hervor, wie Kirche, Verein, Stadt und Landratsamt bei dem Projekt an einem Strang zogen. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Ludwig Birkl trat zurück

Seit Jahren tut sich der Förderverein schwer. Die Mitglieder sind älter geworden. Schon einmal stand der Fortbestand auf der Kippe. Mit Ludwig Birkl als 2. Vorsitzendem ging es weiter. Ein 1. wurde auch im Nachgang der letzten Neuwahlen nicht gefunden.

2020 hegte der Verein den Wunsch, das Orgelmuseum in die städtische Museumslandschaft zu integrieren. Daraus wurde nichts. Die Stadt sah zu viele Risiken. Stattdessen gewährte man 2021 dem Verein über zwei Jahre je 19.000 Euro Unterstützung. Damit sollte dieser Personalprobleme und andere Zukunftsthemen in den Griff bekommen.

Zweijähriger Vertrag mit der Stadt Kelheim läuft aus

Doch der Vertrag läuft aus – und das Verhältnis zwischen dem Eigentümer der Franziskanerkirche, der katholischen Kirchenstiftung Mariä Himmelfahrt, und dem Förderverein scheint zerrüttet.

Ein Indiz dafür: Der bisherige 2. Vorsitzende Ludwig Birkl hat vor Kurzem sein Amt „mit sofortiger Wirkung“ niedergelegt. Der Verein sei insbesondere mit seinen Veranstaltungen gut unterwegs gewesen, so Ludwig Birkls Fazit aus der Zeit nach Corona. Man habe Astrid Christl-Sorcan als Museumskoordinatorin eingestellt und zwei Mini-Jobber.

Ludwig Birkl: Zusammenarbeit ist zur Belastung geworden

Doch nach und nach seien dem Verein „Prügel“ in den Weg gelegt worden. Es sei auch immer schwieriger geworden, vom Pfarrer Konzerte genehmigt zu bekommen. Obwohl diese im vergangenen Jahr 2700 Besucher anzogen.

Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit der Kirchenstiftung in den vergangenen Monaten „zu sehr zur Belastung geworden“, sagt Birkl auf Nachfrage. Zudem habe es auch Begehungen mit Landratsamt und Stadt gegeben, in die er nicht eingebunden gewesen sei. Das sei ihm sauer aufgestoßen, so Birkl. Dies sei aber nur ein Aspekt von vielen. In erster Linie sei es um die Nutzungsvereinbarung gegangen.

Lange habe er abgewogen. Doch für ein Ehrenamt seien die Umstände zuletzt „nicht mehr tragbar“ gewesen, sagt der Kelheimer. Weil das „Gesamtpaket nicht mehr stimmte“. Das Amt niederzulegen, sei ihm nicht leichtgefallen. Denn er engagiere sich seit fast 30 Jahren im Förderverein, zählte einst auch zu den Gründungsmitgliedern. Nicht nur der Verein auch auf Kirchenseite ist von schwierigem Miteinander und gegenseitigen Angriffen die Rede.

Bistum lässt Fragen unbeantwortet

Für Pfarrer Reinhard Röhrner stehen derzeit Probleme mit dem Brandschutz (siehe Textende) über allem. Davor sei nicht an die nötige Nutzungsvereinbarung zu denken. Das habe ihm auch die Rechtsstelle des Bistums nahegelegt. Unsere Nachfragen dazu ließ die Pressestelle der Diözese unbeantwortet. Stattdessen erstellte man Tage später selbst ein Interview mit dem Kelheimer Pfarrer und verwies darauf.

Röhrner sagt unserer Zeitung, aktuell könne er nicht einschätzen, „wie groß“ das Thema Brandschutz werde. Ein Außendienst-Mitarbeiter des Anlagenherstellers solle demnächst eine Einschätzung abgeben.

Pfarrer Reinhard Röhrner: „Ich torpediere nichts“

Vorwürfe er würde den Dreiklang „Museum, Konzerte, Kirche“ torpedieren, bezeichnet der Pfarrer als „Unfug. Man muss miteinander eine Lösung suchen, statt sich mit Dreck zu bewerfen“. Noch liefen die Konzerte, weil er großzügig sei und konstruktivem Miteinander eine Chance geben wolle.

Derweil hat das Orgelmuseum bereits vor einiger Zeit die Teilnahme an der beliebten Kunst- und Kulturnacht (Kukuk) abgesagt. Nachdem nun nur mehr maximal 80 Konzertbesucher eingelassen werden dürften. Bei der Kukuk kommen erfahrungsgemäß aber viel mehr Leute. Bei anderen Kukuk-Beteiligten löste die Nachricht laut MZ-Informationen große Bestürzung aus.

Der Orgelverein will laut Pfarrer Röhrner demnächst zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung laden. Dort soll geklärt werden, wie es nach dem Rücktritt von Ludwig Birkl weitergehen soll.

Die Sache mit dem Brandschutz

Brandschutz-Fragen: Wäre die Franziskanerkirche nur Kirche bräuchte es keine Brandmeldeanlage. Weil sie aber auch Museum ist, war einst im Bauantrag zur Umnutzung als Orgelmuseum „die Errichtung einer Brandmeldeanlage Gegenstand der Baugenehmigung“, heißt es auf unsere Nachfrage vom Kreisbauamt.

Neuigkeit: Pfarrer Röhrner hörte nach eigener Aussage im Frühjahr 2023 per Zufall auf der Jahresversammlung des Fördervereins, dass die Brandmeldeanlage vor vielen Jahren wegen ständiger Fehlalarme abgeschaltet worden sei. Wer dies veranlasste, sei nicht dokumentiert. Der Verantwortliche unbekannt.

Problem: Zunächst habe er dies für „eine Kleinigkeit“ gehalten, so Röhrner. Doch passiere etwas, müsse er es verantworten. Deshalb müsse dies geklärt werden. Das Kreisbauamt weist auf Nachfrage eine Zuständigkeit von sich: „Brandschutzmängel im Bestand (ausgeschaltete Brandmeldeanlage) sind bei einer Feuerbeschau durch die Stadt Kelheim zu beurteilen.“ Eine solche hat bislang nicht stattgefunden. Allerdings hat die Stadt der Kirchenstiftung eine Frist bis zum 28. Juli gesetzt. Bis dahin gelte es Mängel in Sachen Brandschutz abzustellen.

Blick ins Orgelmuseum Foto: Beate Weigert
Ludwig Birkl trat als 2. Vorsitzender „mit sofortiger Wirkung“ zurück. Foto: Roland Kugler
Die Franziskanerkirche ist ein Kleinod im Fischerdörfl. Foto: Beate Weigert