Er galt als Sensationsfund: Vogelstation Regenstauf trauert um kleinen Bruchpiloten

Tagelang haben die Helfer der Vogelstation alles gegeben, um den Basstölpel, der vermutlich auf dem Weg nach Helgoland bei Neumarkt abgestürzt war, aufzupäppeln. Doch nun fanden sie ihn tot in seinem Käfig. Künftig soll sein Körper als Anschauungsobjekt dienen.
Er galt als Sensationsfund: Ein Landwirt hatte den Basstölpel, einen Meeresvogel, kürzlich auf einem Feld im südlichen Landkreis Neumarkt gefunden. In der Vogel- und Umweltstation des LBV in Regenstauf hätte das gefiederte Tier aufgepäppelt werden sollen, um es nach Ostfriesland zu bringen. Jetzt ist der Vogel tot.
Für Ferdinand Baer, fachlicher Leiter der Vogelauffangstation in Regenstauf, keine Überraschung. Es gehört schon fast zum Alltag, dass Vögel sterben, sagt er. Nur etwa 40 Prozent der aufgenommenen Vögel würden überleben und könnten nach dem Aufenthalt in der Vogel- und Umweltstation wieder ausgewildert werden. Zu den restlichen 60 Prozent, die es nicht schaffen, gehört nun auch der Basstölpel.
Seine Heimat ist der Norden
Der Meeresvogel lebt eigentlich im Norden – auch im Norden Deutschlands, genauer gesagt in Helgoland. Dort brütet er seit 1991 in großen Kolonien.
Warum der Basstölpel, der auf dem Heimweg aus dem Süden war, in Neumarkt zurückblieb, darüber können Baer und sein Team nur spekulieren. Vermutet sei es Erschöpfung gewesen. Auch die Todesursache könne nicht genau festgemacht werden. „Er hat das Futter nicht mehr in sich behalten und hochgewürgt“, sagt Baer. Das sei immer ein schlechtes Zeichen, das darauf hindeute, dass der Vogel das Futter – beim Basstölpel Makrelen – nicht mehr verarbeiten könne. Grund dafür könnten Probleme mit dem Magen sein. Bei einem Kontrollrundgang fand Baer den Vogel schließlich tot im Gehege. Der Test auf die Vogelgrippe fiel negativ aus.
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Basstölpel landen nur an Steilküsten oder Klippen, um zu brüten. Ansonsten sind die Tiere auf dem offenen Meer unterwegs. Aus diesem Grund mussten die Mitarbeiter der Vogelstation im Regenstaufer Masurenweg 19 auf ein geeignetes Umfeld für den Basstölpel achten.
Baer und sein Team holten sich Rat von Kollegen aus der Auffangstation „Waloseum“ in Ostfriesland: Eine weiche Lagerung solle es sein, damit der Vogel durch das viele ungewohnte „Rumliegen“ keine Schäden nimmt. Das Ergebnis: Ein viereckiges Gestell aus Holz, in der Mitte ein Loch, darüber eine gespannte weiche Gummi-Abdeckplane.
Zudem wurden Spiegel angebracht, damit sich der Vogel darin selbst sehen kann. „Basstölpel sind Kolonievögel. Wir haben uns gedacht, dass ihn die ,Anwesenheit’ eines Artgenossen beruhigen würde. Er ist auch immer davorgesessen und hat nicht aggressiv darauf reagiert“, erklärt Baer.
Der Meeresvogel, der Anfang August in das Waloseum hätte gebracht werden sollen, hat in Regenstauf keinen Namen erhalten. „Nur Dauergästen geben wir einen Namen, aber den anderen Patienten nicht, die könnten wir uns nicht alle merken.“ Aktuell leben 70 Vögel in der Auffangstation. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Jungvögel, die aus dem Nest gefallen oder bei den ersten Flugversuchen abgestürzt sind. „Das ist für die Jahreszeit typisch“, so der fachliche Leiter.
Täglich neue Patienten
Täglich kommen zwischen fünf und 15 neue Patienten in der Auffangstation hinzu. Dass die Sterberate bei den aufgenommenen Vögeln so hoch ist, liege an den teils schweren Verletzungen der Tiere, – „da ist das kein Wunder“, sagt Baer. Die drei Hauptverursacher seien Katzen, Fensterscheiben oder Autos.
Anstatt den Basstölpel in einem Tierkrematorium zu verbrennen, planen Ferdinand Baer und sein Team, den besonderen Vogel präparieren zu lassen. „Das klingt immer pietätlos, aber für die Umweltbildung hätte er einen sinnvollen Nutzen, wenn man ihn herzeigen könnte.“
